Kurze Pause vom Alltagsstress

von Redaktion

Interview Seelsorgerin Hannelore Maurer über „Mittwochs um 12 in Heilig Geist“

Rosenheim – Wer sich an einem stressigen Tag erholen möchte, muss nicht in den nächsten Flieger steigen. Denn eine Pause im Alltag bietet auch die Heilig-Geist-Kirche in Rosenheim. Jeden Mittwoch um 12 Uhr findet dort eine kurze Andacht statt. Was Rosenheimer erwartet und wieso die Andacht ein wichtiger Teil des Tages werden könnte, erzählt Hannelore Maurer im OVB-Gespräch.

Die Reihe „Mittwochs um 12 in Heilig Geist“ ist zurück – nach einer Unterbrechung. Wie kam es dazu?

Wir hatten die Andacht schon seit einigen Jahren, doch haben wir jetzt nach der Renovierung der Kirche ab Ende Oktober eine Pause gemacht. Der Grund war zum einen, dass zeitweise weniger Menschen gekommen sind. Zudem ist es im Winter hier immer ziemlich kalt, deshalb haben wir gesagt, wir machen eine Pause und starten einfach nochmal neu.

Wie läuft eine solche Andacht ab?

Das Programm ist immer gleich. Es beginnt mit dem Glockenläuten. Zuerst läuten die Glocken von St. Nikolaus und dann die der Heilig-Geist-Kirche. Also haben wir am Anfang schon ein kleines Konzert. Anschließend kommt ein Musikstück von der historischen Orgel, zwei Textimpulse und zwischendrin wieder Orgel. Die Andacht dauert ungefähr 15 Minuten.

Wer begleitet die Andacht musikalisch?

Zum großen Teil unser Kirchenmusiker Christopher Ryser.

Was soll die Andacht bewirken? Was erhoffen Sie sich davon?

Diese Andacht ist ein ganz spezielles Angebot für Menschen in der Innenstadt, die in der Mittagspause einfach mal zur Ruhe kommen wollen. Manche wollen in der Mittagspause innehalten und das Leben in die Gegenwart Gottes bringen. Es gibt Menschen, die mit Einkaufstaschen hier hereinkommen oder auch Touristen. Die Tür ist offen, sie staunen, es kommt Musik. Wenn sie reinkommen, hören sie Texte, Bildbetrachtungen, Geschichten, Bibelstellen, je nachdem, was sich die einzelnen Seelsorger und Seelsorgerinnen überlegt haben.

An wen richtet sich die Veranstaltung?

Es ist ein Angebot für Menschen, die unsere Gottesdienste nicht oder nicht mehr besuchen. Es ist offen für Menschen aller Religionen, für Fernstehende, für Suchende. Jeder trägt eine Sehnsucht im Herzen und jeder ist hier mit seiner Sehnsucht willkommen. Auch junge Menschen. Man muss kein praktizierender Katholik oder Christ sein, sondern man kann einfach kommen. Auch Menschen, die man immer wieder in den Gottesdiensten sieht, kommen hierher. Und es gibt Menschen, die kommen nur hierher. Sie haben aus irgendeinem Grund für Gottesdienste entweder keine Zeit, es ist nicht ihr Format oder sie haben damit abgeschlossen, aber sie kommen hierher, weil das ein leicht zugänglicher Ort für ihre Spiritualität ist.

Wie kam die Andacht in den vergangenen Jahren bei den Menschen an?

Wechselnd. Im Sommer kommen oft ganz viele. Einmal gab es ein Gewitter in der Stadt, da war ich nur mit zwei Personen da und habe meinen vorbereiteten Impuls auch für die zwei Personen gehalten. Das ist auch schon vorgekommen. In der Regel sind es um die 20 Personen.

Die Kirche wurde in den vergangenen Jahren renoviert. Wie lang dauerte diese Renovierung und wie wirkte sie sich auf die Andacht aus?

Wir haben insgesamt fast zweieinhalb Jahre für die Renovierung gebraucht. Die Fenster sind komplett neu gemacht und es sind neue Glocken eingezogen worden. Der Gottesdienstbesuch hat sich dadurch nicht verändert. In der Renovierungszeit hat diese Andacht in der Nikolauskirche stattgefunden, aber wir haben uns riesig gefreut, dass wir wieder in die Heilig-Geist-Kirche gehen können.

Wer richtet die Andachten aus?

Wir machen das mit den beiden Seelsorgeteams, der katholische Stadtkirche und dem evangelisch-lutherischen Dekanat. Wir haben auch einige Ehrenamtliche von beiden Kirchen, die sich an dieser Aktion beteiligen.

Warum würden Sie den Menschen ans Herz legen, eine solche Andacht zu besuchen?

Zum einen, weil die Kirche mit dem Gottesdienst ein spiritueller, besonderer und historischer Ort ist, der Kraft gibt. So was sollte man einfach mal erlebt haben. Zudem kann man dort zur Ruhe kommen und Ruhe und neue Impulse braucht der Mensch für sein Leben. Es sind einfach andere Gottesdienste, als wir sie normalerweise in unseren Kirchen feiern.

Wann startet die Reihe?

Der Auftakt ist heute um 12 Uhr. Dafür haben wir nicht nur eine Seelsorgerin, sondern den Stadtpfarrer Thomas Schlichting persönlich, gemeinsam mit der evangelischen Dekanin Dagmar Häfner-Becker. Sie werden gemeinsam einen prominenten Auftakt machen, um einfach nochmal zu sagen: Diese Reihe ist uns wichtig und alle sind eingeladen.

Kann man die Kirche eigentlich auch außerhalb der Andachtszeiten besuchen?

Die Kirche ist tagsüber geöffnet und viele Rosenheimer kommen einfach hierher, um den Verstorbenen zu gedenken und eine Kerze anzuzünden. Neben der Sakristei ist ein Platz mit all unseren Sterbebildern in einem Sterbebuch.

Interview: Christina Glanz

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