Rosenheim – Kinder haben Rechte. Genau die will die Stadt Rosenheim jetzt stärken. Deshalb trafen sich am 3. April etwa 80 Menschen aus sozialen Berufen im Bildungswerk und sammelten gemeinsam Ideen. Die reichten von Kinderfaschingszügen bis zu einer Notfallsäule für Kinder und Eltern.
Eigener Platz am
Salzstadel geplant
„Es ist grundsätzlich wichtig, klarzumachen, welche Rechte Kinder haben“, betont Susanne Lein, Leiterin der Koordinierungsstelle Frühe Kindheit in Rosenheim. Die seien oftmals in der breiten Bevölkerung nicht bekannt. Ab sofort soll deshalb in Rosenheim jedes Jahr ein Kinderrecht zum Thema gemacht werden. „Wir fangen mit dem Recht auf gewaltfreie Erziehung an“, erklärt Lein. Das sei seit dem Jahr 2000 gesetzlich geregelt.
Um die Rechte der Kinder sichtbar zu machen, ist ein Platz für Kinderrechte geplant. Der soll voraussichtlich am Salzstadel entstehen.
„Das ist noch nicht in trockenen Tüchern, aber ziemlich sicher“, betont Christian Meixner. Für den Leiter des Jugendamts ist das Thema Kinderrechte eine „absolute Herzensangelegenheit“, wie er selbst sagt.
Sein Vorbild ist die Stadt Lindenberg im Allgäu: Dort gibt es bereits einen Platz für Kinderrechte – den ersten in Bayern. Daran könne man sich auch in Rosenheim orientieren. Oberbürgermeister Andreas März, der ebenfalls vor Ort war, nahm sich Großes vor: „Rosenheim soll die familienfreundlichste Stadt in Deutschland werden.“
Wie genau das funktionieren soll, darüber beriet man sich im Bildungswerk. „Man könnte eine Schnitzeljagd durch Rosenheim veranstalten, bei der Kinder erfahren, welche Rechte sie haben“, schlug eine Teilnehmerin vor. Eine andere plädierte dafür, mehr Bewegungsflächen zu schaffen und dafür beispielsweise den Salingarten zu nutzen.
Ein großes Thema war, dass Eltern immer weniger Aufmerksamkeit für ihre Kinder haben – und immer mehr für ihre Handys.
Deshalb wurde eine handyfreie Zone vorgeschlagen, in der Eltern ihre Mobiltelefone in einem Safe verstauen können. Besonders berührte dabei die Geschichte einer Teilnehmerin: „Ein Kind hat letztens gesagt, ‚ich wünschte, ich wäre ein Handy, dann hätte meine Mama mehr Aufmerksamkeit für mich‘.“
Insgesamt forderten die Teilnehmer mehr Anlaufstellen für Kinder. Die Vorschläge reichten hier von einer SOS-Notfallsäule bis zu einem Kinderbüro. Dort könnten Kinder und Eltern Hilfe erhalten, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Eine Schulsozialpädagogin forderte zentralere Räume für Kinder, die eine Auszeit brauchen. Zudem wurden eine regelmäßige Kinderkonferenz mit OB März vorgeschlagen sowie ein Kinderfaschingszug, bei dem Kinder die Wagen gestalten könnten.
Vor allem aber sollen Kinderrechte sichtbar gemacht werden. Ob mithilfe von Abbildungen von Kinderfüßen, die in der Stadt verteilt zu sehen sind, oder mit Bannern, auf denen Kinder selbst zu Wort kommen.
Ideenpool soll
umgesetzt werden
Die Veranstaltung im Bildungswerk war erst der Auftakt, wie Mitorganisatorin Susanne Lein sagt. „Jetzt haben wir diesen Ideenpool, der von Leuten aus ganz unterschiedlichen Bereichen eingebracht wird“, so Lein. Nun schaue man sich an, was umsetzbar ist.