Wie die kleinsten Stars in der Manege begeistern

von Redaktion

Eine Ratte im Flugzeug gehört zur Showeinlage von Gunter Sacckman im Rosenheimer Weihnachtszirkus. Der französische Artist gastiert auf der Loretowiese und trainiert seine intelligenten Tiere monatelang für die Tricks, die er dem Publikum in der Manege präsentiert.

Rosenheim – In einer halben Stunde geht die Show los. Gunter Sacckman ist aber ganz gelassen. Der 49-Jährige ist erfahren. Mit 17 Jahren begann er seine Ratte zu trainieren. Jetzt tritt er seit mehreren Jahrzehnten mit den Tieren auf. Gerade schlafen seine Ratten noch, doch bald muss er sie wecken, denn dann ist ihr großer Auftritt.

„Ratten sind sehr intelligent, sie können vieles machen: schwimmen, springen, und meine Ratte Giselle ist bekannt dafür, dass sie in ein Flugzeug steigen und überall hinreisen kann“, sagt Gunter Sacckman im Gespräch mit dem OVB, in dem er Englisch spricht. Denn er ist in Rosenheim nur als Artist des Weihnachtszirkus zu Gast und kommt eigentlich aus Bordeaux in Frankreich. Bei seinem Auftritt zeigt er Tricks mit seinen Ratten.

Eine große
Ratten-Familie

Von den Tieren hat er einige. „Es ist unmöglich, nur eine Ratte zu haben. Man hat immer eine große Familie“, sagt Sacckman. Zu seiner gehören unter anderem die Ratten Giselle, Ravioli, Raclette, Ratatouille und Radiateur. Damit die Tiere aber an der Show teilnehmen können, muss er mit ihnen viel trainieren.

Für die ersten Übungen braucht er einen Monat, um sie den Ratten beizubringen. Danach kommt es auf die Aufgabe an, wie er erzählt. „Wenn sie lernen zu springen, ist das einfacher, als wenn ich ihnen beibringe, in das Flugzeug zu klettern“, erklärt Sacckman. Besonders schwer sei für seine Ratten ein Trick mit der Fahne. Ziel sei es, dass die Tiere diese mit ihren Pfoten auffangen. „Normalerweise machen sie das mit ihren Zähnen“, sagt der 49-Jährige. Für diesen Trick müsse er fünf Monate trainieren. Allerdings wird eine Ratte laut Sacckman nur etwa zwei Jahre alt.

Die Begeisterung für das Training mit den Tieren hatte der Franzose schon als Jugendlicher. Damals hatte er eine Ratte als Haustier. „Sie war sehr clever, also habe ich versucht, ihr ein paar kleine Tricks beizubringen“, erzählt er.

Schon als Jugendlicher
von Ratten fasziniert

Als Erstes habe er ihr beigebracht, von einer Hand über die Schultern zur anderen Hand zu laufen. Dann habe sie gelernt, einen Ball zu holen, und es ging immer weiter. „Anfangs habe ich nur mit meiner Ratte gearbeitet. Dann hatte ich immer mehr Ratten und habe eine ganze Showeinlage daraus gemacht“, sagt Sacckman.

Eine Showeinlage mit Tieren wird von manchen Leuten und auch der Tierrechtsorganisation „Peta“ kritisch gesehen. So erhob die Organisation schwere Vorwürfe gegen den Rosenheimer Weihnachtszirkus und sprach in diesem Zusammenhang auch von Tierquälerei. Gunter Sacckman sagt selbst, man müsse Tiere lieben, um mit ihnen arbeiten zu können. So liebe er auch seine Ratten und achte auf ihr Wohlbefinden. Ist eine Ratte zu alt, um aufzutreten, darf sie trotzdem mit in die Manege. „Wenn ich sie nicht mehr mitnehmen würde, wären sie sehr traurig. Ihre Aufgabe würde auf einmal wegbrechen“, erzählt der Franzose.

Also hat er auf der Bühne eine Kiste, in der alle Ratten untergebracht sind, wenn sie nicht gerade einen Trick zeigen. „Die älteren Ratten machen nichts, aber sie sind mit den anderen zusammen und dadurch glücklich“, sagt Sacckman. Das sei auch Teil des Geheimnisses, wenn man mit Tieren arbeitet: „Sie müssen es genießen, wenn sie auf der Bühne sind“, so der 47-Jährige.

„Das macht
sonst niemand“

Dabei muss er auch darauf achten, welche anderen Tiere sonst noch im Zirkus auftreten. „Wenn in der gleichen Show eine Katze auftritt, wird es schwierig: Die Ratten mögen keine Katzen, nehmen ihren Geruch wahr und sind dann sehr ängstlich“, sagt der Franzose. Bei Löwen sei das laut Sacckman schon wieder anders. Diese stören seine Ratten nicht. „Ich weiß auch nicht warum“, sagt er und lacht.

Seine Zirkuseinlage mit Ratten ist ihm zufolge einzigartig. „Wenn man eine Rattenshow sehen möchte, muss man mich sehen. Das macht sonst niemand“, sagt er. Diese Show zeigt er noch bis zum 6. Januar im Rosenheimer Weihnachtszirkus Bis April ist er dann weiter unterwegs, erst dann geht es für ihn nach Hause. Denn in Bordeaux hat er einen Zoo, in dem er sich bis November auch um andere Tiere kümmert.

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