Rosenheim – Thorsten Kalteiß steckt voller Ideen. Schon seit einer Weile spielt der Moderator mit dem Gedanken, ein Lied mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) zu komponieren. Das Ergebnis war erst vor wenigen Tagen im Radio zu hören. Im OVB-Interview verrät er, wie aufwendig die Produktion war – und warum es vorerst bei einer einmaligen Sache bleibt.
Schlägst du einen neuen Karriereweg ein?
Nein (lacht). Ich wollte vielmehr ausprobieren, ob es möglich ist, mit der KI ein Lied zu komponieren, das wir anschließend auf Alpin FM spielen können. Entstanden ist der Musikanten-Roboter-Song „Brezn Bua“.
Hört sich interessant an.
Neben meiner Tätigkeit als Moderator, bin ich auch Comedian. Ich wollte also nicht nur ein Lied komponieren, sondern auch eine Art Comedy-Hörspiel ins Leben rufen. Dafür bin ich in die Rolle des verrückten Radiowissenschaftlers „Dr. T von Radio Galaxy“ geschlüpft. Gemeinsam mit meinen Musikrobotern habe ich das AlpinFM-Studio geentert und KI-Musik gespielt. Anschließend haben wir uns angeschaut, wie die Reaktionen in den sozialen Medien ausfallen.
Und?
Die meisten Hörer haben gesagt, dass es echte Musiker besser können. Das habe ich aber auch so erwartet. Es gab aber auch einige, die es doch ganz witzig fanden.
Wie lief die Produktion?
Ich habe letztens immer wieder mit KI-Musik experimentiert. Ich kann leider weder ein Instrument spielen, noch singen. Aber hin und wieder habe ich Ideen für Lieder. Mithilfe eines KI-Musik-Generators habe ich also ein bisschen rumgespielt. Ich habe angegeben, dass ich gerne ein bayerisches Lied hätte, das tanzbar ist. Ich hatte die Metapher im Kopf „sich verbiegen wie eine Brezn“. Entstanden ist daraus schließlich das Lied „Brezn Bua“.
Als Laie erkennt man nicht wirklich, dass es sich hierbei um ein Lied handelt, das von der KI generiert wurde.
Der Meinung bin ich tatsächlich auch. Ich glaube, dass viele, die das Lied „Brezn Bua“ zum ersten Mal hören, nicht sofort erkennen, dass es sich dabei um KI-Musik handelt. Umso wichtiger war es uns, immer offen zu kommunizieren, dass wir das Lied mit der KI erstellt haben. Alles andere hätte ich für unmoralisch gehalten. Deshalb ist das Lied auch nicht Teil unserer Playlisten, sondern wurde nur im Rahmen der Comedy-Aktion gespielt. Für mich war es einfach spannend, zu demonstrieren, was die KI alles kann und was nicht.
Besteht nicht die Sorge, dass irgendwann nur noch KI-generierte Musik im Radio läuft?
Nein, nicht wirklich. KI-Musik bringt keinen Vorteil für die Hörer. Es ist nur eine technische Spielerei, aber keine bessere Musik. Es ist das Persönliche, was Musik ausmacht. Fans haben eine persönliche Verbindung zu Taylor Swift oder Lady Gaga. Deshalb hören sie die Lieder. Es steckt mehr dahinter als nur ein lustiges Gedudel. Man will die Lieder teilen, gemeinsam auf Konzerte gehen. All das ist bei KI-Musik nicht möglich.
Planst du weitere KILieder?
Vorerst nicht, auch weil ich mit den KI-Liedern niemandem auf die Nerven gehen möchte. Es war etwas, das ich einfach gerne einmal ausprobieren wollte.
Außerdem haben wir zusätzlich die Chance genutzt und regionale Künstler aufgefordert, tanzbare Lieder zu produzieren, in denen das Wort „Brezn“ vorkommt. Ich möchte sehen, wer es besser kann, als die KI (lacht).
Gab es schon Einsendungen?
Ja, die ersten haben schon reagiert. Auch, weil AlpinFM sehr gute Kontakte zur lokalen bayerischen Musikszene hat.
Wie aufwendig war es mit der KI ein Lied zu komponieren?
Mit der KI kommt man relativ schnell an die Grenzen. Ich wollte zum Beispiel einen Sänger, der bayerisch klingt. Die KI hat mir aber immer wieder einen österreichischen Dialekt vorgeschlagen. Ich musste also häufig Sachen anpassen und überarbeiten. Ich denke, ich habe fast acht Stunden gebraucht, um das Lied fertigzustellen. Auch das war spannend für mich zu sehen. Oft wird suggeriert, dass man bei der Arbeit mit der KI kaum Zeit benötigt. Das stimmt so natürlich nicht.
Ein eigenes Lied zu produzieren dauert aber noch einmal deutlich länger als acht Stunden.
Natürlich – und die Lieder sind in der Regel auch noch einmal deutlich besser.