Spatenstich für neues Lehrschwimmbecken

von Redaktion

Aus Sicherheitsgründen muss Doppelturnhalle gesperrt werden – Probleme für Schulen und Vereine

Rosenheim – Die Spaten stehen bereit. Zehn an der Zahl. Vorsichtig setzt Oberbürgermeister Andreas März den Helm auf, nimmt den Spaten und stellt sich hinter den großen Sandhaufen. Gemeinsam mit Schulleitern, Dezernenten und den beiden Architekten hat er an diesem Vormittag zum symbolischen Spatenstich eingeladen. Genau vor dem Gebäude, das in den vergangenen acht Jahren immer wieder für Diskussionsstoff gesorgt hat.

So lange wird nämlich bereits darüber debattiert, wie es mit dem Lehrschwimmbecken Am Nörreut weitergehen soll. Denn seit dem Schuljahr 2018/19 ist die Anlage aufgrund von Feuchtigkeits- und Korrosionsschäden gesperrt. Seitdem stehen in der Stadt nur noch zwei kleine Lehrschwimmbecken in Aising und Westerndorf zur Verfügung.

Neubau mit fünf Bahnen
für 19,1 Millionen Euro

Im Mai 2023 wurde beschlossen, das Lehrschwimmbecken abzureißen und einen Neubau an die gleiche Stelle zu stellen. Zwischen der Johann-Rieder-Realschule und dem Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium soll im kommenden Jahr ein modernes Schwimmbad mit fünf Bahnen, einer Beckenlänge von 25 Metern sowie einem höhenverstellbaren Hubboden entstehen. Die Stadt investiert rund 19,1 Millionen Euro in das Projekt.

„Mit diesem Neubau setzen wir als Stadt ein starkes Zeichen für den Schwimmunterricht und Schwimmsport“, sagt Oberbürgermeister Andreas März. Er erinnert daran, dass die Zahl der Kinder in Deutschland, die nicht schwimmen können, immer größer wird. „Dem beugen wir in Rosenheim vor und investieren mit dem Lehrschwimmbecken in die Sicherheit der nächsten Generation“, so März.

Groß ist die Freude über den Neubau auch bei den beiden Schulleitern. „Die lebensnotwendigen Schwimm- fähigkeiten der Kinder haben in den letzten Jahren auch am Gymnasium mehr und mehr abgenommen“, sagt Brigitte Würth. Sie ist die Schulleiterin des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums und weiß, wie wichtig regelmäßiger Schwimmunterricht im Rahmen des Sportunterrichts ist.

Bisher hat der Schwimmunterricht – in deutlich eingeschränkter Form – teils im Hallenbad, teils in den Lehrschwimmbecken in Aising und Westerndorf stattgefunden. „Das war jedoch mit langen Anfahrtswegen, entsprechend kurzen Schwimmzeiten und zusätzlichen Transportkosten verbunden“, sagt Brigitte Würth. Ein Schwimmunterricht im Freibad bei parallelem öffentlichem Schwimmbetrieb sei kaum möglich gewesen.

Ähnliches berichtet Sibylle Daxlberger, Schulleiterin der Johann-Rieder-Realschule. „Der Neubau des Lehrschwimmbeckens ist für unsere Schüler und Schülerinnen wichtig, da sie wieder mehr mit dem Element Wasser in Berührung kommen sollen“, sagt sie auf OVB-Anfrage. Einige Schüler würden als Nichtschwimmer an die Schule kommen. „Um ihnen also das Schwimmen beizubringen und sie auf die Schwimmwoche in der fünften Klasse im Frühsommer vorzubereiten, ist dieses Schwimmbecken eine absolut sinnvolle und für die Kinder wichtige Investition“, fügt sie hinzu.

Zudem entsteht mit dem Neubau eine weitere Sportstätte, welche sowohl von ihrer Schule als auch vom Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium genutzt werden kann. „Aktuell haben wir zu wenig Sportstätten für zwei große Schulen“, sagt Sibylle Daxlberger. Bislang hat auch der Schwimmunterricht an ihrer Schule im Hallenbad oder im Freibad stattgefunden. „Da das Hallenbad zu Fuß aber relativ weit weg ist, wurde es eher weniger genutzt“, sagt die Schulleiterin.

Trotz Vorfreude auch
ein Wermutstropfen

Die Vorfreude ist also groß. Und doch gibt es auch einen Wermutstropfen. Denn weil sich Lehrschwimmbecken und Doppelturnhalle eine Wand teilen, muss aus Sicherheitsgründen die Turnhalle Am Nörreut ab heute, Montag, 19. Januar, bis in den Sommer hinein gesperrt werden.

„Mit Statik ist nicht zu spaßen, das hat uns vor allem das schreckliche Hallenunglück von Bad Reichenhall nachhaltig vor Augen geführt. Die Hallensperrung ist notwendig, damit die Gesundheit oder gar das Leben der Nutzerinnen und Nutzer nicht leichtfertig gefährdet wird“, sagt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim.

Im Januar 2008 stürzte in der Eishalle in Bad Reichenhall das Dach ein, nachdem es viel geschneit hatte. 15 Menschen starben, die meisten von ihnen Kinder. Grund für den Einsturz der Halle waren bauliche Mängel. Für die Sperrung der Doppelturnhalle in Rosenheim gibt es also durchaus Verständnis. Trotzdem entstehen dadurch neue Herausforderungen – und weitere Engpässe.

„Aufgrund der knappen Sportstättensituation hat die Sperrung erhebliche Folgen“, sagt Brigitte Würth. Ziel ist es, die Sperrung der Halle mit alternativen Bewegungsangeboten abzufedern – beispielsweise im Eisstadion, im Schulhaus oder bei guter Witterung im Freien. „Ein regelmäßiger und langfristig planbarer Sportunterricht nach den im Lehrplan geforderten Inhalten ist so aber kaum möglich“, fügt sie hinzu.

Das weiß auch Sibylle Daxlberger. „Wir sind an Engpässe gewöhnt. Der Sportunterricht findet weiter statt“, sagt sie auf OVB-Anfrage. Allerdings müsse etwas improvisiert werden. So wird weiterhin die benachbarte Halle des Sebastian-Finsterwalder-Gymnasiums sowie des Ignaz-Günther-Gymnasiums genutzt. Neben Ausweichstätten wie dem Eisstadion gibt es auch ein Zeitfenster am Nachmittag an der Astrid-Lindgren-Grundschule.

Mangfallpark oder
Jahnstadion als Alternative

„Wenn es die Witterung zulässt, können Schülerinnen und Schüler auch ins Jahnstadion, auf den Kunstrasenplatz oder in den Mangfallpark gehen. Nicht ideal, aber besser als keine Bewegung“, fügt sie hinzu.

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