Rosenheim – Für Annemarie Dettendorfer dürfte es fast so etwas wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk sein. Seit vielen Jahren ist die frühere Behindertenbeauftragte der Gemeinde Nußdorf Teil der Projektgruppe „Barrierefreies Bauen“. Einige Mitglieder sind selbst betroffen, andere sind Architekten. „Unsere Gruppe arbeitet seit mehr als 20 Jahren an Vorschlägen zur Verbesserung der Barrierefreiheit in Stadt und Landkreis“, sagt Dettendorfer.
Projektgruppe für
kostengünstige Variante
Ein Thema, über das in den Treffen immer wieder diskutiert wird: die mangelnde Barrierefreiheit des Max-Josefs-Platzes. „Die Beliebtheit des Platzes als gute Stube hat seit der Pandemie noch einmal deutlich zugenommen“, heißt es vonseiten der Projektgruppe. Im Sommer spazieren zahlreiche Besucher über den Max-Josefs-Platz, im Winter zieht der Christkindlmarkt die Menschen an.
Doch genau hier beginnen die Probleme. Zumindest, wenn man bei Dettendorfer und ihren Mitstreitern nachfragt. „Das Vergnügen für Nutzer von Kinderwägen und Schuhen mit schmalen Absätzen bleibt gedämpft“, sagt sie. Noch schlimmer sei die Situation für Menschen, die mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs sind. „Das kann richtig gefährlich sein, weil sie umkippen oder stürzen können.“
Um die Situation zu verbessern, haben sich die Mitglieder der Projektgruppe intensiv mit dem Max-Josefs-Platz auseinandergesetzt. Es wurden Gespräche geführt, Meinungen eingeholt und Pläne geschmiedet. „Für eine komplette Überarbeitung des Platzes ist gerade nicht der richtige Moment, das wissen wir“, sagte Dettendorfer. Aus diesem Grund habe man sich eine kostengünstigere Variante überlegt – gemeinsam mit dem Architekten, der das Erscheinungsbild des Max-Josefs-Platzes entscheidend mitgeprägt hat.
Ein Wegesystem aus
großformatigen Steinen
Geplant ist ein „effizientes Wegesystem aus großformatigen Steinen“. Der fugenfreie Belag soll unter anderem unter den Arkaden angebracht werden. „Der Hauptweg führt längs über die Mitte des Platzes. Auf kurzem Wege werden von dort aus die beidseitig angeordneten Geschäfte und Gaststätten erreicht“, heißt es vonseiten der Projektgruppe. Zudem führen Abzweigungen in die direkt anschließenden Straßen und Passagen.
Die barrierefrei nutzbaren Wege sind zwischen anderthalb bis zwei Meter breit und sollen genau dort verlegt werden, wo sich die meisten Menschen bewegen. Nachdem die Pläne bei einem ersten Ortstermin vorgestellt wurden, griffen gleich mehrere Fraktionen das Thema auf.
Kurz vor der Verabschiedung des Haushalts am vergangenen Mittwoch reichten sowohl die CSU als auch SPD und die Freien Wähler/UP einen Eilantrag ein. So plädierten SPD und CSU in ihrem gemeinsamen Antrag dafür, im Haushalt 2026 Mittel von bis zu 500.000 Euro für die barrierefreie Gestaltung des Max-Josefs-Platzes aufzunehmen. Die Freien Wähler/UP um deren Fraktionsvorsitzenden Robert Multrus wollten 700.000 Euro.
Respekt vor dem
historischen Stadtbild
„In Rosenheim leben etwa 8.960 Menschen mit anerkannter Behinderung“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Abuzar Erdogan. Der Kopfsteinpflasterbelag des Max-Josefs-Platzes hindert ihm zufolge eine Vielzahl der Menschen mit Behinderung am Zutritt zur guten Stube. „Der Max-Josefs-Platz ist das Herz unserer Stadt – und genau dort darf niemand ausgeschlossen werden“, betonte Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU. Für viele sei der Max-Josefs-Platz derzeit nur eingeschränkt nutzbar. „Das wollen wir ändern – pragmatisch, behutsam und mit Respekt vor dem historischen Stadtbild“, ergänzte Bergmüller. Er betonte, dass es sich nicht um eine komplette Umgestaltung des Platzes handelt, sondern um eine „zielgerichtete, funktionale Verbesserung“. „Die Barrierefreiheit unserer Innenstadt darf nicht am Geld scheitern“, ergänzte Erdogan.
„Es ist gut
angelegtes Geld“
Zuspruch fand der Vorschlag auch in der jüngsten Sitzung des Rosenheimer Stadtrats – auch, weil es durch die Maßnahme eben nicht zu der befürchteten Großbaustelle kommt. „Es ist gut angelegtes Geld“, sagte Robert Multrus. Andreas Kohlberger, Fraktionsvorsitzender der AfD, lobte die Idee und plädierte dafür, den fugenfreien Belag auch rund um den Nepomukbrunnen einzurichten.
„Es ist der richtige Zeitpunkt, um die Planungen voranzutreiben“, sagte auch Grünen-Fraktionsvorsitzender Peter Rutz. Es brauche nun Visualisierungen, damit sich jeder vorstellen könnte, was genau geplant ist. Einstimmig sprachen sich die Stadträte dafür aus, dass die Planungen zu einer Umsetzung aufgenommen werden und ein entsprechender Beschluss dem Gremium bis zum 30. Juni vorgelegt wird.