Rosenheim – Manchmal muss es einfach schnell gehen. Darin waren sich Heidemarie und Horst Hampl schon vor 65 Jahren einig, als sie am 2. Januar heirateten – sie 17 und er 20 Jahre alt. Nur wenige Tage später kam nämlich ihr erstes gemeinsames Kind auf die Welt. „Und wir wollten unbedingt vor der Geburt heiraten“, erzählt Heidemarie Hampl heute.
Die 82-Jährige stammt ursprünglich aus Hallstatt in Österreich. „Der Ort, der heute von Touristen überrannt wird“, erzählt Hampl. Dort sei sie mit ihren beiden Schwestern aufgewachsen. „Als Kinder waren wir oft im Hallstätter See baden. Auch wenn das Wasser sehr kalt war“, erinnert sich Hampl und schmunzelt.
Beziehung mit
der Zeit entwickelt
Ihr Mann Horst Hampl, der ihr heute am Tisch in ihrem Haus gegenübersitzt, stammt aus Rosenheim und machte damals einen Ausflug in die beliebte österreichische Gemeinde. „Er hat mich gesehen und ist immer öfter hergekommen“, erzählt Heidemarie Hampl. So habe sich die Beziehung mit der Zeit entwickelt. Dass eine Hochzeit sein muss, sei den beiden klar geworden, als Heidemarie schwanger wurde. „Am 2. Januar haben wir geheiratet, am 10. kam unser Kind auf die Welt“, erzählt sie. Am Ende sei es also ziemlich knapp geworden.
Grund dafür war unter anderem, dass beide noch nicht volljährig waren. Erst ab 21 durften junge Menschen zu dieser Zeit für sich selbst entscheiden. „Wir brauchten damals die Zustimmung unserer Eltern, ein polizeiliches Führungszeugnis und andere Dokumente“, zählt Heidemarie Hampl auf. Immer wieder habe sich die Eheschließung deshalb verzögert.
Als es dann schließlich so weit war, hielten es die Hampls mit der Hochzeit simpel. Am Standesamt in Hallstatt gaben sie sich das Jawort, danach feierten sie mit dem engsten Umfeld noch ein wenig in einem Gasthaus. „Dann war es auch schon wieder vorbei“, sagt Heidemarie Hampl. Wie sie sich damals gefühlt haben, daran erinnern sich die beiden heute nicht mehr so genau, man sei eben zum Heiraten gegangen. „Aber wir waren natürlich glücklich“, betont die 82-Jährige.
„Vier Jahre später haben wir dann kirchlich geheiratet“, erzählt Horst Hampl. Sein Vater habe das unbedingt gewollt. Die Hochzeit fand dieses Mal in der Rosenheimer Nikolauskirche statt. Doch auch die gestalteten die Hampls eher schlicht. „Wir haben nie groß gefeiert“, sagt Heidemarie Hampl.
Sie zog 1961 mit ihrem Ehemann in dessen Heimat Rosenheim. Dort arbeitete sie als Montagehelferin bei Kathrein, bestückte Platinen von Hand. Horst Hampl arbeitete zuletzt bis zur Rente bei der Eisenbahnsozialverwaltung. Die Hampls haben nicht nur drei Kinder und vier Enkelkinder, sondern inzwischen sogar sieben Urenkel. „Sechs Buben und ein Mädel“, erzählt Heidemarie Hampl stolz.
Doch ein Ereignis prägte die Eltern besonders: Vor etwa 35 Jahren verloren sie ihren Sohn bei einem schweren Verkehrsunfall. „Das war eine schwere Zeit. Aber sie ist auch vorbeigegangen“, erzählt Heidemarie Hampl. Die beiden schafften es, weiterzuleben. Ihr gemeinsames Hobby gab ihnen Kraft: „Wir sind schon immer viel in die Berge gegangen“, erzählt Horst Hampl. Das sei ihre große Leidenschaft, die sie beide verbinde.
Jedes Wochenende waren die Hampls in den Bergen unterwegs, machten manchmal dort Urlaub oder gingen auf größeren Touren von Hütte zu Hütte. „Berge bedeuten für mich einfach Heimat“, sagt Heidemarie Hampl. Die aktiven Wanderzeiten des Ehepaars sind zwar aus gesundheitlichen Gründen mittlerweile vorbei, doch in ihrem Zuhause sind sie noch allgegenwärtig. Im Flur hängen zahlreiche Bilder von Bergen. Insgesamt habe er, sagt Horst Hampl, über die Jahre viele hundert Fotos gesammelt.
Er kann heute, nach zwei Operationen an der Bandscheibe, nicht mehr so wie früher. Seine Frau ist allerdings noch viel mit dem E-Bike unterwegs. „Das mache ich, solange es geht. Es ist wirklich schön“, betont sie. Und ansonsten sind die Hampls auch gerne daheim. „Wir haben es schön hier“, betont Heidemarie Hampl. Manchmal kommen sogar ein paar Rehe in den Garten, für die sie Haferflocken verstreut.
Was ihre Ehe ausmacht, da sind sich die beiden nicht so sicher. „Es ist einfach Alltag, es geht mit Höhen und Tiefen dahin“, sagt Heidemarie Hampl. Manchmal gebe es Streit oder einen Rückschlag. „Aber das gibt es überall“, so die 82-Jährige. Treu müsse man sich eben bleiben. „Und manchmal einfach nachgeben“, fügt Ehemann Horst Hampl hinzu. Denn mal habe der eine recht und mal der andere.
Ehrenbesuch vom
Oberbürgermeister
Diese Taktik scheint zu funktionieren, denn am 2. Januar feierten Heidemarie und Horst Hampl die eiserne Ehe – genauso simpel wie die standesamtliche und die kirchliche Hochzeit. „Wir waren nur mit unserer Tochter essen“, erzählt Heidemarie Hampl. Und am 7. Januar, nach den vielen Feiertagen, gab es dann noch einen Ehrenbesuch von Oberbürgermeister Andreas März. Mit Blumenstrauß und Umschlag kam er auf einen Ratsch vorbei. Und so schnell, wie es damals mit der Hochzeit ging, war auch das Ehejubiläum wieder vorüber.