Rosenheim – Die vergangenen Wochen waren für Thomas Eiwen und Dominik Kirschner Stress pur. „Seit feststeht, dass wir das hier machen, gab es viel zu tun“, sagt Eiwen. Sie mussten Dutzende Telefonate führen, eine Firma gründen und die Werbetrommel rühren, erzählt der Rosenheimer, der aus der Poetry-Slam-Szene bekannt ist und seit vielen Jahren den „Rosenslam“ veranstaltet. Gemeinsam mit Kirschner steht er im Gewölbe unter dem Rizz im Hofbräukomplex und inspiziert ein Mikrofon. Um sie herum sind dutzende Stühle ineinander gestapelt, am Boden sind Kabel abgeklebt und in den Ecken Boxen verstaut. „Thomas habe ich wahrscheinlich in letzter Zeit öfter gesehen als meine Freundin“,ergänzt Kirschner und lacht.
Veranstaltungen bisher
nur in einer Kneipe
Das sei allerdings notwendig gewesen: Schließlich wollen die beiden in wenigen Tagen den ersten Rosenheimer Comedy-Club mit dem Namen „Innside Comedy Club – Stand-up-Comedy“ eröffnen. Das Konzept dahinter ist schnell erklärt. „Der Plan ist, dass wir jeden zweiten Samstag eine Mix-Show mit Eintritt und jeden Montag ein ‚Open Mic‘ veranstalten“, sagt Eiwen. Während bei der Samstags-Show gebuchte Künstler in zwölf bis 15 Minuten ihr Stand-up-Comedy-Programm zum Besten geben, können an einem „Open Mic“ – wörtlich übersetzt: offenes Mikrofon – auch unerfahrene Nachwuchs-Comedians spontan auftreten. Neu sind diese „Open-Mic“-Abende aber nicht. „Wir machen seit zweieinhalb Jahren schon in der Asta-Kneipe alle zwei Wochen entspannt Comedy“, sagt Eiwen, der die Abende dort immer moderiert. Das „Problem“: Im vergangenen halben Jahr seien die Veranstaltungen immer voller geworden – „trotz der dezentralen Lage in der Stadt und der Montagabende“, sagt der Rosenheimer. So sei im Herbst 2025 irgendwann klar gewesen: „Da können wir mehr daraus machen“, sagt Eiwen.
Zumal die Stand-up-Comedy gerade wieder einen regelrechten „Boom“ genieße. Das sehe man schon, wenn man abends den Fernseher einschaltet. Immer beliebter seien dort Shows, in denen mehrere Comedians hintereinander auftreten. „Vermutlich haben die Leute nicht mehr so Lust darauf, einem einzigen Comedian eineinhalb Stunden zuzuhören, sondern wollen lieber mehrere Künstler an einem Abend, da bekommt man das Beste aus ihrem Programm“, sagt Kirschner.
Die Suche nach
dem perfekten Raum
Eine weitere Motivation für die beiden: In anderen bayerischen Städten wie Regensburg oder Nürnberg funktionierten die neu eröffneten Comedy-Clubs. „Das war für mich auch ein Grund, zu sagen, dass ich das in Rosenheim probieren will“, sagt Thomas Eiwen. Schnell konnte er Dominik Kirschner für die Idee gewinnen, der bei ihm in der Asta-Kneipe immer wieder Auftritte hatte und selbst Comedian ist.
Um ihren Plan in die Tat umzusetzen, brauchte es zunächst eine andere Räumlichkeit. Etwas größer und zentraler sollte sie sein. Nach einiger Zeit der Suche und mehreren Telefonaten, sei der Kontakt zu Julian Lorms von Auerbräu entstanden. Und der hatte den entscheidenden Tipp: Das Gewölbe unter dem Rizz im Ballhaus könnte die perfekte Location sein – mitten in der Stadt und auch für alle ohne Auto gut zu erreichen. Das sei ein „Glücksgriff“ gewesen.
Vom Projekt von Thomas Eiwen und Dominik Kirschner war die Brauerei sofort überzeugt gewesen. „Wir dürfen mit jungen Leuten zusammenarbeiten und diese unterstützen“, sagt Lorms. Vor allem sei es auch für Rosenheim ein Gewinn, wenn jeden Montag in der Stadt etwas geboten ist. Gerade unter der Woche könne es manchmal schwierig sein, ein Programm zu finden. „Man kann Billard oder Bowling spielen gehen, zum Essen oder in eine Bar gehen, aber das ist jetzt kulturell noch einmal etwas anderes“, sagt Lorms.
Das können die beiden Comedians bestätigen. „Für ältere Menschen ist viel geboten, es gibt Veranstaltungen mit klassischer Musik, Heimatabende oder Gitarrenkonzerte, für jüngere haben wir jetzt dann Stand-up-Comedy“, sagt Kirschner. So hätten nun zum Beispiel auch die vielen Studenten der Technischen Hochschule montags eine Anlaufstelle. „Wo man zwei Stunden lang nicht über Nachrichten oder Weltgeschehen nachdenken muss, sondern sich freuen und lachen kann“, fügt der Aiblinger hinzu.
So sind sich Thomas Eiwen und Dominik Kirschner sicher, in Rosenheim zumindest eine kleine Lücke im kulturellen Angebot zu schließen. „Ein Comedy-Club in der Stadt mit diesem großen Einzugsgebiet ist definitiv nicht zu viel“, ist Eiwen überzeugt. Das vertrage die Stadt schon. Er hofft, dass sich auf diesem Weg auch eine Stand-up-Comedy-Szene in Rosenheim etabliert – er und Kirschner verdienen mit der Comedy ihren Lebensunterhalt. „Bislang sind wir zu viert oder zu fünft“, sagt Eiwen. In München seien zum Vergleich bereits 50 oder 60 Comedians.
Hoffnung auf
ein volles Haus
In Rosenheim sollen ab dem 14. Februar neben dem ein oder anderen bekannteren Comedian auch Nachwuchskünstler auftreten. Die ganz großen Stars der Szene sollen aber erstmal nicht nach Rosenheim geholt werden. „Das wollen wir ganz bewusst nicht. Dennoch kann man bei uns einen verdammt guten Abend haben“, sagt Eiwen. Am Eröffnungsabend treten zum Beispiel sechs Comedians auf. „Ich moderiere und Dominik spielt den Hauptact“, betont der Rosenheimer.
Bis es aber so weit ist, wollen Thomas Eiwen und Dominik Kirschner noch einiges erledigen. Vor allem soll das Gewölbe schön dekoriert sein. Für den Auftakt haben die beiden vor allem einen großen Wunsch: „Wir hoffen, dass wir volles Haus haben – und davon möglichst wenig mit uns verwandt sind“, sagt Kirschner und lacht. Und ihr Wunsch scheint sich bereits erfüllt zu haben: Seit Dienstag (10. Februar) sei die Show komplett ausverkauft.