Schwerer Abschied von „Titanic“-Ausstellung

von Redaktion

Die erfolgreiche Titanic-Ausstellung in Rosenheim ist zu Ende. Zum Abschluss am Dienstagabend zogen zahlreiche Besucher in den Lokschuppen, von denen sich einige weigerten zu gehen. Darunter auch Kurator Günter Bäbler, der die Ausstellung erst nach gutem Zureden und auf einem Rollcontainer verließ.

Rosenheim– Um kurz nach 18 Uhr fehlt immer noch jede Spur von Günter Bäbler. Der weltweit anerkannte „Titanic“-Spezialist hat 1992 den Schweizer „Titanic“-Verein gegründet. Bei der Rosenheimer Ausstellung hat er als Kurator und wissenschaftlicher Berater mitgewirkt. Auch am vergangenen Dienstag war er im Lokschuppen. Um ein letztes Mal durch die „Titanic“-Ausstellung zu spazieren.

Günter Bäbler will nicht, dass Ausstellung endet

Doch Günter Bäbler wäre nicht Günter Bäbler, wenn er nicht versuchen würde, das Ende für ein paar Minuten hinauszuzögern. Währenddessen bereitet Lokschuppen-Leiterin Jennifer Morscheiser im Foyer des Ausstellungszentrums alles für den Endspurt vor. Tomatensuppe wird gekocht, Sektgläser werden gefüllt und Besucherzahlen herausgesucht.

Nun muss Jennifer Morscheiser nur noch dafür sorgen, dass auch die letzten Gäste gehen. Aber die wollen nicht. „Das hatten wir tatsächlich so auch noch nie“, sagt Morscheiser, während sie durch die Ausstellung spaziert. Schon von Weitem hört man da bereits leise Klaviertöne.

Fans machen letzte
Erinnerungsfotos

Am restaurierten originalen „Steinway & Sons“-Klavier vom Schwesterschiff der Titanic, der RMS Olympic, sitzt die Wachfrau Roswitha Herrlein und spielt – wie schon jeden Tag seit dem 17. Juni, immer kurz vor Ausstellungsende. „Die Chefin hat es mir erlaubt, und ich bin wirklich überglücklich, dass ich diese Möglichkeit hatte“, sagt sie, während sie ihre Sachen zusammenpackt. Ein letzter trauriger Blick aufs Klavier, dann macht sie sich auf den Weg in Richtung Ausgang.

Zwei Dutzend Titanic-Fans stehen an den Vitrinen und machen letzte Erinnerungsfotos. Immer wieder muss Jennifer Morscheiser die Besucher bitten, die Ausstellung zu verlassen. Nicht immer erfolgreich. „Die Ausstellung fährt gleich runter. Sie werden gleich im Dunkeln stehen“, warnt die Lokschuppen-Chefin.

Im Schneckentempo
zum Ausgang

Zu stören scheint das die wenigsten. Im Schneckentempo bewegen sich hartnäckige Fans in Richtung Ausgang. Irgendwann schafft es Jennifer Morscheiser dann doch, auch den letzten Besucher aus der Ausstellung zu bekommen. Sie wendet sich um. Blickt dann auf ihr Mobiltelefon. Stutzt. „Hat jemand Günter Bäbler gesehen?“, fragt sie.

Sie blickt in dunkle Ecken und hinter Türen. Durchwandert noch einmal ihre Ausstellung. Im letzten Raum wird sie fündig. Da sitzt Günter Bäbler. Mit Rettungsweste auf dem Trockenen. „Muss ich jetzt wirklich gehen?“, fragt er. Morscheiser verspricht ihm Bier und Tomatensuppe. Am Ende fährt sie ihn auf einem Rollcontainer nach draußen.

Endlich stehen alle im Vorraum zusammen. Jennifer Morscheiser nutzt die Gelegenheit, um sich bei allen Beteiligten zu bedanken. Für die Arbeit der vergangenen Monate und dafür, dass alle ihre Begeisterung für die Ausstellung geteilt hatten. „Sie alle waren mit Herz und Leidenschaft dabei“, sagt sie. Nur so sei es gelungen, die Besuchermassen zu koordinieren. Denn rund um die Feiertage zog es täglich fast 2.500 Besucher in den Lokschuppen.

Insgesamt verbuchte die „Titanic“-Ausstellung 214.376 Besucher. „Mit diesem Erfolg habe ich nicht gerechnet“, sagt Morscheiser. Skeptisch, ob die „Titanic“ wirklich das richtige Thema für eine Ausstellung ist, war auch Florian Englert. „Ich war nicht von Anfang an begeistert, schließlich ist die Geschichte in 14 Sekunden erzählt“, sagt der Geschäftsführer der Veranstaltungs- und Kongress-GmbH.

„Die Zahlen
sind atemberaubend“

Am Ende war es Jennifer Morscheiser, die ihn überzeugte, dass sich eine „Titanic“-Ausstellung lohnen könnte.

Und nun? „Die Zahlen sind atemberaubend“, sagt er. Auch gegenüber der Konkurrenz habe man in Rosenheim deutlich mehr zu bieten gehabt. „Wir haben die Besucher mit auf eine Reise genommen“, sagt Englert. Die Geschichte sei „perfekt erzählt“ worden. Als Besucher habe man sich in die Lage der Passagiere hineinversetzen können und habe mitgelitten.

Ab März dreht sich
alles um die Römer

Der Rosenheimer Lokschuppen ging auch anderweitig neue Wege. Zum einen sei die Ausstellung erstmals auch während der Weihnachtsferien geöffnet gewesen. Mit Blick auf die hohen Besucherzahlen während dieser Zeit eine „richtige Entscheidung“. Zum anderen mussten die Eintrittspreise von 17 auf 19 Euro erhöht werden. „Das ist uns sehr schwergefallen, aber es war notwendig“, erklärt der Geschäftsführer.

Trotz der höheren Preise sei es gelungen, über 200.000 Besucher in die Ausstellung zu locken. Für Englert der Beweis: „Wenn die Qualität stimmt, sind die Menschen bereit, den Preis zu zahlen.“ Auf die Qualität wollen Englert und sein Team auch in der nächsten Ausstellung setzen. Ab März dreht sich im Lokschuppen alles um die Römer.

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