Rosenheim – Vergangenen Freitag, 5. Dezember, rockten sie den Rosenheimer Christkindlmarkt. Nächste Woche, am 19. und 20. Dezember, sind sie in der Auerbräu-Festhalle zu sehen: Die Rosenheimer Band Kaffkiez mischt im Dezember ihre Heimat auf. Dabei sollte dieses Jahr für die fünf jungen Männer eigentlich ein ruhiges werden. Warum das nicht ganz geklappt hat und wovor die Band ein bisschen Angst hatte, verrät Sänger und Gitarrist Johannes Eisner vorab im exklusiven OVB-Interview.
Ihr habt vergangene Woche auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt gespielt. Wie kam es dazu?
Unser kommendes Album heißt ja „WIR“. Wir haben es uns für die ganze Albumkampagne zur Aufgabe gemacht, es so richtig zu zelebrieren und alle abzuholen. Damit es ein Projekt zum Anfassen wird. In Zeiten von Social Media ist es uns einfach total wichtig, den Bezug zu den Fans zu haben, die Leute zu sehen, das alles gemeinsam zu machen. Dieses Jahr haben wir fast keine Konzerte gespielt. Deshalb war es für uns umso wichtiger, coole Offline-Aktionen zu machen. Spontan ist uns dann die Idee gekommen, auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt zu spielen.
Wie habt ihr den Auftritt erlebt?
Wir waren uns vorher in der Band gar nicht sicher, wie es am Ende ankommen wird. Es ist ja bald Weihnachten und auf dem Christkindlmarkt herrscht normalerweise eine sehr ruhige Stimmung. Ein klein wenig Angst davor, dass es nicht so gut angenommen wird, war schon da. Aber dann haben wir gesehen, wie viele Leute am Start waren und wie viel Spaß sie mit dem „Alternativprogramm“ hatten. Diese Momente, in denen man Musik vor und für Menschen macht, sind einfach total schön. Wir haben es sehr genossen.
Warum ist es für euch so besonders, in Rosenheim zu spielen?
Wir sind alle hier aufgewachsen und kennen zum Beispiel den Christkindlmarkt gut. Da sind wir als Kids, als Jugendliche schon drübergelaufen. Wir sind mit der Stimmung und den Leuten vertraut. Der ein oder andere weiß bestimmt, wie es sich anfühlt, wenn man an Weihnachten etwas vorspielen oder aufführen muss – vor den Menschen, die man am besten kennt. Da gibt man sich am meisten Mühe. Aber die Fallhöhe ist hier auch besonders groß (lacht).
Was gefällt euch denn generell so an der Region?
Für uns alle war es in den vergangenen Jahren eine bewusste Entscheidung, hierzubleiben. Obwohl es andere Städte gibt, von denen aus es vermeintlich leichter wäre, Musik zu machen. So wie zum Beispiel Berlin. Zu den meisten Festivals haben wir sehr weite Anfahrtswege. Aber wir genießen es, dass es hier so ruhig ist. Wenn wir von einer aufregenden Zeit nach Hause kommen, können wir hier einfach entspannen. Man ist für sich, geht raus in die Natur.
Du hast bereits erwähnt, dass es dieses Jahr ruhiger bei euch war. Wie habt ihr diese Zeit erlebt?
Ehrlicherweise muss man sagen, dass es nur im Hinblick auf Konzerte ruhiger war. Wir hatten alle mal den Wunsch formuliert, es heuer entspannter angehen zu lassen, damit wir Zeit haben, Musik zu machen und Abstand zu den vergangenen, wilden Jahren gewinnen können. Das ist nach hinten losgegangen (lacht). Wir haben uns nämlich eine riesige Albumkampagne vorgenommen, unglaublich viel Zeit im Studio verbracht und viele Aktionen gestartet.
Welche denn zum Beispiel?
Etwa ein Musikvideo und eine Porträt-Plakatierungsaktion mit Fans. Oder eine Bahnhofstour quer durch Bayern und eben den Auftritt auf dem Christkindlmarkt. Wir haben uns den Terminkalender schon gut vollgepackt. Es war ein wilder Ritt.
Am 21. November habt ihr auch eure neue Single „Hast du noch Zeit“ herausgebracht. Worum geht es?
Es ist eine unserer sanfteren Nummern. Es geht um dieses spannende Gefühl, wenn man ein Date hat und sich aber niemand traut zu sagen, dass man es schön fand und gerne noch mehr Zeit miteinander verbringen würde. Beiden Personen ist es bewusst, aber keiner hat den Mut, es auszusprechen. Um diesen sehr emotionalen Moment geht es. Als wir den Song auf Social Media ankündigten, haben wir dazu aufgerufen, ihn zu covern. Mit der Lieblingsstimme wollten wir gemeinsam ins Studio fahren und noch mal ein Duett aufnehmen.
Wie ging es dann weiter?
Insgesamt haben uns über 400 Einsendungen erreicht. Wir waren – im positiven Sinne – komplett überfordert. Es ist total schön, dass so viele Leute den Mut hatten. Es war zwar schwer, aber wir haben uns eine Lieblingsstimme herausgesucht und diese Fan-Edition im Studio aufgenommen.
Werdet ihr den Song auf dem Konzert in Rosenheim auch spielen?
Auf jeden Fall!
Am 19. und 20. Dezember tretet ihr in der Auerbräu-Festhalle auf. Warum habt ihr euch diesen Zeitpunkt so kurz vor Weihnachten ausgesucht?
Da muss man ein paar Jahre zurückspringen, zur Anfangszeit von Kaffkiez. Damals wollten wir einfach schauen, wo das Ganze so hinläuft. Wir haben unglaublich viele Konzerte gespielt, sind die ganze Zeit im Sprinter gesessen und von hier nach da gefahren. Dabei blieb wenig Zeit, um Freunde zu treffen und die Familie zu sehen. Aber an Weihnachten sind alle zu Hause. Also dachten wir uns: Wie wär’s, wenn wir einmal im Jahr an Weihnachten so ein Konzert spielen? Da können alle kommen. Und auch wir kommen wieder nach Hause und können zeigen, was wir das ganze Jahr über geübt und gelernt haben.
Worauf freut ihr euch dabei am meisten?
Erst mal sind wir total ausgehungert. Bei diesem kleinen Auftritt auf dem Christkindlmarkt haben wir Blut geleckt. Wir haben schon so lange nicht mehr vor so einer großen Menge an Leuten gespielt. Das ist einfach ein krasses Gefühl, das nichts ersetzen kann. Deswegen freuen wir uns extrem darauf, das endlich wieder zu erleben. Die Rosenheimer Shows sind natürlich immer sehr besonders und mit einer speziellen Art von Aufregung verbunden. Gerade, weil Eltern oder die besten Freunde da sind. Und man ist ja auch stolz auf sein Projekt und freut sich, das den Leuten, die einem am wichtigsten sind, zeigen zu können.
Magdalena Aberle