Rosenheim – Ein paar Klaviere und Flügel stehen noch im Geschäft. An einigen hängt schon ein Zettel: „Verkauft“. Sie warten noch auf die Abholung. Die anderen drei Instrumente müssen die Inhaber Rainer Dotzek und Jutta Bräunlein noch bis zum 30. September verkaufen, denn dann schließt Piano Bredschneider endgültig seine Türen. Und das nach 73 Jahren.
Klaviere brauchen
viel und teuren Platz
In den jetzigen Räumlichkeiten an der Färberstraße 10 bis 12 ist der Laden seit den späten 1980er-Jahren. „Vorher war er in der Färberstraße 6, da, wo jetzt die Sprachschule ist“, sagt Dotzek. Das Geschäft ist über 200 Quadratmeter groß, denn Klaviere brauchen auch viel Platz.
Beim Umzug war Dotzek mit dabei, denn er arbeitet seit 1986 bei Piano Bredschneider als Klavierbauer. Schon sein Chef, Fritz Bissinger, hatte das Unternehmen einst vom ersten Besitzer Paul Bredschneider übernommen. 2003 ging das Geschäft an Rainer Dotzek und Werner Bräunlein über, der bereits 2012 verstorben ist. Dotzek und Bräunlein hatten zuvor schon viele Jahre im Piano Bredschneider gearbeitet. Auch Werner Bräunleins Frau, Jutta, stieg mit ins Geschäft ein und kümmerte sich viel um die Verwaltung. Bis heute. Zumindest noch bis zum 30. September, denn dann ist Schluss. „Die wirtschaftliche Lage lässt es nicht mehr zu“, erklärt Dotzek die Hintergründe. Das Problem sei, dass Klaviere lange halten – bis zu 100 Jahre, wenn es eine gute Marke ist. Diese Langlebigkeit der Produkte spiegelt die Problematik von Piano Bredschneider und der ganzen Branche wider. „Kein Mensch weiß, wie es in unserer Branche jetzt weitergeht“, sagt Dotzek. Deswegen haben die beiden Inhaber auch niemand Passenden gefunden, der den Laden übernehmen wollte.
Ein weiteres Problem ist laut Dotzek, dass die Leute oft nur noch für eine Beratung ins Geschäft kämen und am Ende etwas Günstigeres im Internet kauften. Denn selbst gebrauchte Klaviere seien im Laden meist teurer als online, berichtet Dotzek. Das liege aber auch daran, dass ein Händler oft mindestens 1000 Euro in ein gebrauchtes Klavier reinstecke, um es mit gutem Gewissen und Garantie verkaufen zu können. Bei einem Online-Kauf bleibe das oft am Kunden hängen. Neben den Transportkosten kämen dann noch hohe Reparaturkosten hinzu. „Das ist dann im Endeffekt teurer, als wenn er es beim Händler gekauft hätte“, sagt Dotzek.
Dabei war mit dem Geschäft lange alles in Ordnung. Es stehe zwar nicht jede Woche jemand im Laden, der ein Klavier kaufen möchte, meint Dotzek. Aber das sei normal. Ein Laden wie Piano Bredschneider setzt laut seinen Inhabern nicht auf Laufkundschaft. Der Kauf eines Klaviers ist eine überlegte Entscheidung, schließlich kostet so ein Instrument mindestens 15000 Euro aufwärts – wenn man ein gutes möchte. Für ein Klaviergeschäft rechnet sich das dann übers Jahr gesehen, Dotzek zufolge. Die zwei Corona-Jahre waren für Piano Bredschneider unter Dotzek und Bräunlein wahrscheinlich die besseren Jahre, finanziell gesehen. Doch 2023 ging es dann bergab.
So traf Dotzek im Dezember 2024 den Entschluss: Es reicht, der Laden muss schließen. Denn Rainer Dotzek ist auch der einzige Klavierbauer im Geschäft. Bis Ende 2024 hatte er noch die Unterstützung von Jutta Bräunleins Sohn. Doch als dieser aus dem Geschäft ausstieg, war für Dotzek auch klar, dass er das nicht allein stemmen kann. Er hat zwar die Unterstützung von Jutta Bräunlein, und auch seine Frau arbeitet auf Minijob-Basis im Geschäft, trotzdem gehört neben dem Verkauf von Klavieren und Flügeln auch die Stimmung dazu, die viel Zeit in Anspruch nimmt.
Dafür fährt Dotzek zu den Kunden nach Hause. „Manche Leute besuche ich schon seit 20 Jahren. Da lernt man sie einfach kennen“, erzählt der Klavierbauer. Aber nicht nur seine Privatkunden besucht er. Auch bei den Herrenchiemsee-Festspielen, den Tiroler Festspielen, im Kuko und beim Festivo in Aschau kümmert er sich darum, dass das Klavier oder der Flügel richtig gestimmt ist. Trotz dieser Aufträge lässt sich ein ganzes Klaviergeschäft aber nicht vollständig finanzieren.
Den Kunden bleibt
er noch erhalten
Als seine Kunden erfahren haben, dass Piano Bredschneider schließen muss, waren sie überrascht. „Aber wenn man ihnen die Hintergründe erklärt, verstehen sie die Entscheidung“, sagt Dotzek. Er wird seinen Kunden noch ein bisschen erhalten bleiben, denn die Hausbesuche zum Stimmen macht er weiterhin. Auch bleibt er unter seiner bekannten Handynummer erreichbar.
Für das Inhaber-Duo Dotzek und Bräunlein stehen bis zum 30. September noch das Ausräumen und der Verkauf der letzten Instrumente an. Falls ein Kunde danach ein Klavier oder einen Flügel kaufen möchte, muss er weiter fahren. In Traunstein und Miesbach gibt es noch Geschäfte.