Sogar in San Francisco kennt man ihn

von Redaktion

Interview Alex Reiserer arbeitet seit 25 Jahren in „Lohberger‘s Wurschtkessel“ am Ludwigsplatz

Rosenheim – Alex Reiserer liebt seinen Beruf. Das merkt man im Gespräch. Seit 25 Jahren arbeitet er als Verkäufer in „Lohberger‘s Wurschtkessel“ am Ludwigsplatz in Rosenheim. Im Interview – bei dem sich sofort geduzt wird – spricht er über die Anfänge, wie sich die Kunden verändert haben und was er in seiner Freizeit macht.

Wie wird man Verkäufer eines Würstlstands?

Ich bin gelernter Koch. Mein Sohn war damals noch jung und ich wollte ihn gerne aufwachsen sehen. Das wäre mit den Arbeitszeiten eines Kochs schwer geworden. Also habe ich meinen damaligen Job an den Nagel gehängt und durch Zufall erfahren, dass bei der Metzgerei Lohberger jemand gesucht wird. Dort habe ich als Metzgerhelfer angefangen. Für kurze Zeit zumindest.

Wieso nur für kurze Zeit?

Bevor ich bei der Metzgerei Lohberger angefangen habe, habe ich mich auf einem Kreuzfahrtschiff beworben. Die haben sich dann zurückgemeldet, als ich schon beim Lohberger beschäftigt war. Also habe ich meinen Chef informiert, die Metzgerei verlassen und bin aufs Schiff. Dort hat es mir aber leider überhaupt nicht gefallen. Also bin ich vom Schiff zurück zur Metzgerei Lohberger (lacht).

Und von dort direkt in den Würstlstand.

Genau. Die Verkäuferin vom Würstlstand ist krank geworden, also bin ich eingesprungen. Ich war damals für alles offen und konnte schon immer gut mit Leuten. Die Arbeit im Würstlstand hat mir deshalb von Anfang an gut gefallen.

Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Die Leute sind anspruchsvoller geworden. Aber wir sind immer noch in Bayern: Gerade am Würstlstand ist man gleich per Du. Die Atmosphäre ist immer locker.

Also gibt es nichts, was dich stört?

Doch, tatsächlich störe ich mich vor allem an der Tatsache, dass es immer wieder Kunden gibt, die nicht grüßen. Viele bedanken sich auch nicht. Es fehlt an den Manieren. Aber abgesehen davon, macht mir die Arbeit sehr viel Spaß. Ich mache um 7.30 Uhr auf und bin bis 13 Uhr am Ludwigsplatz. In dieser Zeit ist eigentlich immer was los.

Kommen immer die gleichen Leute?

90 Prozent sind Stammkunden. Die kommen zwar nicht jeden Tag, aber mehrmals in der Woche. Einen Großteil meiner Kunden kenne ich und ich weiß auch, was sie bestellen. Wenn ich sie von Weitem sehe, steht die Wurst schon auf dem Tisch, wenn sie bei mir sind. Das macht meinen Würstlstand auch aus.

Kennst du die Namen von allen?

Ich denke, zehn Prozent bekomme ich zusammen (lacht). Aber alle wissen, wie ich heiße, das reicht schon.

Erkennen dich die Leute auch, wenn du nicht im Würstlstand bist?

Ja. Mein witzigstes Erlebnis: Ich war am Flughafen in San Francisco, als plötzlich jemand zu mir gekommen ist, auf mich gezeigt hat und gesagt hat, dass er zwei Weißwürste nimmt.

Also sind die Menschen das Schönste an deinem Beruf?

Ja, auf jeden Fall. Die Vielfalt macht es aus, aber auch die unterschiedlichen Charaktere, mit denen man zu tun hat.

Der Grüne Markt ist in den vergangenen Monaten gewachsen. Vor allem an den Samstagen.

Das freut mich wahnsinnig. Früher, als ich angefangen habe, war aber deutlich mehr los. Da gab es drei Würstlstände. Jetzt bin halt ich der Platzhirsch (lacht).

Wie erklärst du dir diese Entwicklung?

Vermutlich liegt es an den Supermärkten. Bis um 20 Uhr bekommt man da alles, was das Herz begehrt. Die Leute haben also keinen Grund mehr, zum Grünen Markt zu gehen. Zumal viele ohnehin keine Lust haben, früh aufzustehen. Gleichzeitig ist vielen aber auch die Regionalität wichtig. Und regionale Produkte gibt es bei uns auf dem Grünen Markt.

Was ist der Verkaufsschlager bei dir im Würstlstand?

Weißwürste.

Ein absolutes No-Go bei Weißwürsten?

Ketchup (lacht). Seit 25 Jahren wehre ich mich dagegen, dass es bei mir Ketchup gibt.

Hat sich dein Sortiment in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Im Großen und Ganzen ist es gleich geblieben. Wir haben mal versucht, Currywurst und Pommes zu verkaufen, aber das hat nicht wirklich funktioniert. Die Leute kommen zu mir, weil sie Würstl aus dem Kessel wollen. Und bei uns ist die Qualität gleichbleibend gut. Das schätzen die Leute.

Wie stehst du zu vegetarischen und veganen Produkten?

Habe ich. Es gibt Brezen und Semmeln (lacht). Aber ganz ehrlich: Wer kein Fleisch isst, kommt auch nicht zu mir an den Stand.

Dein Würstlstand ist für viele ein zentraler Treffpunkt.

Das stimmt. Ich habe vom Banker bis zum Handwerker alle bei mir. Sogar der Oberbürgermeister isst gelegentlich bei mir.

Wenn du nicht im Würstlstand stehst: Wie verbringst du deine Freizeit?

Wir haben daheim einen großen Garten. Dort verbringe ich gerne meine Zeit, mähe Rasen oder mache Holz.

Hängst du jetzt noch einmal 25 Jahre dran?

Wenn es die Gesundheit zulässt.

Anna Heise

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