Rosenheim – Motorradfahren, das war schon immer der große Traum von Hannah S., die aus der Nähe von Rosenheim kommt. Den konnte sie sich erfüllen: Hannah hat inzwischen ein eigenes Motorrad, den passenden Führerschein – und jeweils einen Account auf Instagram und TikTok. Dort teilt sie Motorradcontent mit ihren Abonnenten, deren Zahl immer weiter wächst. So kämpft sie für ihren zweiten großen Traum: von Beruf Influencerin zu werden.
Freude über
900.000 Aufrufe
„Mein Papa war zuerst dagegen, dass ich den Motorradführerschein mache“, erzählt Hannah am Telefon. Nicht nur die Sorgen der Eltern waren eine Hürde, auch die hohen Kosten für die Fahrschule musste die 18-Jährige erst einmal stemmen. Schlussendlich bekam Hannah Unterstützung von ihrer Oma. „Sie hat mir das ermöglicht. Auch mein Motorrad konnte ich mir mit ihrer Unterstützung kaufen“, sagt Hannah. Sie fährt aktuell eine Yamaha R125, Baujahr 2025, und benötigte dafür den Führerschein der Klasse A1 – den kleinsten der Motorradführerscheine.
Am 25. April 2025, Hannah hat sich das Datum extra für das Interview aufgeschrieben, lud sie auf TikTok ihren ersten Beitrag hoch. Zu diesem Zeitpunkt habe sie schon länger darüber nachgedacht, auf Social Media aktiv zu werden. „Anfangs habe ich mich aber nicht getraut und wusste nicht genau, was ich posten soll“, erinnert sich Hannah.
Doch sie konnte sich überwinden und teilte Informationen über ihr Traummotorrad, die Technik dahinter und ihre Führerscheinprüfungen. Das sei von Anfang an gut angekommen bei den Nutzern. Aktuell hat sie auf Instagram über 17.000 Abonnenten, auf TikTok folgen ihr fast 40.000 Menschen.
Bei beiden Accounts postet Hannah nun regelmäßig „Motovlogs“, wie sie es bezeichnet, nimmt also ihre Fahrten auf oder präsentiert ihre Schutzkleidung. Mittlerweile teilt sie aber mehr als nur das. „Ich zeige auch Dinge aus meinem Alltag“, erzählt Hannah. Das würde bei den Leuten ebenfalls gut ankommen.
Hannahs Mutter
ist stolz auf sie
Dennoch: Hannahs meistgesehenes Video dreht sich ums Motorradfahren – oder besser gesagt um die Vorbereitungen dazu. In dem Clip zeigt die 18-Jährige, welche Kleidung sie für eine Fahrt mit ihrer Yamaha anzieht. Über 900.000 Aufrufe hat das Video inzwischen. „Am Anfang habe ich mich schon gefragt, ob ich wirklich möchte, dass mich so viele Menschen sehen“, verrät die 18-Jährige. Inzwischen sei sie aber stolz darauf, dass sich ihre Arbeit lohne und sich so viele Menschen für ihre Videos interessieren.
Heute kann sie mithilfe von Kooperationen mit Marken und Firmen sogar etwas Geld verdienen. „Das war auch ein Riesenerfolg, als dann die ersten Euros reingekommen sind“, sagt sie und lacht. Da sie das Ganze einmal hauptberuflich machen will, hat sie sich inzwischen auch bessere Kameras und ein Mikrofon gekauft.
Ihre Freunde empfanden ihre Präsenz auf Social Media anfangs als etwas komisch, wie die 18-Jährige erzählt. „Klar, ich habe ja auch mit null Abonnenten angefangen“, betont sie. Mittlerweile sei die Unterstützung aus dem Umfeld aber groß. „Gerne würde ich auch mit meiner besten Freundin Videos herausbringen“, erzählt Hannah. Die fährt nämlich auch Motorrad.
Ihre Mutter Sandra steht ebenfalls voll hinter der 18-Jährigen. „Am Anfang habe ich natürlich Angst gehabt, dass ihr beim Motorradfahren etwas passiert“, erzählt sie. Die Sorge habe sie jetzt nicht mehr, denn ihre Tochter habe genügend Übung und sei sicher auf der Straße unterwegs.
Dass Hannah in den sozialen Medien immer bekannter wird, findet sie auch super. „Ich bin stolz, dass sie das geschafft hat“, betont Sandra. Vor allem, weil ihre Tochter in recht kurzer Zeit so viele Abonnenten sammeln konnte. Sie erhofft sich für Hannah, dass sie eines Tages berühmt wird. „Das ist vielleicht ein blöder Ausdruck, aber Bekanntheit würde ich ihr schon wünschen, sodass sie damit Geld verdienen kann“, sagt die Mutter der 18-Jährigen.
Mit der steigenden Bekanntheit gehen allerdings auch weniger schöne Dinge einher. Dass Hannah sich zeigt und ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilt, macht sie angreifbar. Sie erzählt, dass vor allem ein Thema die Nutzer beschäftigt: die richtige Schutzkleidung. Ihre Hose, die sie oft beim Motorradfahren trägt, sorgt vor allem unter ihren älteren Zuschauern für Ärger. Denn die sieht aus wie eine gängige Jeans.
Schutzkleidung sorgt
für negative Kommentare
„Viele ältere Motorradfahrer wissen nicht, dass es inzwischen auch Modelle gibt, die wie normale Hosen aussehen, aber eben schützen“, betont Hannah. Ihre Jeans etwa bestehe aus abriebfestem Stoff und sei mit Protektoren versehen, die sie im Falle eines Sturzes absichern. Mit solchen negativen Kommentaren habe die 18-Jährige aber gelernt, umzugehen. Mittlerweile berühre sie das nicht mehr.
Hannah konzentriert sich nun darauf, regelmäßig zu posten. Regelmäßig, das bedeutet für sie jeden Tag, und dementsprechend muss sie auch Zeit investieren. Die Videos aufzunehmen, dauere nicht lange, doch das Schneiden könne sich in die Länge ziehen. „Es braucht Untertitel, ein Vorschaubild für das Video, und auch das Hochladen beansprucht Zeit“, zählt sie auf. Doch die investiert sie gerne. In Zukunft möchte sie auch auf Youtube aktiver werden. Damit ihr Traum, hauptberuflich Influencerin zu werden, in greifbare Nähe rückt.