Rosenheim/München – Walter Fortmühler wühlt für seine Arbeit auch gerne einmal im Dreck fremder Leute. Denn neben Beziehungsdramen und Wirtschaftsbetrügereien kümmert sich der Privatdetektiv auch um die vermüllten Wertstoffinseln in zahlreichen Gemeinden. Er legt sich auf die Lauer – ausgestattet mit einer Videokamera, Notizblock, Fernglas und einem Nachtsichtgerät. Sein Ziel: Menschen, die illegal Rest- und Sperrmüll an den Wertstoffinseln abladen. Ein ähnliches Konzept soll es jetzt auch in Rosenheim geben. Warum das sinnvoll ist, erklärt Fortmühler im exklusiven OVB-Interview.
Wie wird man Mülldetektiv?
Ich bin da so reingerutscht und mache das mittlerweile schon seit vielen Jahren. Vor rund fünf Jahren ist eine Gemeinde auf uns zugekommen und hat angefragt, ob wir uns nicht vorstellen können, die Wertstoffinseln zu überwachen. Neben der Privatdetektei betreiben wir auch einen Sicherheitsdienst. Wir bewachen beispielsweise den Elisenhof in München, der direkt am Hauptbahnhof liegt.
Und jetzt eben die Wertstoffinseln in diversen Gemeinden.
Korrekt. Kein leichtes Unterfangen, gerade mit Blick auf den Datenschutz. Wir mussten, bevor wir unsere Arbeit überhaupt erst beginnen konnten, einen sehr umfangreichen Vertrag unterzeichnen. Viele Gemeinden schreckt das natürlich ab.
Sie sind mittlerweile seit fünf Jahren als Mülldetektiv im Einsatz. Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?
Wir werden entweder von der Gemeinde oder von Bürgern über bestimmte Brennpunkte informiert. Wir fahren zu diesen Orten und legen uns auf die Lauer. Fallen uns Leute auf, die ihren Müll falsch entsorgen, fotografieren wir sie, notieren uns ihr Kennzeichen und schreiben einen Bericht.
Und dann?
Wir übergeben alles an die Gemeinde oder das Landratsamt. Dort wird sich dann um die Anzeigen gekümmert. Anschließend löschen wir alle Informationen und Bilder bei uns. Für uns ist der Einsatz damit erledigt.
Woher wissen Sie, wenn jemand den Müll falsch entsorgt?
Da wären zum einen die Offensichtlichen, die beispielsweise ihre Couch oder ihre Stühle an der Wertstoffinsel abstellen. Oft können wir auch Menschen dabei beobachten, die den Müllsack mit zwei Händen tragen. Da weiß man in der Regel schon, dass sie etwas Schweres transportieren, was wahrscheinlich nicht im Container entsorgt werden sollte.
Zum Beispiel?
Erst kürzlich hatten wir jemanden, der Öl entsorgt hat. Der hat das Öl auf sechs Säcke verteilt. Wir haben das gesehen und sofort die Feuerwehr informiert.
Erwischen Sie die Müllsünder jedes Mal auf frischer Tat?
Das ist ganz unterschiedlich. Wir holen manchmal auch die Müllsäcke wieder aus dem Container raus. Wir arbeiten mit Einweghandschuhen und Zangen. Wir durchwühlen den Müll, fotografieren den Inhalt und schauen, ob wir beispielsweise Adressen finden. Die schreiben wir im Anschluss auf und geben sie an die entsprechenden Stellen weiter.
Nehmen Sie auch Fingerabdrücke?
Nein, das würde dann doch zu weit gehen.
Hat sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert?
Laut den Statistiken von den Gemeinden, für die wir arbeiten: Ja. Die Leute lernen daraus, wenn sie eine Strafe bezahlen müssen.
Zumal es ja nicht gerade wenig Geld ist.
Das kommt darauf an. Ich war jetzt bei einer Gerichtsverhandlung, bei der es um knapp 3.300 Euro ging. In der Regel geht es um Summen zwischen 20 und 60 Euro.
Zu wenig?
Ich finde, dass man die Leute nur übers Geld davon abhalten kann, bestimmte Dinge zu unterlassen. Derzeit sind die Strafen recht niedrig.
Verständnis für die Umweltfrevel haben Sie wahrscheinlich nicht.
Um Gottes willen, nein. Diese Leute verschandeln nicht nur die Anlage, sie schaden auch der Natur. Die Wertstoffinseln schauen aus wie Sau. Das ist frech. Zumal man mit seiner Couch ja auch einfach zum Wertstoffhof fahren kann und diese dort für kleines Geld abgeben kann. Schlimm ist es auch rund um die Altkleider-Container. Da wird die Kleidung zum Teil einfach daneben geschmissen. Das wiederum führt dazu, dass sie unbrauchbar ist und eben nicht mehr dem guten Zweck, für den sie eigentlich gedacht war, zugutekommt.
Wurden Sie schon einmal bei einem Ihrer Einsätze enttarnt?
Das kommt schon hin und wieder vor. Und dann kann es schon einmal vorkommen, dass man dann beschimpft wird. Verständnis dafür habe ich nicht. Ich weise Leute ja lediglich darauf hin, wenn sie etwas falsch machen: beispielsweise dann, wenn sie ihren Müll am Sonntag entsorgen.
Wie viele Fälle kommen an einem Tag so zusammen?
Es gab schon Einsätze, an denen ich 27 Berichte schreiben musste. Schlimm ist es vor allem an den Sonn- und Feiertagen. Aber es gibt auch Tage, an denen es keinen einzigen Fall gibt.
Wird das nicht schnell öde?
Das geht eigentlich. Man muss ja trotzdem immer aufmerksam sein. Nur dann erkennt man, wenn sich in den Müllsäcken etwas befinden könnte, was da beispielsweise nicht hineingehört.
Man hört Ihnen an, dass Sie den Beruf gerne machen.
Ich habe dieses Jagdfieber in mir. Ohne würde es nicht gehen. Zudem tue ich etwas für die Umwelt und ändere das Verhalten von Bürgern – zumindest von einigen.
Würde nicht auch eine Videoüberwachung ausreichen?
Ich glaube, dass die Arbeit von Personen durchgeführt werden muss. Nur mit Kameras wird es auf Dauer nicht funktionieren.
Julian Baumeister