Esbaumviertel als „Spezial-Einkaufsgegend“?

von Redaktion

Unterwegs mit Rosenheims Citymanagerin Kathrin Schrubar

Rosenheim – „Es könnten sich hier wirklich spannende Wechselwirkungen ergeben“, meint Citymanagerin Kathrin Schrubar. Wir stehen vor den Räumlichkeiten, in denen früher das Männerbekleidungsgeschäft von Martin Mayr heimisch war und demnächst die Brautmoden von „ma‘nova“ einziehen werden, „Gleich ums Eck ist ja die traditionsreiche Gold- und Platinschmiede Gangkofer. Und davor und danach kann man ja noch in den anderen schönen Mode- und Spezialgeschäften hier einkaufen gehen.“ ma‘nova-Inhaberin Maja Novakovic hatte selbst betont, wie wichtig die Nachbarschaft für die Standortwahl gewesen sei und dass gerade auch die Änderungsschneiderei gleich gegenüber ein Vorteil sei. Es ist Mitte April, ein schöner Frühlingstag. Im Café am Esbaum herrscht reger Betrieb. Auch sonst flanieren zahlreiche Leute durch die Nachbarschaft. „Ja, es ist nicht dieselbe Lage wie beispielsweise die Münchner Straße, aber auch ich sehe eine Zukunft für das Esbaumviertel als ‚Spezial-Einkaufsgegend‘.“

Ein kleiner Zeitsprung zurück: Ende Oktober des vergangenen Jahres waren wir in der Nachbarschaft mit Schrubars Vorgänger Axel Klug unterwegs gewesen. Damals war es bereits so, dass zumindest „Am Esbaum“, wenn auch noch nicht im gesamten Viertel, ein Ende der Leerstände gekommen war. Das ehemalige Trachtenoutlet hatte eine Nachnutzung als Büroräume gefunden. Ein neues Modegeschäft war kurz davor, in den ehemaligen Bogner Sportswear einzuziehen und auch im Haus „Am Esbaum 5“ waren mit „Gürtelschnallen Herzog“ und „Vik‘Ink Tattoo“ endlich Nutzungen gefunden worden. „Hier ‚Am Esbaum‘ hat sich nun eine Reihe von sehr speziellen Geschäften und Betrieben angesiedelt. Bei diesen geht es überwiegend weniger um Laufkundschaft, sondern Leute kommen ganz gezielt zu ihnen, weil sie genau deren Angebot haben wollen“, resümierte Klug damals.

Was ist von so einer Idee zu halten? Bernd Ohlmann, Pressesprecher beim Handelsverband Bayern, kann sich durchaus vorstellen, dass so ein Konzept langfristig aufgeht. „Das kann vor allem als so eine Art ‚Trade up‘, eine kontinuierliche Verbesserung, funktionieren“, meint er, „Zum einen, dass mit jedem neuen Geschäft die Gegend interessanter für andere wird, die vielleicht auch Wechselwirkungen haben.“ So wie das Brautmodengeschäft nahe der Platinschmiede und der Änderungsschneiderei im Esbaumviertel. „Zum anderen auch beim Kunden selbst: Da kommt beispielsweise jemand und will ein Brautkleid kaufen. Sie wäre sonst vielleicht nicht in diese Nachbarschaft gekommen und stellt dann fest: ‚Ach schön, da gibt‘s ja noch einiges mehr, das ich spannend finde, da gehe ich nochmal hin und gucke mir das auch noch an!“, zeichnet er ein Szenario.

„Wenn sich so etwas etabliert, macht das ja auch das Einkaufserlebnis in der gesamten Stadt attraktiver: Hier bekommt man nicht nur die Dinge für den Alltag oder was man sonst so kaufen würde. Sondern da wartet auch noch das Potenzial, ganz viele andere Dinge zu entdecken.“ Das Ganze müsse dann nur noch durch ein passendes gastronomisches Angebot, wie im Esbaumviertel durchaus gegeben, abgerundet werden. „Ganz wichtig: die Erreichbarkeit! Das muss jetzt nicht mal direkt mit dem Auto beziehungsweise Parkplätzen vor Ort sein. Aber ein durchdachtes Konzept muss stehen, wie man dann halt von der Parkmöglichkeit oder dem Bahnhof ohne Umstände zu Fuß, mit dem Rad oder per ÖPNV bequem zum Einkaufsbummel kommt.“ So weit, so gut. Aber wie schaut’s eigentlich mit der Beseitigung der Leerstände aus? „Man muss an dieser Stelle immer bedenken: Unser Leerstandsmanagement funktioniert nicht wie bei einem Immobilienmakler. Wir sind auf die Kooperation der Inhaber der Leerstands-Immobilien angewiesen“, bemerkt Citymanagerin Kathrin Schrubar. Nicht immer müsse deren Entgegenkommen an reinem Unwillen liegen.  „Manche Leute sind sich bestimmt einfach nicht bewusst, wie dringend ihr Grundstück gebraucht würde“, meinte Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen im Gespräch mit unserer Redaktion anlässlich der Aufnahme eines Leerstandsmanagements in der Kreisstadt im Norden. „So ähnlich wird es auch hier zuweilen sein“, meint Schrubar.

Immerhin, auch bei diesem Besuch sieht man Zeichen, dass es gerade voranzugehen scheint: Das Ladengeschäft, in dem einst „Bücher Johann“ zu Hause war, belegt nun ein Inneneinrichtungsexperte. Im ehemaligen „Orangewerk“ wird auch bereits an etwas gearbeitet. Wiederum in die Hinterhoflage beim ehemaligen „Strehles“ ist ein Fitness-Coaching eingezogen. „Vieles davon passiert auch unabhängig von unserer Mithilfe“, räumt Schrubar ein. Eine Sache bemerkt sie dann noch: „Es gibt auch so eine Art ‚Anscheins-Leerstände‘, nicht nur, aber prominent auch hier in der Nachbarschaft.“

Entstehen würden diese dadurch, dass zahlreiche Geschäfte frühere Rückausgänge außer Betrieb genommen hätten und nur noch als Notausgänge nutzten. „Manchmal wird das dann durchaus optisch ansprechend genutzt. Teilweise aber leider nicht und das wirkt dann, als würde da etwas leerstehen, obwohl auf der anderen Gebäudeseite, am Haupteingang, ganz normaler Betrieb herrscht.“ Heinz Seutter

Artikel 2 von 11