Plauderbar holt Senioren aus der Einsamkeit

von Redaktion

Mobiles Caritas-Café schafft Vertrauen, Austausch und praktische Unterstützung direkt vor Ort

Rosenheim – Manchmal klappt es. Da hat ein tolles Projekt ein ebenso tolles Aushängeschild. Eines, das so freundlich und einladend wirkt, dass die Leute keinerlei Berührungsängste haben, um sich die Sache einmal näher anzuschauen.

Wovon hier die Rede ist, ist die „Plauderbar“ der Caritas. Man könnte sie als Café auf Rädern beschreiben, die an jedem Mittwoch an einem anderen Punkt der Stadt zu finden ist. Ihr Hauptzweck ist es, bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee ein Treffpunkt für einen Ratsch zu sein. Erfunden wurde sie zu den schlimmsten Zeiten der Corona-Pandemie: Keine Chance mehr, sich in geschlossenen Räumen zu treffen, Cafés und Gaststätten zu. Vor allem für Seniorinnen und Senioren fühlte sich das oft an wie Einzelhaft. Da kam Gitti Plank von der Caritas auf die Idee, doch einfach ein Café im Freien anzubieten – dort waren Treffen und gemeinsames Kaffeetrinken, wenn man nur untereinander ein klein wenig Abstand hielt, noch möglich: Raus aus der Einsamkeit und hin zur Plauderbar, so könnte man das Motto beschreiben.

Dass die Plauderbar-Idee gerade Gitti Plank einfiel, kam nicht von ungefähr. Sie war Teil eines neuen Projektes, das die Caritas im Auftrag der Stadt aufgelegt hatte, das Projekt der „Präventiven Hausbesuche“. Ein sperriger Name, hinter dem sich aber ein wichtiges Anliegen versteckte. Es ging darum, Seniorinnen und Senioren so lange wie irgend möglich zu einem selbstbestimmten Leben in den eigenen vier Wänden zu verhelfen. „Selbstbestimmt“ meint dabei: den Alltag mit eigenen Kräften und damit nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können.

Um das zu bewerkstelligen, braucht man naturgemäß zumindest am Anfang Hilfe, Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen etwa, Tipps für das Umgestalten der Wohnung oder – ganz banal, aber wichtig – jemand im Haus zu finden, der einem hilft, die Einkäufe in den dritten Stock zu tragen. Die Idee hinter den Hausbesuchen war nun, Senioren und Seniorinnen nicht irgendwo auf ein „Amt“ zu zwingen, wenn sie Beratung wollten, sondern diese sozusagen frei Haus anzubieten. Möglich gemacht wurde das Projekt dann durch zahlreiche Unterstützer, etwa die Gertraud-Stumbeck-Stiftung, die Sparkassenstiftung Zukunft oder auch die Deutsche Fernsehlotterie, um nur die drei größten zu nennen.

Der Bedarf war da, wie sich im Laufe des Projektes herausstellte. Und häufiger als ursprünglich gedacht ging es nicht nur um eine unterstützende Beratung, sondern Gitti Plank und ihre Kollegin Lucia Haas standen immer häufiger Fällen gegenüber, die eine sofortige Hilfe erforderten. Etwa wenn bei einem Ehepaar der eine Partner an Demenz litt, der andere, der ihn pflegte, aber plötzlich durch Krankheit ebenfalls eingeschränkt war. Auch deshalb ging das Projekt, das ursprünglich auf drei Jahre angelegt gewesen war, 2022 in eine zweite Phase, ab jetzt – dem erweiterten Aufgabenspektrum angepasst – „Soziale Dienste für Seniorinnen und Senioren“ genannt.

Auch das ein sperriger Name, das Projekt stieß aber nach wie vor auf große Resonanz: 381 Seniorinnen und Senioren erhielten in den vergangenen drei Jahren der zweiten Projektphase Beratung und Unterstützung, bei insgesamt gut 3000 Beratungsterminen. Das weiß Manina Sobe zu berichten, die Fachdienstleiterin Soziale Dienste bei der Caritas. Überraschend dabei auch für sie: Der Kontakt zum Unterstützungsangebot erfolgte relativ selten über irgendwelche „öffentlichen“ Stellen, wie zum Beispiel das Sozialamt oder Ärzte. Der größte Anteil der Ratsuchenden – über 35 Prozent – kam aus eigenem Antrieb, aufmerksam gemacht durch „Mund-zu-Mund-Propaganda“.

Und genau hier kommt wieder die Plauderbar ins Spiel. Gitti Plank und Lucia Haas, die „Plauderbar-Wirtinnen“, sind genau dieselben, die auf Wunsch eine Beratung daheim anbieten. Man weiß also schon vom Ratschen an der Plauderbar her, mit wem man es im Falle eines Beratungsgesprächs zu tun hätte. Ein großer Hindernisfaktor, die Unsicherheit, „wer kommt mir da ins Haus und ist das jemand, mit dem ich wirklich reden kann“, fällt damit von vornherein weg.

Die wichtigste Nachricht dabei: Auch wenn das Projekt als solches jetzt ausgelaufen ist – die Unterstützungsangebote und auch die Plauderbar wird es weiterhin geben. Und wer jetzt ganz ungezwungen einmal genauer wissen will, wie die Plauderbar so aussieht und was dort geboten ist, hat an diesem Samstag beste Gelegenheit dazu: Da steht sie am Grünen Markt.

Johannes Thomae

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