Rosenheim – „Die spinnen, die Römer.“ Der bekannte Satz von Obelix aus den Asterix-Comics bekommt in wenigen Wochen eine ganz andere Bedeutung. Denn dort wird in der neuen Ausstellung „Römer“ im Lokschuppen eine riesige Stadt aus dem alten Imperium nachgebaut – aus Hunderttausenden Lego-Steinen. Drei, die dafür maßgeblich verantwortlich sind, sind Andreas Kunz, Joachim Klang und Tobias Nieder. Die Lego-Experten – unter anderem Teilnehmer und Mitarbeiter einer TV-Lego-Show – haben die Stadt geplant und kümmern sich um die Organisation des Projekts. Pünktlich zu Beginn der Arbeiten verraten sie, woher ihre Faszination für die bunten Bausteine kommt. Im Gespräch mit dem OVB erklären sie, wie sie ihr Hobby teilweise zum Beruf gemacht haben, was Kindern das „Lego-Spielen“ bringt und wieso es nicht einfach war, die römische Stadt zu planen.
Woher kommt die Begeisterung für Lego-Steine?
Nieder: Lego-Bauen ist meines Erachtens das beste Kinderspielzeug, das es gibt. Ich bin hauptberuflich Diplomingenieur und das wäre ich nicht geworden, wenn ich nicht von Anfang an mit Lego-Steinen gespielt hätte. Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, um räumliches Denken, den Sinn für Konstruktion, Design und Kreativität bei einem Kind zu fördern.
Kinder sind Sie aber nicht mehr.
Nieder: Es ist auch für Erwachsene interessant. Ich habe – bis auf eine kleine Pause – eigentlich durchgehend mit Lego-Steinen gebaut. Inzwischen habe ich eine kleine Firma, die sich mit Lego-Steinen beschäftigt, und ich war Kandidat in der Fernsehsendung „Lego-Masters“ von RTL und VOX, bei der die Kandidaten um den Titel „bester Lego-Bauer“ kämpfen.
Kunz: Ich baue und spiele auch seit meiner Kindheit mit Lego. Ich habe das nie wirklich aufgehört, sogar von einem ersten Lohn habe ich mir Lego-Steine gekauft (lacht). Danach habe ich auch einen Lego-Verein in der Schweiz gegründet. Dort war ich 16 Jahre lang der Präsident. Und mittlerweile besitze ich eine eigene Firma, die sich mit Lego-Ausstellungen befasst.
Klang: Ähnlich hat es bei mir auch angefangen. Das begleitet mich seit meiner Kindheit. Später habe ich 16 Bücher mit eigenen Lego-Modellen zum Nachbauen in elf verschiedenen Ländern veröffentlicht. Bei „Lego-Masters“ arbeite ich hinter den Kulissen.
Gibt es eine Welt oder einen Bereich, den Sie besonders mögen?
Klang: Autos. Ich bin zwar kein Auto-Narr, aber ich finde Fahrzeuge – vor allem die aus Filmen – einfach schön. Für mich ist das eine Herausforderung, diese dann nachzubauen. Ich müsste inzwischen 460 verschiedene Fahrzeuge aus Lego-Steinen zuhause stehen haben.
Kunz: Da ich Architekt bin, sammle ich sämtliche Architekturmodelle aus Lego-Steinen, die es gibt. Und das andere sind Minifiguren, da werde ich schwach.
Nieder: Vor zwei Jahren hätte ich wahrscheinlich noch „Star Wars“ gesagt, aber inzwischen haben es mir auch Schiffe angetan. Da warte ich gerade auf die „Black Pearl“ aus Fluch der Karibik. Aber auch der Bau der Titanic hat mir großen Spaß bereitet. Genauso freue ich mich darauf, wenn „Herr der Ringe“ noch einmal neu aufbereitet wird.
In Rosenheim geht es um das alte Rom, haben Sie dafür eine ähnliche Begeisterung? Männer sollen ja sogar dreimal die Woche an das Römische Reich denken…
Klang: Ich bin ein sehr großer Asterix-Fan, quasi genauso lange, wie ich Lego-Fan bin. Mich hat diese Kultur immer fasziniert, aber ich habe mich nie um die reale Geschichte gekümmert. Um jetzt aber die Stadt mit den vielen Häusern zu planen, habe ich mir zum Beispiel die Stadt Trier mit ihrer großen römischen Vergangenheit zeigen lassen und habe sehr viel darüber nachgelesen.
Nieder: Ich hatte in der Schule den Geschichts-Leistungskurs und fand das römische Zeitalter und das alte Rom mit am spannendsten von allen Epochen. Auch, weil es in vielen Richtungen sehr fortschrittlich war. Dass einige Bauten aus der Zeit bis heute überdauert haben, ist sehr beeindruckend.
Kunz: Bei mir gibt es zwei Berührungspunkte. Ich bin am Bodensee in Arbon aufgewachsen – die Stadt hat römische Wurzeln und hieß damals Arbor Felix. Zumal ich jetzt im Engadin im schweizerischen Kanton Graubünden wohne und dort Rätoromanisch gesprochen wird. Das wird auch gerne mal mit der „Gassensprache“ der Römer verglichen. Grundsätzlich finde ich Geschichte spannend und es reizt mich für so ein Projekt, gewisse Dinge genauer zu erforschen.
Und wie ist es um das alte Rom bei Lego bestellt – gibt es viele Bauteile?
Nieder: Nein, da gibt es nicht viel. Das Kolosseum gab es vor rund fünf Jahren mal zu kaufen.
Klang: Es gibt noch Römer-Figuren in der Sammelfiguren-Serie. Aber das sind, wie der Name schon sagt, Sammelobjekte, die man nicht im Geschäft nebenan kaufen kann, sondern nach denen man suchen muss. Typische Lego-Sets gibt es für Rom nicht.
Und dennoch wollen Sie jetzt eine ganze römische Stadt bauen.
Nieder: Ja, dafür verwenden wir die ganzen normalen Lego-Steine, die vermutlich jeder kennt. Dabei haben wir uns hauptsächlich auf die Farbe „Dark Orange“ festgelegt und auf Weiß bei den Teilen für die Wände.
Hat denn einer von Ihnen Erfahrung mit dem Bau einer Lego-Römer-Stadt?
Klang: Für mich ist es eine Premiere.
Kunz: Ich durfte bereits ein sehr ähnliches, aber kleineres Projekt mitgestalten. Das war in der Schweiz für ein Römer-Museum. Auch dort wurden Module entwickelt, die von den Besuchern zusammengebaut werden durften. Von daher war schon ein wenig Know-how vorhanden.
Nieder: Bei einem römischen Projekt war ich bislang nicht dabei. Aber bei anderen Großprojekten. Das größte war bisher der Bau des „Podrace-Stadions“ aus dem Film „Star Wars Episode 1“. Das hatte die Größe von neun auf fünf Meter. Die Römer-Stadt in Rosenheim ist jetzt aber das zweitgrößte. Das Schöne an diesen Großprojekten ist, dass man im ersten Moment nicht erkennt, dass sie aus Lego-Steinen gebaut wurden. Erst, wenn man näherkommt, wird einem die ganze Dimension bewusst.
Julian Baumeister