Wie die Eisenbahn Rosenheim verändert hat

von Redaktion

Vortrag des Historischen Vereins über die Auswirkungen – Mit Küpferling gab es sogar einen eigenen Stadtteil

Rosenheim – Deutschland und seine Eisenbahn – das ist ein durchaus zwiespältiges Verhältnis. Wenn es um die Bahn als aktuelles Verkehrsmittel geht, haben die meisten wenig Positives zu sagen: Verlässlich scheint sie vielen vor allem in einem zu sein: in ihrer Unzuverlässigkeit: Verspätungen, überraschende Zugausfälle: Euer Name sei Deutsche Bahn. Ganz anders sieht es aus, wenn die Sicht vom aktuellen weg, ins Historische geht. Da kriegen viele Leute – und beileibe nicht nur eingefleischte Eisenbahnfreaks – leuchtende Augen.

Woher diese bleibende Faszination kommt, warum sie gegen alle aktuelle Kritik immun scheint – das ist nicht einfach zu ergründen. Für Rosenheim immerhin kann man sagen, dass hier die enge Verbindung zwischen der Stadtentwicklung Rosenheims und der Bahngeschichte wohl ganz sicher eine Rolle spielt.

Und genau um diese Verknüpfung geht es bei einem Vortrag des Historischen Vereins am kommenden Donnerstag, 22. Januar: Professor Roland Feindor wird in ihm aufzeigen, wie eng verzahnt die Stadtentwicklung Rosenheims mit dem Aufblühen der Bahn verbunden ist. Im Grunde ist ja schon die Stadterhebung im Jahr 1864 eng mit der Eisenbahn verbunden: 1857 war die Bahnstrecke München-Holzkirchen-Bad Aibling-Rosenheim eröffnet worden, die schon 1858 bis Innsbruck weiterführte, dem Jahr, in dem auch der Rosenheimer Bahnhof eröffnet wurde. Dessen markantes Bauwerk ist bekanntlich immer noch einer der Repräsentationsbauten der Stadt, der heute das Rathaus beherbergt.

Zwar gehören das Rathaus – und auch der gegenüberliegende Lokschuppen – zu den markantesten Erinnerungszeichen an die erste Blütezeit der Eisenbahn in Rosenheim. Doch sie sind beileibe nicht die Einzigen. In etlichen Straßenführungen der Stadt kann man noch erkennen, dass hier einst die Bahn entlang lief. Der Vortrag am Donnerstag ist deshalb gewissermaßen auch ein neuer Blick auf die Stadt, einer mit Eisenbahneraugen. Und der ist nur allzu gerechtfertigt, wenn man erfährt, dass Rosenheim einst durchaus eine Eisenbahnerstadt war, mit Bahnhof, einer bedeutenden Lokwechselstelle und einem Bahnbetriebswerk: Noch 1985 etwa betrug das Rosenheimer Bahnpersonal – unter Einbeziehung der Sozialverwaltungsangestellten – rund 3.000 Personen und Küpferling war einst eigentlich ein Eisenbahnerstadtteil.

Die Bahn hat also die Stadt sehr wohl sehr deutlich geprägt. Und damit ist nicht nur das rein bauliche, das äußere Erscheinungsbild gemeint. Die Bahn stand für ein Aufblühen der Stadt, stand für Modernität. Sie war neu, war ein Vorgriff auf die Zukunft, der jede Menge Möglichkeiten eröffnete. Das dabei aber in einer Weise, bei der die dahinterstehende Technik zumindest in Ansätzen nachvollziehbar blieb. Um es deutlicher zu machen: ein moderner Hochgeschwindigkeitszug ist ein stromlinienverkleidetes Etwas aber auch nicht viel mehr. Bei einer Dampflok aber kann man geradezu sehen, wie hier schiere Kraft in Bewegung umgesetzt wird. Die Bahn als ein Räderwerk, perfekt aufeinander abgestimmt und bestens funktionierend, war damit in gewissem Sinn auch ein Sinnbild für ein modernes Staatswesen, das in Deutschland im Entstehen begriffen war.

Kurz: die Bahn war in Rosenheim immer auch ein Spiegel für die aktuelle Gesellschaftslage. Und ist es, angesichts der Diskussionen, ob ein Neubau eines Brennernordzulaufs notwendig ist, vielleicht noch heute. Weshalb auch dieser Punkt in dem Vortrag von Professor Feindor, der als ehemaliger Dekan der Fakultät für Informatik an der TH Rosenheim mit Zahlen und logischen Verknüpfungen bestens umzugehen weiß, zur Sprache kommen wird.

Der Vortrag findet – dem Thema angemessen – in historischer Bahnumgebung statt, im Café „Lok 1858“ im Lokschuppen: Eigentlich sind die Räumlichkeiten wegen Betriebsurlaub des Cafés geschlossen, für den Vortrag aber, wenn auch ohne Bewirtung, geöffnet. Der Zugang ist möglich über den Seiteneingang am Hammerweg (links neben dem Haupteingang des Lokschuppens). Beginn der Veranstaltung ist 19 Uhr.jt

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