Stammgäste übernehmen Vinothek

von Redaktion

Nach 14 Jahren übergeben Christine und Rainer Hacker ihre Vinothek in Rosenheim an die ehemaligen Stammgäste Sabine Geißler und Jochen Vogt. Die neuen Betreiber wollen das bisherige Konzept beibehalten, planen aber auch digitale Neuerungen wie einen Onlineshop und einen Weinautomaten.

Rosenheim – Es gab in den vergangenen Jahren wohl kaum einen Ort, an dem Sabine Geißler und Jochen Vogt lieber Zeit verbracht haben als in der Vinothek Hacker in der Anthon-Kathrein-Straße 9. „Wir sind dort Stammgäste und waren eigentlich jede Woche dort“, sagt Vogt am Telefon. Mal, um ein Glas Wein vor Ort zu trinken, mal, um ein paar neue Flaschen für zu Hause zu kaufen.

Bei einem dieser Besuche erfuhren sie, dass Christine und Rainer Hacker mit dem Gedanken spielen, die Vinothek zu verkaufen. Aus Altersgründen. „Auch eine Nachfolgerin stand zu dieser Zeit bereits fest“, erinnert sich Vogt. Kurz vor der Übergabe sei dann aber alles ganz anders gekommen. Die Interessentin habe es sich doch anders überlegt – und das Ehepaar Hacker stand plötzlich ohne einen Nachfolger da.

Kurzfristig beschlossen,
Geschäft zu übernehmen

„Das war an einem Samstagmittag“, erinnert sich Jochen Vogt. Wie so oft seien er und Sabine Geißler gerade im Geschäft gewesen, um neuen Wein zu kaufen. Sie seien mit Christine und Rainer Hacker ins Gespräch gekommen, hätten davon erfahren, dass sich die Pläne zerschlagen hätten. „Und dann haben wir ganz spontan beschlossen, dass wir das Geschäft übernehmen“, sagt Vogt am Telefon und lacht.

Sie seien nach Hause gegangen, hätten eine Nacht darüber geschlafen. Am nächsten Tag riefen sie das Ehepaar Hacker an und baten darum, dass die Übergabe erst im Januar stattfindet – und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, bereits Anfang Juli. „Das wäre sonst schon sehr kurzfristig gewesen“, sagt Vogt. Es folgten die Gründung einer eigenen Firma und ein „wahrer Behördendschungel“, wie es Vogt am Telefon beschreibt.

In den vergangenen Wochen arbeiteten er und Sabine Geißler zudem als Aushilfskräfte in der Vinothek. „Dadurch haben wir die andere Seite der Theke kennengelernt“, sagt Vogt.

Gastronomie ist für sie
„komplettes Neuland“

Ab Januar werden dann die Rollen getauscht: Vogt und Geißler werden den Laden schmeißen, Christine und Rainer Hacker arbeiten als Aushilfen. „Das ist ein sanfter Übergang und für alle Beteiligten die beste Lösung“, ist Vogt überzeugt.

Am Konzept wollen er und seine Partnerin nichts ändern. Weiterhin wird es in der Vinothek österreichische Weine von kleinen Winzern geben, zu denen auch ein persönlicher Kontakt besteht. „Wir waren in den vergangenen Wochen bei sehr vielen Winzern vor Ort“, sagt Vogt. Sein Fazit: „Dass die Weine gut schmecken, wussten wir schon vorher, aber auch die Personen, die dahinterstecken, sind richtig toll.“

Sowohl für ihn als auch für Sabine Geißler ist die Arbeit in der Gastronomie „komplettes Neuland“. Sabine Geißler war in den vergangenen Jahren in Steuerkanzleien tätig, Vogt hat lange Zeit Unternehmen saniert und restrukturiert. „Ich hatte mit meinem Berufsleben zwischenzeitlich sogar schon abgeschlossen“, sagt Vogt. Trotzdem könnte er mit der neuen Aufgabe glücklicher nicht sein.

Auch weil sowohl er als auch Sabine Geißler gutes Essen, hochwertige Lebensmittel und Wein lieben. „Unseren Lebensrhythmus wird das natürlich ordentlich auf den Kopf stellen“, sagt Vogt. Während die beiden vorher recht geregelte Arbeitszeiten hatten, gelten jetzt die Regeln der Gastronomie.

„Erst einmal
langsam reinkommen“

Geöffnet hat die Vinothek von Mittwoch bis Samstag – teils bis in die späten Abendstunden. „Wir sind jetzt nicht mehr ganz so selbstbestimmt, aber damit kommen wir klar“, sagt Vogt.

Während fast alles gleich bleibt, wird es auch einige Neuerungen geben. So tüftelt Vogt beispielsweise schon seit Längerem an einer neuen Website. „Wir haben die Vinothek ein bisschen digitalisiert“, verrät er. In Zukunft gibt es somit auch die Möglichkeit, Weine im Onlineshop zu kaufen. Auch Online-Reservierungen gibt es ab sofort.

Sollte die Stadt ihre Zustimmung geben, wollen Sabine Geißler und Jochen Vogt zudem einen Weinautomaten vor dem Geschäft aufstellen. „Das ist mit Blick auf den Jugendschutz aber gar nicht so einfach“, sagt Vogt. Stress mit der Umsetzung macht er sich nicht. „Wir wollen erst einmal langsam reinkommen“, sagt er. Am meisten freuen er und seine Partnerin sich auf den Kontakt mit den Menschen. „Wir wollen, dass alle, die zu uns kommen, eine gute Zeit haben“, sagt Vogt.

Vier-Gänge-Menü
mit Tasting

Fast jeden Monat wird es eine Winzerverkostung geben. Neben einem Vier-Gänge-Menü werden verschiedene Winzer vor Ort sein und ihre Weine und die Geschichte dahinter vorstellen. Was das Essen angeht, setzen Sabine Geißler und ihr Partner auch weiterhin auf eine Aufwärmküche. „Bei uns steht der Wein im Fokus und nicht das Essen“, sagt Vogt. Flammkuchen oder Suppen wird es aber trotzdem geben.

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