Rosenheim – Manuel Bäuerle hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er betrachtet Feuerwerk als Handwerk und Kunst. Mit seiner Firma „Alpen-Armageddon“ hat er sich auf Pyro-Musicals spezialisiert. „Das sind Feuerwerkszündungen mit musikalischer Begleitung, die im Millisekundenbereich synchron choreografiert werden“, verrät der Pyrokünstler.
„Es geht darum, Momente zu kreieren, nicht nur Lärm“, erklärt er. Zudem sieht Bäuerle einen klaren Trend: Seine Kunden geben mit 90 bis 130 Euro deutlich mehr aus als früher. Anstelle von klassischen Böllern sind Batterien gefragt, die eine zweiminütige, perfekt abgestimmte Lichtshow liefern.
Statt Verbote
Qualität und Aufklärung
Dass die private Böllerei oft in der Kritik steht, kann er nachvollziehen. Er sieht die Lösung jedoch nicht in Verboten, sondern in Qualität und Aufklärung. Er plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang: „Ein legaler, in Deutschland zertifizierter Artikel der Kategorie F2 entfernt bei richtiger Handhabung keine Gliedmaßen. Das Problem ist meist illegale Ware oder der Einfluss von Alkohol und Drogen.“
Klare Regeln für
die Innenstadt
Um die Sicherheit zu gewährleisten, hat die Stadt Rosenheim auch für dieses Jahr strikte Verbotszonen ausgewiesen. Auf dem Max-Josefs-Platz, in der Heilig-Geist-Straße und auf dem Ludwigsplatz ist das Abbrennen von Pyrotechnik ganztägig verboten. Ein generelles Verbot gilt zudem in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Alten- und Kinderheimen.
Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro geahndet werden und werden von der Polizei überwacht. Generell gilt für das gesamte Stadtgebiet, dass nur in Deutschland zugelassene und freiverkäufliche pyrotechnische Gegenstände erworben und verwendet werden dürfen.
Oberbürgermeister Andreas März appelliert an die Bürger: „Auch ich mag das Silvesterfeuerwerk. Tiere allerdings fürchten sich vor dem Lärm.“ Er bittet um ein respektvolles Miteinander, insbesondere in der Nähe von Ställen oder Tierheimen.
Tierheim in Silvesternacht
personell verstärkt
Für Andrea Thomas, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim, ist die Silvesternacht eine Belastungsprobe. „Böller bedeuten für Tiere unvorstellbaren Stress“, mahnt sie. „Das Tierheim ist in dieser Nacht personell verstärkt, um entlaufene oder verängstigte Tiere aufnehmen zu können.“
Um Haustiere sicher durch die Silvesternacht zu bringen, empfiehlt Tierschutz-Expertin Andrea Thomas vor allem Ruhe und Schutz im gewohnten Umfeld.
Tierbesitzer sollten nach Möglichkeit zu Hause bleiben, um ihre Tiere vor dem Außenlärm abzuschirmen und ihnen vertraute Rückzugsorte zu bieten.
Auch beim Gassigehen ist besondere Vorsicht geboten. Hunde sollten dabei unbedingt angeleint bleiben, so Thomas, um zu verhindern, dass sie bei plötzlichen Knallgeräuschen panisch weglaufen. Auch im Haus lassen sich Sicherheitsvorkehrungen treffen. Katzenklappen sollten rechtzeitig verschlossen und Fenster bei Bedarf abgedunkelt werden, um optische Reize zu minimieren.
Damit der Jahreswechsel unfallfrei bleibt, betont der Pyrotechniker Manuel Bäuerle vor allem die Eigenverantwortung. Beim Zünden von Feuerwerk ist Nüchternheit oberstes Gebot: Was für Profis obligatorisch ist, sollte laut Bäuerle auch für Privatpersonen gelten, weshalb er zu 0,0 Promille rät.
Für ein Prosit
ohne Pannen
Zudem ist die strikte Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsabstände lebenswichtig. Abschließend warnt der Experte eindringlich vor illegalen Importen. Nur Artikel mit gültigem CE-Zeichen und BAM-ID garantieren geprüfte Sicherheit. Nicht zertifizierte Ware birgt dagegen unberechenbare Gefahren.
Ein Vorschlag des Pyro-Experten für die Zukunft: Zentralisierte Abbrennplätze in Gemeinden. Dort könnten Bürger sicher feiern, ergänzt durch eine professionelle Show eines Pyrotechnikers.
„Das würde die Wohngebiete entlasten und das Sicherheitsrisiko minimieren“, ist Bäuerle überzeugt. Bis solche Konzepte jedoch flächendeckend greifen, bleibt in Rosenheim die Hoffnung auf ein friedliches und rücksichtsvolles Silvesterfest.