Spürbare Versorgungslücke im Norden

von Redaktion

Nach der Schließung des Rewe-Marktes an der Ebersberger Straße gibt es im Norden eine Versorgungslücke. Für viele Senioren ist der Weg zum nächsten Nahversorger zu weit. Pläne zur Abhilfe gibt es zwar, doch sie stocken – und das schon seit Jahren.

Rosenheim – Die Sorge im Norden der Stadt ist groß. Zumindest bei denjenigen, die kein Auto haben und nicht mehr gut zu Fuß unterwegs sind. „Die Schließung des Rewe-Marktes ist ein echtes Problem für viele Menschen“, bestätigt Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Besonders für die Stadtteile Langenpfunzen, Am Mitterfeld und Westerndorf St. Peter war der Markt ihm zufolge eine wichtige Anlaufstelle für den täglichen Einkauf.

Gerade Ältere durch
Rewe-Aus betroffen

Größere Einkäufe würden die meisten zwar im Aicherpark erledigen, der Rewe-Markt sei aber gerade für Ältere und diejenigen, die nicht so mobil sind, eine gute Alternative gewesen. „Jetzt fehlt dort ein Laden, den man zu Fuß oder mit dem Rad schnell erreichen konnte. Das ist eine spürbare Lücke in der Nahversorgung“, fügt Erdogan hinzu.

Relativ überraschend wurde Ende September bekannt gegeben, dass Rewe an der Ebersberger Straße schließt. Zu den Gründen wollte sich eine Sprecherin des Unternehmens nicht äußern. Gerüchten zufolge soll der Markt nicht besonders umsatzstark gewesen sein. Eben, weil dort eher kleine Mengen eingekauft wurden.

Noch in diesem Jahr soll an gleicher Stelle der Getränkefachmarkt Anderl eröffnen. Die Versorgungslücke wird dadurch jedoch nicht gestopft. „Es fehlt ein konkretes Ersatzangebot in einem ähnlichen Radius und mit vergleichbarem Sortiment. Der Ersatz durch einen Getränkemarkt deckt nicht alle Bedürfnisse ab“, sagt Grünen-Stadträtin Anna Rutz. Das unterstreicht auch Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU. „Schon vor der Schließung des Rewe-Marktes war der Rosenheimer Norden nicht ausreichend mit Einkaufsmöglichkeiten wie einem modernen Discounter, einem Drogeriemarkt und einem großflächigen Vollsortimenter ausgestattet“, sagt er auf OVB-Anfrage. Die Menschen mussten ihm zufolge oftmals durch die ganze Stadt fahren, um ihren Wocheneinkauf erledigen zu können.

Zwar gebe es die Möglichkeit, den Nahkauf in der Austraße oder den Rewe-Markt in der Hofmillerstraße aufzusuchen, trotzdem braucht es auf lange Sicht eine andere Lösung. Und genau die gibt es. Zumindest in der Theorie. Denn bereits vor 15 Jahren entstand die Idee, ein Nahversorgungszentrum zu errichten.

„Der Rosenheimer Norden ist der bevölkerungsstärkste Stadtteil, wird aber am schwächsten versorgt“, sagt der Entwickler. Der Rosenheimer – der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte – tüftelt seit über 25 Jahren an den Plänen. Statt sich auf ein reines Nahversorgungszentrum zu fokussieren, hat er die Pläne derweil angepasst. Entstanden ist die Idee eines sogenannten „Westerndorf-Parks“.

Neben einem Vollsortimenter könnten ein Kindergarten, eine Parkanlage, kleinere Wohneinheiten für Romed-Mitarbeiter sowie eine Pflegeschule entstehen. „Das geplante Angebot im Westerndorf-Park würde die Situation im Norden natürlich verbessern. Das dort geplante, über den reinen Lebensmittelhandel hinausgehende Angebot wird dringend benötigt“, sagt Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP.

Zustimmung erhält er von Wolfgang Bergmüller. „Es braucht ein solches Projekt“, sagt er auf OVB-Anfrage. Schon seit Jahren würde seine Fraktion die Pläne unterstützen. Nur sind es weiterhin eben genau das: Pläne. „Der Stadtrat hat hierzu bereits vor über 15 Jahren eine Entwicklung beschlossen, diese wurde auch in der aktuellen Legislaturperiode mehrfach bestätigt. Warum diese demokratischen Beschlüsse nicht umgesetzt werden, kann nur die Verwaltung beantworten“, kritisiert SPD-Chef Erdogan.

Das tut sie auch. So wurden Gutachten in Auftrag gegeben, die erstellt und ausgewertet werden mussten. „Nach einer ersten frühzeitigen Beteiligung der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit vom 29. August bis zum 2. Oktober 2024 werden aktuell ihre Ergebnisse geprüft“, erklärt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt. Diese sollten bis Ende 2025 vorliegen.

Beschlüsse schon
vor Jahren gefasst

Im Anschluss werden diese Ergebnisse und auch die in Auftrag gegebenen Gutachten in das Verfahren eingearbeitet. Dann erfolgt eine neuerliche Beteiligung der Öffentlichkeit. „Es wird Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt der Rosenheimer Entwickler. Dieser Meinung ist auch Robert Multrus. „Entsprechende Beschlüsse des Stadtrats gibt es bereits seit Jahren. Sie wurden von der Verwaltung nur nicht umgesetzt“, kritisiert er.

„Wir hoffen auf eine möglichst rasche Realisierung des Nahversorgungszentrums an der Marienberger Straße, damit die Bürger eine zeitgemäße und ausreichende Einkaufsmöglichkeit bekommen“, fügt CSU-Fraktionsvorsitzender Bergmüller hinzu.

Zurückhaltender sind die Grünen. „Wir können uns grundsätzlich eine Entwicklung im Norden vorstellen, allerdings muss es so geplant und gestaltet sein, dass auch die Interessen der Bürger und nicht nur die der Investoren berücksichtigt werden“, sagt Anna Rutz. Laut der Stadträtin braucht es ein „intelligentes Zusammenspiel verschiedener kleiner und großer Lösungen“. Von der AfD lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

OB Andreas März bezieht Stellung

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