Helmut Müller moderierte zum letzten Mal das Faschingstreiben.
Rosenheim – Der Tag in Rosenheim soll für Maxi etwas Besonderes werden. Umzingelt von seinen Freunden steht der Rosenheimer mitten im Faschingstreiben auf dem Max-Josefs-Platz – in einem weißen Brautkleid. „Ich will heute einen Mann finden“, sagt Maxi und lacht. An diesem Faschingsdienstag ist er aber nicht als Maxi unterwegs, sondern als Getrude. Dafür hat er sich von oben bis unten ins Outfit einer Braut geworfen – mit Strumpfhose, High Heels, Brautschmuck und einer Perücke. Bei der Auswahl habe ihm eine Freundin geholfen. „Das hat mich ungefähr 200 Euro gekostet, aber das ist es mir für den Fasching wert“, sagt Maxi.
Im Brautkleid
zum Faschingstreiben
Er und seine Freunde seien nicht nur öfter im Fasching unterwegs, sondern auch jedes Jahr beim Faschingstreiben dabei. „Das ist einfach immer super entspannt“, sagt Maxi alias Getrude. Heuer habe er aber die Mission, jemanden zum Heiraten zu finden. „Wenn ich jemanden finde, der mich zum Altar führt, dann haben wir sogar einen Pastor dabei“, sagt er und deutet auf einen Freund, der als Geistlicher verkleidet ist.
Nur ein paar Meter weiter steht eine Bärenfamilie. Miriam, Monika und Cornelia haben sich für die unterschiedlichsten Bärenkostüme entschieden. Während Cornelia mit ihrem weißen Ganzkörperanzug aus Plüsch der Eisbär ist, trägt Monika das gleiche Gewand in Braun. „Das war eine ganz spontane Entscheidung“, sagt Monika. Sie habe eine ganze Sammlung an Verkleidungen zu Hause, der ganze Kleiderschrank sei voll damit. „Ich habe eigentlich fast alles“, sagt sie. Aber heute für den Faschingsendspurt in Rosenheim musste ein „Familienkostüm“ her. Das Treiben auf dem Max-Josefs-Platz lässt sich die Gruppe nur selten entgehen. „Das Zusammensein ist so gemütlich. Genauso toll ist es, die vielen verschiedenen Verkleidungen anzuschauen“, sagt Monika.
Raben, Bienen und
selbst gebastelte Kostüme
Und kreative Verkleidungen gibt es an diesem Tag einige zu sehen. Auch die Gruppe um Gerti und Anna hat sich ein Kostüm für alle überlegt. Sie gehen als Krähen, haben schwarze Umhänge mit dunklen Federn an und eine Maske mit einem langen Schnabel vor dem Gesicht. „So ein ähnliches Kostüm haben wir hier im vergangenen Jahr gesehen und das hat uns gefallen“, erzählt Gerti. Allerdings wollten die Freundinnen es ein bisschen anders machen und haben sich zum Beispiel noch die Federn dazu bestellt. „Das war alles wohlüberlegt“, sagt Gerti und lacht. Den Rest der Gruppe zu überzeugen, ins Rabenkostüm zu hüpfen, sei auch nicht schwer gewesen. „Das Faschingstreiben ist ein Pflichttermin für uns“, sagt Gerti.
Ähnlich geht es auch Steffi und Patrick. „Wir sind fast jedes Jahr da, wir nehmen uns beide am Faschingsdienstag frei“, sagt Steffi. Entsprechend viele verschiedene Kostüme hätten sie auch zu Hause. In diesem Jahr haben sie sich für das Bienen-Outfit entschieden – mit schwarz-gelbem Plüschbauch, Fühlern auf dem Kopf und Flügeln. „Das ist unser Schlechtwetterkostüm, weil es wärmer ist“, sagt Steffi. Das sei zwar schon etwas älter, allerdings auch selbst gebastelt.
Selbst gebastelt hat auch Kathi aus Rosenheim. Sie und ihre Mama sind als Wolken gekommen. Aus Füllwatte für Kissen und Decken hat sie eine Art Jacke gebastelt, in der eine Lichterkette sowie kleine Schneeflocken und Blitze eingenäht wurden. Dasselbe Füllmaterial hat sie auf einen Regenschirm geklebt. „Insgesamt habe ich drei Kilo an Füllmaterial verarbeitet“, sagt Kathi. Die Rosenheimerin bastelte vergangene Woche jeden Abend mehrere Stunden lang daran. „Das lag aber daran, dass die Idee sehr spontan war“, betont Kathi.
„An Fasching kann man
machen, was man will“
Das Wolken-Outfit ist aber nicht das einzige Kostüm, das die Rosenheimerin für diese Faschingssaison entworfen hat. „Wir überlegen uns jedes Jahr mindestens fünf Kostüme und das beste ziehen wir immer hier am Faschingsdienstag an“, sagt Kathi. Heuer seien sie schon als Fotografen, als Teekanne oder Anti-Amor losgezogen. „Wir mögen einfach die Vielfalt bei den Kostümen. Ich liebe den Fasching, weil ich da machen kann, was ich will“, sagt Kathi. Genauso liebe es sie, gemeinsam mit ihrer Mama zu Faschingspartys zu gehen. „Wir nehmen uns für den Fasching immer Urlaub“, sagt Kathi. Das Gute daran: Ihre Mama vertraue ihr bei den Kostümen blind.
Eine besondere Beziehung zu ihrem Kostüm hat auch Jasmin, die nur ein paar Meter weiter steht. Sie und ihre Freundin Anna sind als Christbäume gekommen. Mit grün glitzernden Hüten, grünen Umhängetüchern, an die Christbaumkugeln und Lichterketten genäht wurden. „Mit dem Umhang war schon meine Mama im Fasching, das ist ein Erbstück“, sagt Jasmin. Obwohl das Faschingstreiben für beide dazugehört, könne die Party nicht ganz mit der Feierei in den Karnevalshochburgen mithalten. „Ich komme ursprünglich aus Köln, und da ist es schon noch mal etwas anderes“, sagt Anna. Dennoch sei das Rosenheimer Faschingstreiben ein „kleiner Ersatz“ für sie, sagt Anna und lacht.
Ein anderer nimmt hingegen an diesem Tag Abschied vom Rosenheimer Faschingstreiben: Helmut Müller alias „Mr. Fasching“. Seit 20 Jahren ist er bei der Organisation des Faschingstreibens auf dem Max-Josefs-Platz dabei. Nach diesem Jahr will er sich zurückziehen.
Ein „weinendes Auge“
beim Abschied
„Ich habe mich an den Gedanken gewöhnt, es war ja geplant, dass ich aufhöre“, sagt Müller, während er den Auftritt der Rosenheimer Faschingsgilde verfolgt. Ein „kleines weinendes Auge“ sei aber dennoch dabei. Den letzten Faschingsdienstag in offizieller Rolle wolle er jetzt so richtig genießen.
Den Tag zu genießen, scheinen nicht nur Helmut Müller, sondern auch die zahlreichen Narren. „Die Stimmung ist entspannt, lustig und gut“, sagt Kathrin Schrubar, Geschäftsführerin des City-Managements Rosenheim. Auch wenn in diesem Jahr aufgrund des kalten Wetters ein paar Faschingsbegeisterte weniger als im Jahr zuvor gekommen sind, ist der Veranstalter zufrieden.
„Die Leute haben sich alle auf die Temperaturen eingestellt und es sind alle glücklich“, sagt Schrubar. Genauso sei bislang alles friedlich. Das kann auch die Polizei bestätigen. „Es gab bis jetzt keinen Einsatz“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer am späten Nachmittag. Das Faschingstreiben verlaufe „absolut unproblematisch“.