Papagei „Cora“ begrüßte Kunden im Modehaus Senft

von Redaktion

Rosenheimer Zeitsprünge Vorher und nachher: Blick auf die Münchener Straße, einst eine florierende Einkaufsstraße

Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die neue, einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB- Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser beziehungsweise User von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher/Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und mit einem Klick auch vergrößern lassen.

In Folge fünf geht es um die Münchener Straße, die seit dem 16. Jahrhundert als Landstraße von Rosenheim nach München erwähnt wird – die Straße war also der Ausgangspunkt und die Verbindung zur oberbayerischen Metropole. Bis ins 19. Jahrhundert war dieser Abschnitt nur locker bebaut – mit wenigen Häusern und Gasthöfen entlang der Strecke.

Eisenbahnbau
sorgt für Wachstum

Der Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert und der Bahnhof führten zu einem starken Wachstum der Stadt und damit auch der Bebauung entlang der Münchener Straße. Dies machte die Straße zu einer wichtigen Einkaufs- und Geschäftsstraße zwischen dem alten Stadtzentrum und dem neuen Verkehrsknoten. In der Münchener Straße war über die Jahrzehnte so viel los, dass es, wie schon bei der Kufsteiner Straße, zwei Teile gibt. In Teil eins geht es um den Abschnitt zwischen der Prinzregenten- und Gillitzerstraße.

Entlang der Münchener Straße entstanden zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser, vor allem im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit (spätes 19. Jahrhundert), viele davon mit prächtigen Fassaden. Ein besonderes Bauwerk entlang der Münchener Straße ist der Gillitzerblock. Er wurde zwischen 1894 und 1897 auf einem großen Areal durch den Unternehmer Thomas Gillitzer errichtet.

Der Block bestand ursprünglich aus vielen Wohn- und Geschäftshäusern im historischen Stil; Teile davon, besonders die Fassaden, sind bis heute prägend für das Straßenbild. Entlang des Gillitzerblocks führt die Münchener Straße, auch „kleine Fußgängerzone“ genannt. Ab den 1960er-Jahren wurde das einst in sich geschlossene Gründerzeitensemble durch Neu- und Umbauten verändert.

Lediglich die Fassaden in der Münchener Straße blieben erhalten und wurden in den letzten Jahren originalgetreu restauriert.

Die Münchener Straße war schon früh eine Einkaufsstraße. Die bekanntesten Geschäfte waren das Kaufhaus Wilhelm mit dem Werbespruch „Bei Wilhelm ist gut einkaufen“. In den 1950er/1960er-Jahren übernahm Karstadt dieses Kaufhaus, baute es um und errichtete schließlich ein modernes Warenhaus mit einer umstrittenen Waschbetonfassade.

118 Jahre lang war das Modehaus Senft eine beliebte Adresse für alle, die sich neu einkleiden wollten. Einige Rosenheimer erinnern sich auch noch an den Papagei „Cora“, der dort residierte, die Kunden begrüßte und über 20 verschiedene Sätze gut verständlich sagen konnte.

Geschlossen wurde das Modehaus im Jahr 1998. „Cora“ fand im Rosenheimer Gartencenter eine neue Heimat, wo er 2016 im Alter von 45 Jahren starb.

Zwischen 1970 und 2000 wandelte sich das Bild der Münchener Straße hin zu einer modernen Einkaufsstraße mit mehreren Fachgeschäften und Filialisten, teils internationaler Marken (später auch zum Beispiel H&M, Vero Moda, Douglas, K&L Ruppert).

Verkehrsachse
und Einkaufsstraße

Die Münchener Straße in Rosenheim war – und ist bis heute – nicht nur eine Verkehrsachse, sondern eine wichtige Einkaufs- und Geschäftsstraße, die allerdings ihr Flair aus den 80er- und 90er-Jahren eingebüßt hat. Sie spiegelt den Wandel der Stadt wider: von einer Landstraße über ein florierendes Handelszentrum des 19. Jahrhunderts bis hin zur modernen Innenstadt mit typischem Einzelhandelsmix, historischen Fassaden und aktuell den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

„Rosenheimer Zeitsprünge“: Bilder gesucht

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