Rosenheim – „Das Problem kann keiner allein lösen“, sagt Dr. Hermann Biehler, „wir brauchen die Kompetenz der ganzen Stadtgesellschaft“. Der Vertreter des Rosenheimer Forums, der zusammen mit Oberbürgermeister Andreas März die knapp 100 Besucher begrüßte, die zur Informationsveranstaltung „Klimawandel – wie gehen wir in Rosenheim damit um?“ in die Stadtbücherei gekommen waren, regte Sachlichkeit in der Diskussion über „Klimaschutz und Anpassung“ an.
Laut dem Oberbürgermeister geht es bei diesem komplexen Thema darum, „auch die Meinung anderer anzuhören“, wobei man diese nicht übernehmen müsse.
Klimawandel nicht mehr
so im Kopf der Menschen
Laut Alice Balbo, die als Referentin beim Deutschen Städtetag für Klimaanpassung und Resilienz zuständig ist, ist der Klimawandel im Bewusstsein der Bürger „nicht mehr so präsent“, da andere Probleme in den Vordergrund getreten sind. Dennoch stelle er weiterhin eine Gefahr dar.
Einer Studie des Bundesnachrichtendienstes zufolge ist der Klimawandel eine der fünf größten Bedrohungen der Sicherheit. Balbo sieht den Klimaschutz und die Resilienz, die Anpassung an die Folgen des Klimawandels, als zwei Seiten einer Medaille. Da der Klimawandel sicher komme, müsse er einerseits abgeschwächt werden, andererseits müsse der Städtebau an die sicher auftretenden Gefahren angepasst werden. Beides müsse gleichzeitig passieren, um keine Zeit zu verlieren.
Karin Graf, die bei der Stadt unter anderem für das Klimamanagement zuständig ist, erklärte, dass Rosenheim bereits ein Klimawandelanpassungskonzept sowie die Fachkonzepte „Umwelt–Klima–Klimawandel“ und „Landschaft–Freiraum“ hat. Außerdem gebe es ein Solardachkataster für Stadt und Landkreis, eine Energieberatung durch die Stadtwerke und Einzelmaßnahmen wie den Bau eines Retentionsgründachs mit PV-Anlage auf dem Fahrradparkhaus am Bahnhof. Zudem sei in der Innenstadt weitere Begrünung geplant.
Viele Ideen für Klima-
schutzmaßnahmen
Die Besucher der Veranstaltungen hatten darüber hinaus noch andere Vorschläge. Darunter: den Bahnhofsvorplatz begrünen, den Verkehr in die Klimaschutzmaßnahmen einbeziehen, die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen überprüfen, die Bürger besser über Energiesparmöglichkeiten informieren, eine jährliche Klimabilanz erstellen oder verrohrte Bäche in der Innenstadt wieder öffnen, um Wasserflächen zu schaffen. Letzteres ist laut Graf bereits in einigen Fällen gemacht worden, weitere Möglichkeiten würden derzeit geprüft.
Konzepte allein
reichen nicht
Eine Besucherin wollte zudem wissen, warum es an Sonn- und Feiertagen keinen öffentlichen Nahverkehr in Rosenheim gibt. Die Antwort des Oberbürgermeisters: Es liege an den Kosten. Die Stadt zahle bereits 3,5 Millionen Euro, und jeder zusätzlich gefahrene Kilometer würde weitere sechs Euro kosten. Carsharing sei hier eine bessere Lösung. Dies gebe es bereits, ein weiterer Ausbau sei aber sinnvoll – dieser sollte aber von Unternehmen gemacht werden. Diese seien flexibler als die Stadt, die bei der Anschaffung von Autos an Vorschriften zur Ausschreibung gebunden sei.
Ein anderer Veranstaltungsbesucher schlug vor, im privaten Bereich ganz einfach anzufangen und etwas zu tun, etwa als Eigentümer sein Haus mit Wärmedämmung zu versehen. Dies lohne sich nicht nur wegen der Einsparung von Heizenergie im Winter, sondern auch im Sommer, weil das Haus dann angenehm kühl bleibe. Dem Vorschlag stimmte auch Alice Balbo zu. Es gebe schon sehr viele Konzepte, „aber wir müssen auch ins Tun kommen“.
Wie Hermann Biehler am Ende der Veranstaltung ankündigte, ist aus Sicht des Forums „jetzt nicht Schluss, sondern Anfang“ der Beschäftigung mit dem Klimawandel. Das „Rosenheimer Forum für Städtebau und Umweltfragen“ verstehe sich „als Forum für die Diskussion und die ideelle Förderung des Städtebaus und des Baugeschehens in der Stadt Rosenheim und in ihrem Umland“. Der 1971 gegründete gemeinnützige Verein gehöre „in seinem Betätigungsspektrum zu den ältesten Bürgerinitiativen Deutschlands“.