Immer mehr Schulen verbieten das Handy

von Redaktion

Keine Handys mehr, auch nicht in den Pausen: Diesen Weg schlagen derzeit viele Schulen in Deutschland ein. Der Grund: Die Ablenkung ist zu groß. Über die Situation an den Schulen in der Region – und wie die Verbote umgesetzt werden.

Rosenheim/Bad Aibling/Heufeld – Nach Schulschluss musste schon der ein oder andere Elternteil Kai Hunklinger einen Besuch abstatten. „Wir dulden an unserer Schule nur Handys in ausgeschaltetem Zustand“, sagt der Rektor der Grund- und Mittelschule in Fürstätt. Sollte ein Schüler mit einem eingeschalteten Handy angetroffen werden, wird es ihm vorübergehend abgenommen. Die Eltern können es anschließend wieder abholen.

„Wenn Eltern das Gerät nicht abholen können oder wollen, bleibt es drei Nächte lang im Safe“, erklärt Hunklinger. Anschließend bekommen die Schüler ihre Handys zurück. „Die Regelung wurde im Einvernehmen mit dem Elternbeirat getroffen“, sagt der Rektor. Einen Weg daran vorbei habe es nicht gegeben. Auch, weil Schüler immer wieder dabei ertappt werden, wie sie einen schnellen Blick aufs Handy werfen, um die sozialen Medien zu checken.

Suchtartiges
Verhalten

„Eine zunehmende Zahl an Schülerinnen und Schülern zeigt ein suchtartiges Verhalten in Bezug auf das Handy“, sagt der Rektor. Deshalb komme es auch relativ häufig vor, dass Handys abgenommen werden. Noch strikter sind die Regeln am Karolinengymnasium in Rosenheim. „Seit Beginn des Schuljahres ist das Karo ‚handyfrei‘“, sagt Schulleiterin Sigrid Rechenauer auf OVB-Anfrage.

Die Schüler sind dazu angehalten, ihre Handys entweder zu Hause zu lassen, sie in ihrem Spind einzusperren oder – notfalls – ausgeschaltet in der Schultasche zu haben. „Erst nach Unterrichtsschluss und Verlassen des Schulgebäudes darf das Handy wieder genutzt werden“, sagt Rechenauer. Die neue Regel gilt für alle Jahrgangsstufen und habe sich mittlerweile eingespielt. Der Grund: Das Handy hätte viele Schüler im Unterricht abgelenkt. Zudem hätten sich die Schüler während der Pausen nicht unterhalten, sondern lieber aufs Handy geschaut. Damit ist seit Anfang des Schuljahres Schluss. „Ausnahmen sind dringende Telefonate, die aber ausdrücklich erlaubt werden müssen“, sagt Rechenauer. Sollte sich ein Schüler nicht an die Regel halten und sein Handy im Schulhaus benutzen, wird es ihm abgenommen und erst am Ende des Schultags zurückgegeben – inklusive einer Ermahnung.

Ähnlich ist die Situation an der Johann-Rieder-Realschule. „Die Hausordnung legt fest, dass private Multimedia- und Kommunikationsgeräte auf dem gesamten Schulgelände ausgeschaltet sein müssen“, sagt Rektorin Sibylle Daxlberger. Bei Verstößen gegen dieses Verbot wird das Gerät eingezogen, im Sekretariat verwahrt und kann ausschließlich von den Erziehungsberechtigten abgeholt werden.

Während Handys ein Tabu sind, setzt man an der Schule jedoch auf den Umgang mit iPads als schulisches Arbeitsgerät. „Hierfür gelten verbindliche Nutzungsregeln“, erklärt Daxlberger. So würden die Schüler sich während des Unterrichts beispielsweise mit Datenschutz, sicherer Kommunikation, digitaler Etikette sowie einem respektvollen Umgang beschäftigen. Außerdem gibt es Workshops, Präventionsprojekte und Vorträge mit externen Medienexperten. Das Projekt „Mach dein Handy nicht zur Waffe“ ist Teil der Medien- und Gewaltprävention und im Lehr- und Erziehungsplan der Johann-Rieder-Realschule fest verankert. „Es dient der Aufklärung über Risiken, strafrechtliche Konsequenzen und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone im Alltag Jugendlicher“, sagt die Rektorin. In der sechsten Jahrgangsstufe ist zudem eine feste Medienkompetenzstunde Bestandteil des Stundenplans. In diesem Rahmen werden der Medienführerschein Bayern sowie ein schulinterner iPad-Führerschein durchgeführt. Letzterer wurde von der Johann-Rieder-Realschule gemeinsam mit der Wilhelm-Leibl-Realschule in Bad Aibling entwickelt.

„Die Johann-Rieder-Realschule verfolgt ein ganzheitliches und nachhaltiges Medienbildungskonzept, das Technik, Pädagogik und Prävention miteinander verbindet“, fasst es Daxlberger zusammen. Ziel sei es, die Schüler zu einem „verantwortungsvollen, reflektierten und rechtssicheren Umgang mit digitalen Medien zu befähigen“ und Schule sowie Elternhaus dabei eng miteinander zu verzahnen.

Am Gymnasium Bad Aibling hat man bereits vor einem Jahr weitreichende Maßnahmen ergriffen, um die Smartphone-Nutzung im Schulalltag zu regeln. Seit dem 10. Februar 2025 gilt dort eine Nutzungsordnung für digitale Endgeräte, die auch vom Schulparlament, dem Lehrer, Schüler und Eltern angehören, abgesegnet wurde.

„Im Kern der Regel geht es während der Schulzeit darum, die digitalen Endgeräte nur noch für Unterrichtszwecke zu nutzen“, hatte Schulleiter Mark Lörz zu Beginn der neuen Maßnahme gegenüber dem OVB erklärt. Doch die Regelung gleicht keinem generellen Handyverbot, sie muss vielmehr differenziert betrachtet werden. Während die älteren Schüler der Oberstufe weiterhin auch außerhalb des Unterrichts zu ihren Smartphones oder Tablets greifen dürfen, sollen die Schüler der Unterstufe ihre Handys nur noch zum Telefonieren nutzen können, was auch durch speziell konfigurierte Apps auf den Geräten gewährleistet wird. Zusätzlich wurde die Aula samt dem kompletten Erdgeschoss, wo sich in der Pause sehr viele Schüler aufhalten, zur „bildschirmfreien Zone“ erklärt. Hier gilt das „Verbot“ also für alle Schüler gleichermaßen. Laut Schulleiter Mark Lörz könne man nun nach einem Jahr ein positives Zwischenfazit ziehen. „Wir fahren mit der aktuellen Regelung gut“, erklärt er auf Anfrage. Derzeit arbeite man an einer Evaluation, bei der die Schüler zu ihren Wahrnehmungen und Einschätzungen befragt werden. „Wir sind aber noch in der Konzeption der Fragen und ich habe daher keine weiteren Informationen aktuell“, sagt Lörz.

Notwendig wurde die Nutzungsordnung am Gymnasium, das der Mediennutzung generell sehr offen gegenübersteht, weil sich auch hier nicht zuletzt Eltern vermehrt besorgt geäußert hatten. Demnach müsse auch der Schutz vor Mediensucht und den Gefahren, die Smartphones und Co. inklusive Social Media bergen, mehr Gewicht bekommen. Nach einer anfänglichen „Testphase“, in der die Schüler beim Erwischen nur ermahnt wurden, wird mittlerweile die Nutzungsordnung vollumfänglich umgesetzt. Sprich: Die Handys werden teils zeitweise eingezogen.

Seitdem berichteten einzelne Eltern gegenüber dem OVB von sehr guten Erfahrungen. Auch der Elternbeirat hat positive Rückmeldungen erhalten. Hinter der neuen Regelung stecke vor allem auch der Wunsch der Eltern, die Kommunikation der Kinder und das Zwischenmenschliche, das durch die Handynutzung teils verloren gegangen sei, wieder zu fördern. „Denn teilweise haben wir Fünftklässler, die ihre Schulkameraden gar nicht mehr richtig kennenlernen, die zu jedem Stundenwechsel auf ihr Handy schauen müssen“, lautete eine Begründung aus dem Elternbeirat.

Kein Handyverbot gibt es an den Justus-von-Liebig-Schulen in Heufeld. Dafür setzt man auf strenge Regeln. Während Handys in der Grundschule keinerlei Probleme machen, kommt es in der Mittelschule immer wieder zu Konflikten. Schulleiterin Arabella Quiram spricht von Handys, die während des Unterrichts klingeln, und Mobbing in Whatsapp-Gruppen.

„Wir haben uns daraufhin intensiv ausgetauscht und einige Regeln aufgestellt“, sagt sie auf OVB-Anfrage. So muss das Handy beim Betreten des Schulgeländes in der Tasche sein und sich im Flugmodus befinden. Das Handy darf erst wieder rausgeholt werden, wenn das Schulgelände verlassen wird oder aber, wenn eine Lehrkraft die Benutzung ausdrücklich erlaubt.

Den Schülern
die Regeln erklärt

„Wir haben die Regeln allen Schülern erklärt. Wir haben vereinbart, dass wir alle am gleichen Strang ziehen“, sagt Arabella Quiram. Falls sich ein Schüler nicht an die Regeln hält, wird ihm das Handy abgenommen. Im Anschluss findet ein Gespräch mit dem Schüler, einem Elternteil und der Schulleitung statt. „Ich hatte, seit wir die Regeln eingeführt und erklärt haben, vielleicht fünf solcher Gespräche“, sagt die Schulleiterin.

Ihr Fazit: Seit die Regeln eingeführt wurden, ist der Ärger rund um die Handys der Schulleiterin zufolge spürbar und stark zurückgegangen. „Wir beobachten, dass sich die Schüler in der Pause oder beim Heimgehen wieder miteinander unterhalten und nicht nur auf ihr Smartphone schauen“, sagt sie.

Weitere Berichte zum Themenkomplex Leben & Lernen finden Sie auf ovb-online.de.

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