Rosenheim – An der einen oder anderen Ecke wird noch geputzt und gewischt, überall liegen Kabel, die Wände sind mit schwarzem Stoff verkleidet: Wer die Auerbräu-Festhalle bisher nur vom Rosenheimer Herbstfest oder dem Starkbierfest kannte, dürfte aktuell bei einem Blick hinein überrascht sein. Denn nach und nach hat sich die Veranstaltungshalle in einen Techno-Tempel verwandelt. „Moving Heads, Strobo, Haze-Effekte und so weiter – alles, was man klassisch von einem Rave kennt“, erklärt Marco Frei bei einem Gang durch die Halle. Gemeinsam mit Xaver Räpple hat er das „Kaltstart“-Festival ins Leben gerufen. Am heutigen Samstag wird es zum ersten Mal stattfinden. Dass die Nachfrage für eine solche Veranstaltung in der Region durchaus besteht, zeigt der Ticketverkauf – mehrere Wochen vor dem Festival war es ausverkauft. Wenige Stunden vor dem Start herrscht noch reges Treiben in der Halle. Knapp über dem Boden hängt am Freitagvormittag ein riesiges Metallgestell, an dem zahlreiche Scheinwerfer befestigt sind. Das Gestell wird über den rund 4000 Besuchern spektakuläre Lichteffekte erzeugen. Dafür sorgen auch die langen LED-Schläuche, die sich über das gesamte Gestell ziehen. „Die simulieren Stromblitze, die quasi vom DJ aus in die Menge geschossen werden“, erklärt Frei. „Das sieht dann aus, als würde der DJ die Energie von sich auf die Besucher übertragen.“ Über 100.000 Euro an Equipment sollen in der Halle ein optimales Festival-Gefühl garantieren. „Die Soundanlage ist relativ untypisch für eine Halle in dieser Größenordnung“, sagt Frei. „Damit könnte man auch knapp 10.000 Leute beschallen.“ Und auch an der Bühne wurde nicht gespart. Auf 120 Quadratmetern finden nicht nur die DJs aus den unterschiedlichsten Techno-Richtungen Platz. Denn wer ein „Stage-Ticket“ gekauft hat, darf sogar mit auf die Bühne. „Da stehen dann 200 Besucher auf der Bühne und tanzen hinter dem DJ“, sagt Frei.
Aber nicht nur musikalisch und optisch ist für Höhepunkte gesorgt. Auch gastronomisch ist für jeden etwas dabei. Pommes, Kaiserschmarrn und Pizza, Fleisch, vegetarisch und vegan – beim „Kaltstart“ ist jeder versorgt. Und wer zwischen 12 Uhr mittags und dem Festival-Ende in der Auerbräu-Halle um 22 Uhr eine Pause braucht, findet im „Franz am Wiesntor“ am anderen Ende der Loretowiese den perfekten Rückzugsort. „Dort gibt es eine Chill-out-area mit sehr leiser Musik. Dort kann man sich hinsetzen und einfach mal die Ruhe genießen“, sagt Frei. Und wer nach 22 Uhr weiterfeiern will, hat gleich zwei Afterparty-Locations zur Auswahl. Bis 4 Uhr morgens kann dann entweder im „Franz am Wiesntor“ oder in der „Alten Gießerei“ noch getanzt werden.
Dass bei der Organisation einer so großen Veranstaltung auch mal Hürden auftauchen, ist klar. Als Beispiel nennt Frei den Kauf der LED-Schläuche. „Wir haben einen Produzenten in China gefunden. Kurz vor der Unterschrift für den Lieferschein haben wir erfahren, dass die Dinger keine CE-Zertifizierung für Europa hatten – und das war zwei Wochen vor der Veranstaltung.“ Ein Mitarbeiter hat dann kurzerhand über 50 Händler in ganz Europa kontaktiert. Und letztlich hat es doch noch geklappt.
Dafür, dass die Premiere des eigenen Festivals mit tausenden Besuchern kurz bevorsteht, wirkt Frei im OVB-Gespräch recht entspannt. Doch der Schein trügt, wie er mit einem Schmunzeln zugibt. „Ich schlafe seit Tagen nicht mehr wirklich“, sagt er. „Aber ich denke, es geht alles gut.“ Dennoch gibt es kurz zuvor noch einiges zu tun: Die mehr als 30 Sicherheitsmitarbeiter müssen eingewiesen und koordiniert werden, Gespräche mit Ordnungsamt, Polizei und Feuerwehr stehen an und dann kommt noch der letzte Feinschliff. Damit am Ende auch alles gut geht, wenn Techno-Fans aus der gesamten Region zum „Kaltstart“ nach Rosenheim kommen.