Wirte und Ärzte zum „Dry January“

von Redaktion

Viele Menschen verzichten im Januar im Rahmen des „Dry January“ auf Alkohol. Das hat nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern wirkt sich an manchen Orten auch auf den Umsatz der Gastronomen aus. Mediziner und Wirte aus Rosenheim geben dazu ihre Einschätzungen ab.

Andreas Bauer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt.

Rosenheim – Stephan Rech hat sich für den Januar etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Statt dem „Dry January“ setzt der Betreiber der Rosenheimer „Lausa Bar“ auf den „Try January“. Die Idee dahinter: Um die dunklen Tage im Januar aufzuhellen, werden in seiner Bar drei Cocktails zu einem Probierpreis angeboten. „Wir wollen, dass unsere Gäste neue Getränke ausprobieren können und neue Geschichten erleben. So wollen wir zeigen, dass der Januar alles andere als trocken sein muss“, sagt Rech.

Winter stoppt
die Feierlaune

Zudem versuche der Gastronom so, die Menschen in die Stadt zu locken. „Generell muss man aber sagen, dass der Umsatz im Januar immer niedriger ist im Vergleich zu den anderen Monaten“, sagt Rech. Das liegt seiner Meinung aber nicht daran, dass die Leute im Januar auf Alkohol verzichten, sondern daran, dass viele im Januar noch keine Lust haben, zu feiern.

Das bestätigt auch Jochen Vogt. Gemeinsam mit Sabine Geißler hat er erst kürzlich die Vinothek Hacker übernommen. „Der Januar gehört grundsätzlich zu den umsatzschwächsten Monaten“, sagt er auf OVB-Anfrage. Das liege aber vor allem an den Feiertagen davor sowie an den vielen guten Vorsätzen. „Der sogenannte ‚Dry January‘ spielt für unsere Vinothek nur eine sehr geringe Rolle. Unter unseren Gästen fragen derzeit weniger als fünf Prozent nach einer alkoholfreien Alternative zum Wein“, sagt er.

Auch im Café 08 an der Eduard-Rüber-Straße in Rosenheim wird im Januar sehr wenig Alkohol verkauft. „Das hängt aber mehr mit der Jahreszeit und den frühen Schließzeiten zusammen, als mit dem ‚Dry January‘“, sagt Betreiber Viktor Walther.

Keinen Unterschied merkt hingegen Gastronomin Thanh van Beck, die unter anderem das „Lychees“ an der Gillitzerstraße betreibt. „Im Januar bestellen unsere Gäste zum Teil noch mehr Alkohol als im Dezember“, sagt sie. Eine ganz andere Situation zeigt sich in München. Hier sprechen Wirte Medienberichten zufolge von einem Umsatzverlust von rund 30 Prozent.

Eben weil die Gäste im Januar immer weniger zu Wein, Sekt und Schnaps greifen. Stattdessen setzen sie auf Alternativen wie Tee, Saftschorlen oder alkoholfreie Weine. Welche Vorteile ein Monat ohne Alkohol mit sich bringt, weiß Andreas Bauer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Romed-Klinikum Rosenheim.

„Ein alkoholfreier Monat reduziert die akute Belastung für Leber und Stoffwechsel, verbessert Schlafqualität und senkt kurzfristig Blutdruck sowie Entzündungsmarker“, sagt der Mediziner auf OVB-Anfrage.

Zudem würde es vielen Menschen helfen, ihr Trinkverhalten zu reflektieren, psychische Abhängigkeit zu erkennen und den Alkoholkonsum dauerhaft zu verringern. „Außerdem führt es oft zu besserer Haut, Gewichtsverlust und Geldersparnis. Alles positive Effekte, die motivierend wirken können.“ Alkohol beeinflusst Bauer zufolge nahezu jedes Organ. „Kurzfristig führt er zu Enthemmung, Koordinationsstörungen und einer erhöhten Unfallgefährdung. Langfristig belastet regelmäßiger Konsum vor allem die Leber und das zentrale Nervensystem, schwächt das Immunsystem und kann zu Stoffwechselstörungen führen“, sagt er.

Zahlreiche Studien zeigen: Je höher und häufiger die Aufnahme, desto größer das Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen. Ein chronischer Alkoholmissbrauch kann laut Bauer zu Lebererkrankungen, toxischer Hepatitis und Leberzirrhose führen. Zusätzlich kann bei starkem Alkoholkonsum das Risiko für verschiedene Krebsarten steigen. Auch Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck können vorkommen. „Alkoholabhängigkeit ist eine eigenständige schwere Erkrankung mit hohem Krankheits- und Todesrisiko“, sagt Bauer.

Sein genereller Tipp: „Aus medizinsicher Sicht ist ein Alkoholverzicht die gesundheitlich sicherste Empfehlung.“ Dass auch ein Monat schon zu einem Umdenken führen kann, weiß der Sucht-Therapeut Benjamin Grünbichler. „Es hilft, herauszufinden, was sich in den knapp viereinhalb Wochen alles verändert hat“, sagt er. So würde man beispielsweise feststellen können, aus welchem Grund man überhaupt zur Bierflasche oder zum Weinglas greift.

Blick auf den
sozialen Druck

„Oft wird uns dann erst bewusst, wie hoch der soziale Druck für diejenigen ist, die sich bewusst dafür entscheiden, nichts zu trinken“, sagt der Experte. Es sei wichtig, die „Auslöser für sein Verhalten“ zu kennen. Deshalb empfiehlt er auch, hin und wieder eine Pause von den sozialen Medien einzulegen. Was sich am Anfang noch ungewohnt und schwer anfühlt, werde immer mehr zur neuen Gewohnheit. „Viele Sachen, die wir regelmäßig machen, tun uns ja nicht gut. Wir machen sie, weil wir es uns antrainiert haben“, sagt er. So gehöre es für viele Menschen dazu, auf einer Party zum Alkohol zu greifen. „Wenn eine Party erst lustig wird, wenn man einen Rausch hat, ist es wahrscheinlich keine gute Party“, sagt der Experte.

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