Rosenheim – Der Seniorenbeirat der Stadt hatte in den Pfarrsaal der Pfarrgemeinde Heilig Blut eingeladen, wo sich alle Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl den Fragen der älteren Generation stellten. Zuvor wurden die Befragten über die Schwerpunkte informiert, mit denen sie in dieser Sondersitzung des Seniorenbeirates konfrontiert werden würden. Harald Neu moderierte die Veranstaltung und setzte konsequent alle Zeitvorgaben für die Redebeiträge durch.
Thema Lebensqualität
im Fokus vieler Fragen
Im Wesentlichen ging es um drei Lebensbereiche, welche die Senioren der Stadt insbesondere betrafen. Zunächst wurden Fragen der Lebensqualität für die Senioren in der Stadt behandelt. Dabei beklagten die Anwesenden vor allem die mangelhafte Anzahl und den teils miserablen sanitären Zustand öffentlicher Toiletten. Vermisst wurden zudem fehlende Ruhebänke, insbesondere im Außenbereich, die zumeist auch keine Rückenlehnen besaßen. Auch wurde die Frage nach einem „Motorik-Park“ aufgeworfen, am Beispiel des „Mehrgenerationen-Parks“ im Bad Aiblinger Kurpark. Eine wesentliche Thematik war auch das „Wohnen im Alter“.
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Verkehrssituation für Senioren. Einen besonders großen Raum nahm hier der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ein, die Stadtbus-Anbindungen und alle Themen darum herum. Die allgemeine Verkehrssicherheit für Senioren sowie ein spezieller Seniorenbus, der der älteren Bevölkerung zur Verfügung stehen solle, waren ebenfalls Gegenstand der Diskussion. Schließlich waren auch der städtische Friedhof, beispielsweise alternative Bestattungsmöglichkeiten und die Nutzung des alten Leichen- und Aussegnungshauses, ein Thema.
Gespräche über
Wohnen und Busverkehr
Nach einer persönlichen Vorstellung aller Kandidaten wurden die einzelnen Themen in Angriff genommen. Hannah Rohs, die für die Linkspartei kandidiert, berichtete, dass sie aus vielen Haustürgesprächen um die Probleme von älteren Bürgern wisse, die in nicht geeigneten oder zu teuren Wohnungen leben müssten. Sie plädierte zudem dafür, dass der Busbetrieb auch auf die Wochenenden ausgeweitet werde.
Maximilian Leucht, der für die AfD kandidiert, monierte ebenfalls den mangelhaften Wohnungsmarkt und richtete sich an die GRWS, die Rosenheimer Wohnungsgenossenschaft, dass diese hier aktiv werden solle. Heftigen Widerspruch erntete er, als er vorschlug, man solle Asylbewerber zur Reinigung der öffentlichen Toiletten einsetzen.
Größeres Tempo bei der Modernisierung und dem Ausbau des Stadtbus-Verkehrs forderte Marcus Moga, der für die FDP antritt. Er forderte auch, die Stadt solle sich stärker um Anrainer-Grundstücke bemühen, um Fuß- und Radwege verkehrssicher ausbauen zu können.
Christopher Ehrenböck forderte eine Smartphone-App, mittels derer Missstände in den öffentlichen Toiletten gemeldet und gezielt korrigiert werden könnten. Die Senioren könnten durch die Organisation des Stadtverkehrs geschult werden, um Probleme damit auszuräumen.
Anna Rutz von den Grünen erinnerte daran, dass man viele Situationen in der Stadt „von den Senioren her“ denken müsse. Mehr und größere öffentliche Toiletten seien auch ihr Anliegen. Vor allem sauberer müssten sie werden, denn „man möchte sich schon manchmal übergeben“. Der städtische Busverkehr müsse generell kundenfreundlicher werden. Das Anbieten von alternativen Bestattungen solle ausgeweitet werden und was das Kolumbarium (alte Aussegnungshalle) angehe, so könne nach ihrer Ansicht ein Café nur außerhalb des Friedhofes installiert werden.
Abuzar Erdogan von der SPD regte an, dass langfristig der Busbahnhof insgesamt an das Bahnhofsareal angegliedert werden solle. Er berichtete, dass neue Toiletten im früheren Ticketzentrum an der Stollstraße installiert würden. Auch, dass die Pflaster-Situation am Max-Josefs-Platz in Angriff genommen würde. Bis Juni soll eine konkrete Planung dafür fertig sein. Was den Stadtbus angehe, so müsse insgesamt der Service-Gedanke installiert werden. Was ein Café am Friedhof angehe, so müsse dafür schließlich auch ein aussichtsreicher Betreiber gefunden werden.
Zahlreiche Fragen
an den Oberbürgermeister
Naturgemäß hatte der derzeitige Oberbürgermeister Andreas März, der erneut für die CSU kandidiert, die meisten Antworten auf die Fragen der Senioren. Zunächst verwahrte er sich dagegen, Asylbewerber als Toilettenreiniger zu missbrauchen. Vielmehr müsse man diese entsprechend ihren Fähigkeiten in die Gesellschaft einbinden. Er berichtete, dass im Stadtgebiet an die 1.000 Ruhebänke existierten, stellte aber nicht in Abrede, dass in den Außenbereichen solche fehlen könnten. Die Verkehrsproblematik insgesamt sei alleine vom Oberbürgermeister nicht zu organisieren. Schließlich müssten alle diesbezüglichen Gestaltungen im Stadtrat mehrheitsfähig sein. Für den angeregten Motorik-Park kämen mehrere Plätze in Frage. Auch dies müsse letztlich vom Stadtrat entschieden werden. Des Weiteren berichtete er, dass die laufenden Kosten für den Stadtbusverkehr circa 3,5 Millionen Euro betragen und weitere 3,5 Millionen Euro genau dafür eingeplant sind, diesen öffentlichen Personennahverkehr in der Stadt so kundenfreundlich wie irgend möglich zu gestalten. Er bat um Nachsicht, dass derlei Umgestaltung eine gewisse Zeit, Aufwand und Kosten benötige. Angestrebt sei ebenfalls, dass der Busverkehr auch an den Wochenenden stattfinden werde.
Viel Beifall für jüngste
Bemühungen am Friedhof
Mit diversen Einzelanmerkungen, wie verschmutzte Parkbänke, eine kostenlose Bahnhoftoilette und der Streit um den Bau eines Seniorenwohnheimes, ging die Informationsrunde für Senioren zu Ende.
Schließlich stellte eine Besucherin unter dem Beifall des Publikums fest, dass Herr Kaffl, der Leiter des städtischen Friedhofes, ausgezeichnete Arbeit leiste und der Friedhof nicht nur gepflegt, sondern allmählich auch eine besuchenswerte letzte Ruhestätte werde. Alle Kandidaten versprachen, die Anregungen, Sorgen und Bedenken aus dieser Veranstaltung des Seniorenbeirates in ihrem Wirken berücksichtigen zu wollen.