Rosenheim – Die Beschilderung im Aufzug ist noch etwas provisorisch. Nur ein kleiner weißer Zettel mit der Aufschrift „Zahnärzte MVZ Chiemgau Lacht“ verrät, dass im sechsten Stock des Medical Cubes in Rosenheim wieder Leben eingekehrt ist. Es ist jene Etage, über die in den vergangenen Monaten viel spekuliert und diskutiert wurde. Lange Zeit hatten dort die Zahnärzte Dr. Thorsten Lange und Dr. Fotini Lange ihren Sitz.
In der Zahnarztpraxis „Rosenmund“ behandelten sie zahlreiche Patienten. Doch von heute auf morgen wurde die Praxis dichtgemacht. „Unfreiwillig und dauerhaft“, wie es damals auf dem Anrufbeantworter zu hören war. Patienten wurden dazu aufgefordert, sich zur weiteren Behandlung eine neue Praxis zu suchen.
Spekulationen um
Hintergrund der Schließung
Mitarbeiter sollen – so hieß es im Februar 2025 – aus dem Nichts ein Kündigungsschreiben erhalten haben. Am nächsten Tag hätten sie bereits vor verschlossenen Türen gestanden, ihre persönlichen Sachen seien in einer Tüte gewesen, die jemand vor die Tür der Praxis gestellt hatte.
Der Vorsitzende des Zahnärztlichen Bezirksverbands Oberbayern gab damals auf OVB-Anfrage an, dass die Inhaber der Praxis „Rosenmund“ seinen Informationen zufolge nach Dublin gezogen sind. Auch Monate später gibt es zu den Hintergründen und der abrupten Schließung der Praxis keine näheren Informationen.
Aber in den ehemaligen Räumen der Praxis hat sich inzwischen einiges getan. Das zeigt ein Besuch vor Ort. Bereits am Empfang wird man freundlich begrüßt, nur wenige Sekunden später biegt Dr. Benjamin Borsuk um die Ecke. Der 33-Jährige hat gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Alexander-Constantin Lüllmann das Medizinische Versorgungszentrum „Chiemgau Lacht“ im Medical Cube eröffnet. Neben Standorten in Traunstein und Aschau ist es die dritte Praxis, die den Namen „Chiemgau Lacht“ trägt. „Alexander Lüllmann und ich haben uns schon seit einiger Zeit nach einem größeren Projekt umgesehen“, sagt Benjamin Borsuk. Bereits 2020 habe man nach geeigneten Räumen gesucht, die Idee aufgrund der Corona-Pandemie vorerst aber wieder verworfen. „Im vergangenen Jahr haben wir dann die Möglichkeit bekommen, die Räume im Medical Cube samt Inventar zu übernehmen“, sagt Borsuk.
Schon zuvor habe er von seinen Patienten erfahren, dass die Praxis „Rosenmund“ plötzlich dichtgemacht hat und sie telefonisch niemanden erreichen können. „Wir haben angerufen, sind irgendwann vorbeigefahren und haben versucht herauszufinden, was dahintersteckt“, erinnert sich Lüllmann. Weil man sich in der Branche kennt, habe sich schnell herausgestellt, dass die Betreiber wohl nicht zurückkommen werden. „Daraufhin haben wir unser Interesse an den Räumen bekundet“, sagt Borsuk.
Verhandlungen dauerten
ein Dreivierteljahr
Über ein Dreivierteljahr sei anschließend verhandelt worden. „Im Dezember 2025 durften wir dann zum ersten Mal in die Praxis“, sagt Borsuk. Zwei Wochen lang seien die beiden Männer nur mit Aufräumarbeiten beschäftigt gewesen. „Man darf nicht vergessen, dass die Praxis ein ganzes Jahr leer stand“, sagt er.
Nach den Aufräumarbeiten mussten sämtliche Geräte auf den neuesten Stand gebracht werden. „Wir mussten sehr viel Geld investieren. Einige Geräte wurden mitgenommen, andere waren nicht mehr funktionsfähig“, sagt Lüllmann. Während er erzählt, führt er durch die 1.000 Quadratmeter große Praxis. „Das ist wahrscheinlich die größte Zahnarztpraxis zwischen Salzburg und München“, vermutet Lüllmann. Die beiden Zahnärzte machen kein Geheimnis daraus, dass die Größe eine Herausforderung darstellt. Eben auch, weil genügend Personal gefunden werden musste. Hinzu kommt, dass Borsuk und Lüllmann in ihrer Praxis sowohl Erwachsenen- als auch Kinderzahnheilkunde anbieten. Es gibt ein Labor, eine Abteilung für Chirurgie und die Möglichkeit, direkt vor Ort eine Narkose anzubieten. Zudem ist auch ein Zahntechniker in der Praxis.
Beiden Zahnärzten ist es wichtig, noch einmal deutlich zu machen, dass sie mit der Praxis „Rosenmund“ nichts zu tun haben. „Wir haben uns komplett neu gegründet, deshalb haben wir auch kein Personal übernommen“, sagt Borsuk. Dennoch sei es gelungen, den ein oder anderen neuen Mitarbeiter zu gewinnen, der zuvor in der Praxis „Rosenmund“ tätig war. „Wir hatten über 80 Bewerbungen“, sagt Borsuk.
Und auch für die ehemaligen Patienten der Praxis „Rosenmund“ haben die beiden Zahnärzte einige Hinweise. „Wir haben keine Patientenunterlagen aus der damaligen Zeit“, sagt Borsuk. Der ein oder andere Patient sei bereits in der neuen Praxis aufgeschlagen und habe seine Unterlagen gefordert. „Leider können wir da aber nicht weiterhelfen“, sagt Lüllmann.
Zahnarztbesuch ist
etwas sehr Intimes
Womit die beiden Zahnärzte jedoch weiterhelfen können, sind freie Kapazitäten. Während es bei zahlreichen anderen Ärzten lange Wartelisten gibt, bekommt man in der neuen Praxis im Medical Cube innerhalb weniger Tage einen Termin. „Bisher haben wir schon über 100 Leute behandelt“, sagt Lüllmann. In den kommenden Wochen sollen noch mehr Patienten dazukommen.
„Niemand geht gerne zum Zahnarzt. Deshalb ist es uns so wichtig, dass sich unsere Patienten bei uns wohlfühlen. Sie sollen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen“, sagt er. Eben auch, weil ein Besuch beim Zahnarzt etwas „sehr Intimes“ ist.