Leserforum

Straßenumbenennungen: Sicher nicht hilfreich für unser Ansehen in der Welt

von Redaktion

Zum Bericht „34 Straßennamen unter Verdacht“ (Lokalteil):

Anscheinend haben die Umbenennungsfanatiker die „Münchener Straße“ vergessen oder kennen deren „Bezug zum Nationalsozialismus“ nicht. Parteizentrale Braunes Haus, Bürgerbräu, Marsch zur Feldherrnhalle, Führerbauten, Stadt der Bewegung usw. Seit wann und wieso erzählt der „Salzburger Weg“ und auch der „Steiermark-Weg“ ,,Geschichten, die man lieber nicht hören will“. Auch der „Oberdonauweg“ müsste „überprüft“ werden, da es den Gau Oberdonau im Dritten Reich gab. Da ließe sich noch vieles finden, wenn man sonst keine Probleme hat! Verdun hat mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun, ebenso wie die Argonnen. Haben Stadträte nicht wichtigere Aufgaben, um Arbeitsgruppen zu beschäftigen. Was ging in den Köpfen der Antragsteller im Corona-Jahr 2021 wohl vor?

Peter Gaschott

Raubling

Was haben wir für Probleme. Nur ein Beispiel, warum ich die Änderung von Straßennamen für falsch und übertrieben halte: Solange in Bayreuth die Wagner-Festspiele stattfinden, sollte auch die Richard-Wagner-Straße nicht umbenannt werden. Im Übrigen halte ich auch den Vorwurf einer nationalistischen Haltung von Richard Wagner für unangebracht. Im 19. Jahrhundert durfte man noch stolz darauf sein, ein Deutscher zu sein.

Johann Pelzl

Rosenheim

Entsetzlich, dass die SPD-Stadtratsfraktion so lange warten musste, bis eine Liste der problematischen Straßenschilder mit Bezug auf Personen in Verbindung zur Nazizeit erstellt wurde. Es ist wunderlich, wie nach 80 Jahren Hitlerende die deutsche Politik noch immer Gelegenheiten sucht, sich vor aller Welt von den damaligen Sünden reinzuwaschen.

In keinem Land weltweit gewinnt die Redewendung: Mea culpa (durch meine Schuld) so viel Bedeutung wie bei uns. Amerikaner, Spanier, Engländer und Niederländer haben massenweise ethnische Gruppen bekämpft, versklavt und getötet.

Unser Volk hat sich in der NS-Zeit sicher nicht mit Ruhm bekleckert, aber jetzt durch behördlichen Aktionismus Straßennamen umzubenennen, ist wieder ein weiterer Akt der überbordenden Bürokratie. Diejenigen, die jetzt den Mund aufmachen, sind nicht in der abscheulichen Gewaltherrschaft aufgewachsen. Mein Vater kam 1941 schwer verwundet aus dem Russlandfeldzug heim, viele unserer deutschen Soldaten jedoch verloren ihr Leben. Er war als Betriebsleiter auch selbstverständlich NSDAP-Mitglied, ohne diese obligatorische Mitgliedschaft war Geschäftsführung fast unmöglich.

Die deutschen Männer waren meist an der Front zwangsverpflichtet und dadurch wurden Zwangsarbeiter eingesetzt, die Betriebe und Bauernhöfe mussten ja weiterhin produzieren. Jungen europäischen Nachbarn präsentieren wir unser Dachauer KZ, macht uns das liebenswert? Frankreichs Plätze und Straßen tragen Napoleons Namen, es ist sicher keine Umbenennung geplant, trotz Kriegsverbrechen und Millionen Toten durch seine Feldzüge.

Wir werden unsere Geschichte nicht vergessen, aber das ständige Bereuen unserer Taten ist sicher für unser Ansehen in der Welt nicht hilfreich.

Michael Bernrieder

Stephanskirchen

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