Rosenheim – Das Rad bewegt die Rosenheimer. Auf Einladung von mehreren Organisationen aus dem Verkehrs- und Umweltschutzbereich waren über 100 Bürger ins „Bildungszentrum St. Nikolaus“ gekommen, um sich über den aktuellen Stand der Umsetzung der Ziele des „Radentscheids Rosenheim“ zu informieren. Armin Stiegler, Mitbegründer der „Initiative Radentscheid Rosenheim“, sieht von den 2020 formulierten Zielen, die auch vom Stadtrat angenommen wurden, bis heute nur 11,5 Prozent erreicht. Er merkte an, dass bei diesem Tempo das Ziel der Initiative erst in 40 Jahren erreicht wäre.
Vertreter von sieben Parteien diskutierten unter der Moderation von Florian Schrei darüber, warum nicht mehr erreicht wurde und wie das weitere Vorgehen aussehen soll.
Dr. Wolfgang Bergmüller (CSU) erklärte, dass der Bau von Radwegen nicht schneller vorangehen könne, da in vielen Fällen die dafür notwendigen Grundstücke erst gekauft und die Interessen der Anlieger berücksichtigt werden müssten.
Anna Rutz (Die Grünen) hingegen sieht beim Bau von Radwegen nur Vorteile für die Anlieger, da mehr Radverkehr weniger Autoverkehr bedeute und somit die Lebensqualität erhöhe.
Abuzar Erdogan (SPD) sprach sich dafür aus, nur zentrale Durchgangsstraßen vorrangig für den Autoverkehr auszuweisen. Durch Wohngebiete sollten Fahrradstraßen führen, außerdem sollten dort Straßen als Einbahnstraßen ausgeschildert werden, mit nur einer Fahrspur für Autos und zwei Richtungsfahrspuren für Radfahrer. Markus Dick (Freie Wähler/UP) äußerte zum Radwegebau: „Der Wille ist da.“ Er wies jedoch darauf hin, dass oft viele Alleebäume gefällt werden müssten, um Platz für einen Radweg zu schaffen, was viele Bürger nicht wollten. Marcus Moga (FDP) sprach sich gegen eine Gängelung der Verkehrsteilnehmer aus. Jeder solle selbst entscheiden, wie er in der Stadt vorankomme. Für die Radfahrer sollten aber in jedem Fall durchgängige Radwege angelegt werden.
Johann Hechenthaler (ÖDP) schlug vor, die einfachsten Maßnahmen zur Verbesserung des Radfahrens zuerst umzusetzen. Dies würde einen schnelleren Fortschritt bedeuten als das lange Warten auf Konzepte. Matthias Menold (Die Linke) möchte „den Verkehrsraum aufteilen“. Zuerst sollen die Fußgänger Platz bekommen, dann die Radfahrer und „den Rest für Autos“. Seine Erklärung für den langsamen Fortschritt: „Der politische Wille ist nicht da.“ Unter den weiteren Vorschlägen, die an diesem Abend gesammelt wurden, waren unter anderem: der Bau von Parkhäusern vor der Stadt und deren Anbindung an die Innenstadt mit Shuttle-Bussen, die Ausweitung der Fußgängerzone, die Ausweisung von Tempo-20-Zonen, die Einrichtung eines Bahnhalts in Stephanskirchen, der Bau von Parkhäusern in Wohngebieten, damit auf den Straßen Platz für Fahrradstreifen bleibt, die Öffnung einer vergrößerten Fußgängerzone für Radfahrer, die Anlage von Fahrradstraßen, die Stationierung von Carsharing-Autos in Wohngebieten, der Bau eines Fahrrad-Parkhauses südlich des Bahnhofs und einer Brücke über die Bahn in Richtung Innenstadt für Radfahrer.
Ein Besucher schlug vor: „Dicke Kisten aussperren“, um Parkraum zu sparen. Andere forderten, die bestehenden Radwege sicherer zu machen, etwa durch Zurückschneiden von Büschen und Entfernen von hervorstehenden Bodenhülsen. Zudem sollten alle Wege asphaltiert, gut ausgeschildert und beleuchtet sein. Zum Schluss kamen die Diskussionsteilnehmer doch noch zu einem Konsens. Der Radentscheid sei ein guter Anfang, er reiche aber nicht aus. Es müssten auch andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Autofahrer berücksichtigt und der öffentliche Nahverkehr eingeplant werden. Zuerst müsse man sich überlegen, wie die Stadt künftig aussehen soll. Erst danach sollte man Pläne machen und diese umsetzen. Stiegler meinte dazu: „Eine Vision ist nötig.“
Alfred Schubert