Anna (95) und ihr großes Herz für Menschen

von Redaktion

Sie hat ein Herz für andere Menschen: Anna Gerber (95) ist seit über 20 Jahren bei der Rosenheimer Tafel tätig. Einmal die Woche hilft sie dort ehrenamtlich aus. Wie sie dazu kam und warum sie ihr Engagement so schnell nicht aufgeben will.

Rosenheim – Lebensmittel sortieren, um bedürftigen Menschen zu helfen. Das macht Anna Gerber bereits seit über 20 Jahren. Die 95-Jährige ist ehrenamtlich bei der Rosenheimer Tafel tätig. Bis heute engagiert sie sich jede Woche mindestens einmal – und will auch so schnell nicht damit aufhören. Anna Gerber ist keine gebürtige Rosenheimerin, wie sie erzählt. „Eigentlich stamme ich aus Oberschlesien“, sagt sie. 1945 sei sie als „Flüchtling“ nach Deutschland und zuerst nach Simbach im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn gekommen. Mittlerweile lebt sie aber seit 47 Jahren in Rosenheim.

Heimat wird
immer noch vermisst

Ihre Heimat vermisst sie dennoch. „Ich würde sehr gerne mal wieder dorthin fahren“, sagt Gerber. Ihr Sohn traue sich die Reise allerdings nicht zu und sie selbst fahre nicht mehr Auto. „Wenn es tatsächlich noch ein Leben gibt, besuche ich aber als Erstes meine Heimat“, betont die 95-Jährige. Gerber hat lange gearbeitet. Erst sei sie als Buchhalterin tätig gewesen, habe dann ihren Job aber aufgegeben, als sie ein Kind bekam. „Ich wollte aber dennoch wieder arbeiten“, erinnert sich Gerber. Also suchte sie sich im Alter von 62 Jahren noch einen neuen Job. Dieses Mal als Bäckereiverkäuferin. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht“, erzählt sie. „Ich bin hinter die Theke gegangen, habe mich geschüttelt und dann war ich im Geschäft.“ Erst als sie 73 Jahre alt war, stieg Gerber endgültig aus. „Ich hatte eine Operation und bin danach nicht wieder in den Job zurückgegangen“, sagt sie. Ein Jahr später, im Jahr 2004, sei sie auf der Jahreshauptversammlung der örtlichen Arbeiterwohlfahrt gewesen. „Ich wurde gefragt, was ich so mache und mir wurde dann vorgeschlagen, dass ich doch mal zur Tafel kommen soll“, erzählt die Rosenheimerin. Mittlerweile ist sie seit über 20 Jahren dabei. „Ich bin Gott sei Dank gesundheitlich noch so auf dem Damm, dass ich das machen kann“, sagt Gerber. Jeden Mittwoch ist sie bei der Tafel in der Samerstraße vor Ort. „Ich freue mich jedes Mal darauf“, sagt sie. Früher habe sie auch donnerstags noch ausgeholfen. „Aber zwei Tage hintereinander war mir irgendwann zu viel.“ Wenn sie allerdings gebraucht wird, sei sie sofort zur Stelle. „Die Kameradschaft unter den Kolleginnen und Kollegen ist einfach schön“, sagt Gerber. Es gebe nie Ärger, und man freue sich jedes Mal, wenn man sich wieder sieht. Das habe sich auch in den vergangenen Jahren nicht verändert. „Das Einzige, was sich geändert hat, waren die Chefs. Mit denen sind wir aber immer zufrieden gewesen“, betont die Rosenheimerin.

Auch mit dem aktuellen Leiter der Rosenheimer Tafel, Horst Steppi, versteht sich die 95-Jährige gut. Steppi schätzt ihr ehrenamtliches Engagement sehr. „Anna ist ein unglaublich liebenswerter, hilfsbereiter Mensch, der einfach das Bedürfnis hat, anderen Leuten zu helfen“, betont er. Das merke man ihr immer an. „Mit jeder Faser ihres Körpers steht sie für die Tafel und hilft mit“, so Steppi. Außerdem sei Gerber ein sehr lustiger Mensch, der auch bei Feiern immer dabei sei.

„Wenn in Rosenheim wieder die Wiesn stattfindet, ist unsere Anna diejenige, die am häufigsten dort ist“, sagt Steppi und Gerber lacht. „Das stimmt“, sagt sie. Außerdem geht die 95-Jährige gerne essen.

Herbstfest-Besuche
gehören dazu

„Aber nur am Sonntag“, betont sie. Gerber ist gerne unter Menschen, freut sich, wenn sie sich mit anderen nett unterhalten kann. Deshalb will sie auch ihre Tätigkeit bei der Tafel nicht aufgeben. „Solange es gesundheitlich geht, werde ich das weitermachen“, sagt Gerber.

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