Von der Münchner Bohème ins Rosenheimer Land

von Redaktion

Ein Vortrag des Historischen Vereins beleuchtet morgen das Leben des Künstlers Cajetan Dreißer, das exemplarisch stehen kann für viele Lebenswege, die der Zweite Weltkrieg nachhaltig prägte.

Rosenheim/Rohrdorf – Den Rohrdorfer Bürgern ist der Name Cajetan Dreißer bereits ein Begriff. Denn im Herbst gab es über zwei Monate hinweg eine große Ausstellung über diesen Maler, der Rohrdorf nach dem Zweiten Weltkrieg zu seiner Wahlheimat erkor. Und schon vorher war er im Ort kein Unbekannter.

Illustrationen für
den Simplicissimus

Nicht wenige der alteingesessenen Rohrdorfer haben ein Bild von ihm zu Hause. Denn Dreißer verdiente nach dem Krieg seinen Lebensunterhalt vor allem auch mit Auftragsbildern von den Gehöften seines neuen Wohnortes. Die Frage, warum dieser Maler auch für ein größeres Publikum interessant ist, wird in einem Vortrag des Historischen Vereins in Rosenheim beantwortet werden, der am morgigen Donnerstag um 19 Uhr im Gemeindesaal der Erlöserkirche stattfindet. Der Referent ist Simon Hausstetter, Rohrdorfs Bürgermeister. Er hat die Ausstellung im Rohrdorfer Rathaus initiiert.

Der Vortrag wird am Lebens- und Schaffensweg von Cajetan Dreißer viele Facetten der Kunst- und Kulturwelt im letzten Jahrhundert zeigen. Denn Dreißer gehörte zu Beginn seiner Malerlaufbahn – in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts – zur Münchner Bohème. Sein Geld verdiente er als das, was man einen Werbegrafiker nennen könnte, nämlich mit Werbeplakaten für Firmen, für Veranstaltungen und auch als Illustrator für den Simplicissimus.

Es sind kleine Kunstwerke, die heute noch ansprechen, weil sie die Werbebotschaft immer in Witz und auch Ironie verpackten. Vor allem aber, weil aus ihnen das spricht, was einen Künstler ausmacht – egal, um welch konkretes Werk es sich handelt: wahre Hingebung ans Malen, die auf echtem Können gründet.

Der Zweite Weltkrieg
als Zäsur im Schaffen

Interessant an Dreißers Lebensweg ist aber nicht nur diese Münchner Zeit, die ein Schlaglicht auf das damalige Lebensgefühl wirft, sondern auch die Zeit nach dem Krieg, als er sich in Rohrdorf niederließ. Von da an sind die Sujets Dreißers ganz andere, es ist seine bäuerliche Umgebung. Und es stellt sich die Frage, wo der junge Dreißer, der der Münchner Bohème, abgeblieben ist.

Der Vortrag wird verschiedene Erklärungsversuche dafür anbieten: Einerseits ging die gemalte und gezeichnete Werbegrafik immer mehr zurück und wurde zunehmend durch Fotografien ersetzt. Andererseits liegt ein Grund wohl auch in Dreißers persönlicher Entwicklung, die vielleicht auch durch den Zweiten Weltkrieg eine Zäsur erfahren hat: dass ihm das Lockere, Leichte der 1920er-Jahre für sich selbst überholt schien, ihm vielleicht auch in Teilen einfach verloren ging.

Allerdings nicht ganz: Cajtan Dreißer durfte 1949 die Bögen über den Fenstern der Rohrdorfer Pfarrkirche ausmalen. Es sind Heilige, die dort dargestellt sind. Aber wer sie näher betrachtet, stellt fest, dass die Figuren alles andere als bierernst gemalt sind. Die Malereien haben eine Art von Hintersinn an sich, der zunächst stutzen und dann schmunzeln lässt.

Der Vortrag am morgigen Donnerstag in Rosenheim soll nicht nur die Person Cajetan Dreißers lebendig machen, sondern auch die Zeit, in der er lebte.

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