Lärm versus Sicherheit: Bus-Streit in Happing

von Redaktion

Lärm, leere Busse und blockierte Feuerwehren? In Happing eskaliert der Streit um die Bushaltestelle am Dorfplatz. Während Anwohner über die Belastung klagen, pocht die Stadt auf die Sicherheit der Schulwege. Eine Einigung scheint nicht in Sicht.

Rosenheim – Franz Keller hat die Nase voll. Von seinem Bürofenster aus hat der Happinger einen perfekten Blick auf den Dorfplatz, das Feuerwehrhaus und die dortige Bushaltestelle. Er hört, wenn die Busse um die Ecke biegen, kann genau beobachten, wieviele Menschen einsteigen und wer am Dorfplatz aussteigt. Mal ist es die Linie 413, mal die Linie 403.

„Der Bus ist meistens komplett leer, fährt aber trotzdem sechsmal die Stunde bei uns durch“, sagt Keller. Als Beweis hat er eine Strichliste mitgebracht. Dazu eine Unterschriftenliste.

Streitthema
seit über 25 Jahren

Um den Unmut der Happinger zu verstehen, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Bereits vor 25 Jahren gab es den Wunsch, den Dorfplatz umzuwandeln. Man wollte einen zentralen Treffpunkt schaffen.

Eine Linde wurde gepflanzt, ein Brunnen und Bänke wurden aufgestellt. Schon damals störten sich die Happinger an der Bushaltestelle mit Wendeanlage. „Das war nie eine gute Lösung und ist seitdem ein Streitpunkt“, sagt Keller.

Da wäre zum einen die Lärmbelästigung direkt vor den Fenstern. Auch der Wegfall von Parkplätzen stört laut Keller die Anwohner. Hinzu kommt, dass die Haltestelle direkt neben der Feuerwehrzufahrt liegt. Das wiederum hat zu erheblichen Problemen beim Ausrücken und bei Übungseinsätzen geführt.

Lange wurde diskutiert und argumentiert. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 dann die frohe Botschaft: Die Haltestelle wird verlegt. Wer zum Dorfplatz will, muss an der Bushaltestelle am Happinger Hof aussteigen und die rund 200 Meter zu Fuß gehen. Die Welt der Happinger schien in Ordnung. Bis es die ersten Beschwerden gab. Von Eltern, die am Dorfplatz wohnen.

„Nachdem wir die Linie 403 im Dezember 2024 aus dem Happinger Dorfplatz herausgenommen haben und im Zuge der neuen Linie 413 die Haltestellen am Happinger Hof sowie Innaustraße eingerichtet wurden, haben uns zahlreiche – durchaus berechtigte – Anfragen von Eltern und älteren Fahrgästen erreicht“, sagt Jean Luc Rohner von der Verkehrsgesellschaft Rosenheim.

Weg nicht für alle
Fahrgäste machbar

Der Weg zum Happinger Hof ist Rohner zufolge nicht für alle Fahrgäste machbar – sei es aufgrund der Weglänge oder aufgrund der gefährlichen Überquerung der Happinger Ortsstraße. „Der Schulweg ist laut Polizei als nicht sicher eingestuft“, ergänzt er. Es folgten Ortstermine, später eine Anliegerversammlung. „Ergebnis war, dass es für die Grundschulkinder tatsächlich nicht einfach ist, den neuen Haltestellenstandort zu erreichen, es andererseits aber auch keine ideale Alternativlösung gibt.“ So lautet die Stellungnahme der Verwaltung.

Kein reiner
Schülerverkehr

Etwas anders sieht das Franz Keller. So habe man durchaus nach einer Lösung gesucht. Und diese – seiner Meinung nach – auch gefunden. „Wir haben vorgeschlagen, dass die Busse die Schüler morgens um 7.30 Uhr am Dorfplatz abholen und nachmittags zweimal dorthin zurückbringen“, sagt er. Ein Vorschlag, dem alle Happinger etwas abgewinnen konnten.

Doch die Umsetzung gestaltete sich als schwierig. Zumindest wenn man bei Jean Luc Rohner nachfragt. „Es gibt unterschiedliche Schulanfangszeiten“, sagt er auf OVB-Anfrage. Hinzu komme, dass es keinen reinen Schülerverkehr gibt. So werde die Schülerbeförderung über den regulären Linienverkehr abgewickelt.

Auch eine Unterscheidung nach Schul- und Ferienfahrplan lasse sich nicht realisieren. „Ein solches Betriebskonzept verkompliziert den Betrieb sowohl für die Fahrer als auch für die Fahrgäste“, sagt Rohner. Ziel sei es, den Busverkehr so einfach wie möglich zu gestalten.

„Auch die regelmäßige, vertaktete Anbindung von nicht zentrumsnahen Stadtteilen ist einer der Punkte, wie die Stadt Rosenheim den Busverkehr stärken möchte“, fügt er hinzu.

Um den Happingern trotzdem entgegenzukommen, habe man vonseiten der Verkehrsgesellschaft ebenfalls geprüft, nur eine der beiden Linien über den Dorfplatz zu führen. „Keine der Lösungen hätte eine für uns vertretbare Situation geschaffen“, sagt Rohner.

Hält dort nur die Linie 403, wären ausschließlich Fahrten ab Happing zur Happinger Au, Bahnhof, Stadtmitte und Eisstadion möglich gewesen. Das Gebiet Traberhof sowie Kufsteiner Straße wäre damit aus Happing nur mit Umstieg erreichbar gewesen.

Viele Vorschläge –
doch nur einer umsetzbar

Bei der Linie 413 wäre es genau umgekehrt gewesen. Zudem hätte das die Fahrzeit verlängert. Aus der Stadtmitte hätten Fahrgäste den Weg über Weko und Oberfeld in Kauf nehmen müssen – alternativ wäre der Weg bei der Fahrt in die Stadtmitte unabdingbar gewesen. „Diese Schleife kostet Zeit und macht den Bus unter Umständen für einige Fahrgäste wieder unattraktiver“, sagt Rohner.

Heißt: Vorschläge gab es viele. Umsetzen ließ sich jedoch nur eine einzige Variante. Die Haltestelle am Dorfplatz ist zurück, wird aber ausschließlich durch die Tageslinien angefahren. Verzichtet wird auf eine Standzeit in Happing, um die Berührungspunkte zwischen Anwohnern am Dorfplatz und dem Stadtbus so gering wie möglich zu halten.

Haltelinie für Busse
eingezeichnet

In Rücksprache mit dem Ordnungsamt wurde zudem eine Haltelinie für die Busse eingezeichnet. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass der Bus die Feuerwehrzufahrt blockiert. „In Prüfung befindet sich aktuell, ob wir automatisiert eine Meldung bei der Alarmierung der Happinger Feuerwehr erhalten und die Haltestelle dann situationsbedingt auslassen“, sagt Rohner.

Für die Happinger ist all das ein schwacher Trost. Sie stören sich daran, dass die Haltestelle am Dorfplatz überhaupt zurück ist. „Es wurde über die Köpfe der Betroffenen entschieden. Wir sind außerordentlich irritiert über diese Art des Vorgehens durch die Stadt Rosenheim“, kritisiert Franz Keller. 59 Happinger stehen hinter ihm, ohne zu zögern haben sie ihren Namen auf eine Unterschriftenliste gesetzt.

Diskussion heute im
Happinger Hof erwartet

Ob das ausreicht, um die Stadt zu einem Umdenken zu bewegen, scheint fraglich. Zumal das Thema bereits im Verkehrsausschuss besprochen wurde. Mehrheitlich sprachen sich die Stadträte in ihrer Oktober-Sitzung gegen den Vorschlag der AfD aus, die Bushaltestelle zur Ortsmitte hin zu verschieben.

An ihrer Forderung halten die Happinger trotz allem fest. Am heutigen Donnerstag könnte über das Thema erneut diskutiert werden. Um 19.30 Uhr hat der Bürgerverein die Oberbürgermeister-Kandidaten zu einer Fragerunde in den Happinger Hof eingeladen. Es geht um alle für Happing relevanten Themen.

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