Rosenheim – Sonja Kuhnhardt liebt es, bei niedrigen Temperaturen ins Wasser zu steigen. Dann, wenn sich schon eine leichte Eisschicht auf dem Wasser gebildet hat. Die Rosenheimerin ist seit 2022 als Ernährungsberaterin und Darmspezialistin tätig. Während ihrer Ausbildung setzte sie sich zum ersten Mal mit dem Thema „Eisbaden“ auseinander. „Eine Dozentin berichtete regelmäßig von ihren eigenen Erfahrungen und hat uns Teilnehmer natürlich neugierig gemacht“, erinnert sich Sonja Kuhnhardt.
Also beschloss sie, es ebenfalls auszuprobieren. „Es war ein eindrucksvolles Erlebnis – besonders das Gefühl danach. So unglaublich, dass man es nicht beschreiben kann. Und dieses Gefühl möchte ich natürlich weitergeben“, sagt die Rosenheimerin. Seit einigen Monaten bietet sie deshalb Eisbaden-Seminare am Happinger See an. „Mir war wichtig, einen geschützten Rahmen zu schaffen, in dem man die Kälte nicht als Mutprobe erlebt, sondern als Werkzeug – für Resilienz, mehr Körperbewusstsein und ein besseres Stressmanagement“, sagt sie auf OVB-Anfrage.
Durchblutung, Atmung
und Immunsystem
In den vergangenen Monaten lud sie also zum gemeinsamen Eisbaden ein. Sie hielt einen Vortrag, klärte über Durchblutung, Atmung und Immunsystem auf. Nach Atemübungen und einer mentalen Vorbereitung auf den Kältereiz ging es für die Teilnehmer ins Wasser. Anschließend gab es Tee zum Aufwärmen. „Die Nachfrage wächst langsam, aber stetig“, sagt Sonja Kuhnhardt und fügt hinzu: „Die, die kommen, nehmen unglaublich viel mit – oft weit mehr, als sie erwartet hätten.“
Unter dem Begriff Eisbaden versteht man der Expertin zufolge den bewussten Aufenthalt im Eiswasser. „Um die drei Grad sind ideal“, sagt sie. Man taucht bis zu den Schultern ins Wasser und versucht, der Kälte mit Ruhe standzuhalten. „Es geht nicht ums Aushalten, sondern um Atmung, Achtsamkeit und Kontrolle der körpereigenen Stressreaktion. Eisbaden ist kein Wettbewerb“, ergänzt die Ernährungsberaterin.
Eisbaden hat laut Sonja Kuhnhardt viele positive Effekte. Es stärkt das Herz-Kreislauf-System, verbessert die Stimmung und kann das Immunsystem anregen. „Viele Menschen berichten außerdem von mehr Selbstvertrauen und einer deutlich feineren Körperwahrnehmung“, fügt sie hinzu.
Dass Eisbaden viele Vorteile mit sich bringt, bestätigt auch Prof. Dr. Christian Thilo, Chefarzt der Medizinischen Klinik I mit dem Schwerpunkt Kardiologie. „Die Vorzüge des Eisbadens sind vielfältig. Es stärkt unser Immunsystem und härtet ab. Dadurch können Infektionskrankheiten verhindert werden. Außerdem können unsere Muskeln nach dem Sport schneller regenerieren. Es gelingt sogar eventuell, einen Muskelkater zu verhindern. Im Leistungssport ist dies seit Jahrzehnten eine gängige Praxis“, sagt er auf OVB-Anfrage. Aber, auch das macht der Chefarzt deutlich, man muss auch auf einige Dinge achten. „Man kann sich natürlich auch erkälten. Sogar Unterkühlungen sind möglich, wenn man zu lange im Wasser bleibt“, sagt er. Zudem können die Vorteile der Kreislaufanregung mit Erhöhung von Puls und Blutdruck für herzkranke Personen gefährlich sein. „Es wird sogar ein Kälteschock beschrieben“, sagt er.
Patienten mit einer kardialen Vorgeschichte oder diejenigen mit Herzschwäche, Infarkten oder Herzrhythmusstörungen sollten also vor dem Eisbaden unbedingt ihren Arzt fragen. „Wer einen Infekt, Fieber oder ein generelles Krankheitsgefühl hat, sollte keinesfalls in die Kälte“, ergänzt Sonja Kuhnhardt. So befinde sich der Körper in dieser Zeit ohnehin im Stressmodus. „Ein zusätzlicher Kältereiz überfordert ihn nur noch mehr“, so die Expertin. Ihrer Meinung nach kann ansonsten aber fast jeder Eisbaden. „Für gesunde Erwachsene, die nicht zu einer Risikogruppe gehören, ist Eisbaden eine wertvolle Möglichkeit, den Umgang mit Stress zu trainieren und den Körper anders wahrzunehmen.“ Chefarzt Christian Thilo ist es zudem noch wichtig, darauf hinzuweisen, dass Eisbaden nichts ist, was man alleine betreiben sollte.
Nichts, was man
alleine betreiben sollte
„Man sollte sich langsam an die Kälte gewöhnen und keinesfalls einfach ins Wasser springen. Insbesondere Anfänger sollten mit kurzen Aufenthalten im Wasser starten, zunächst nicht länger als 30 Sekunden“, sagt der Mediziner. Das ist auch Sonja Kuhnhardt ein Anliegen. Am Sonntag, 25. Januar, lädt sie deshalb wieder zum Eisbaden an den Happinger See ein. Beginn ist um 15 Uhr.