Rosenheim/München – Vladyslav Heraskevych wollte seinen Freunden gedenken. Den Menschen, die an den diesjährigen Olympischen Winterspielen nicht mehr teilnehmen können. Weil sie tot sind. Getötet während des russischen Angriffskriegs in der Ukraine.
Doch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat ihm verboten, den Helm mit Bildern seiner verstorbenen Sportkollegen beim Skeleton-Rennen zu tragen. Weil der ukrainische Sportler sich diesem Verbot nicht beugen wollte, disqualifizierte ihn das IOC. Er durfte schließlich nicht mehr für sein Land antreten.
Nach Disqualifikation
in München
Am vergangenen Samstag besuchte Heraskevych eine Kundgebung in München, bei der auch der Rosenheimer Jonah Werner sprach. Werner engagiert sich seit mehreren Jahren mit dem Verein „Athletes for Ukraine“ ehrenamtlich für die Ukraine und kannte auch Heraskevych schon vor Olympia.
„Für Vladyslav ist es immer noch unverständlich, warum das alles so passiert ist“, berichtet Werner vom Treffen mit dem Sportler am vergangenen Wochenende. Kurz nach seiner Disqualifikation sagte er den Reportern in Italien: „Es gibt Dinge, die viel wichtiger sind als irgendwelche Medaillen, und heute stehe ich für das ein, woran ich glaube.“ „Er wollte einfach nur das machen, wofür er jahrelang trainiert hat“, sagt Werner: nämlich an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Dass aus dem Gedenken für seine Freunde und Sport-Kollegen ein so großer Skandal werde, habe Heraskevych nie gewollt, sagt Werner. „Er sagt: Jetzt redet die ganze Welt über seine Freunde. Das ist natürlich besonders und auch schön.
Aber er ist nicht nach Mailand gefahren, um damit jetzt groß in der Zeitung zu stehen.“ Er habe einfach als Athlet bei Olympia starten wollen und hätte niemals damit gerechnet, dass es sich bei dem Helm um einen Regelverstoß handeln könnte. Auch Werner selbst war bestürzt, als er von der Disqualifikation erfuhr. „Ich war selbst Sportler und weiß, wie besonders die Olympischen Spiele sind. Die Teilnahme dann aus einem solchen Grund verwehrt zu bekommen, ist unfassbar.“ Er finde es aber bewundernswert, dass Heraskevych sagte, es gebe größere Sachen, als eine Medaille bei Olympia zu gewinnen. „Dass jemand seine Werte so sehr verteidigt, finde ich extrem bewundernswert“, sagt Werner.
„Er wurde gefeiert
wie ein Held“
Und nicht nur Werner sieht das so, wie sich bei der Kundgebung in München zeigte. „Er wurde gefeiert wie ein Held“, berichtet Werner von Heraskevych Auftritt. „Er ist schon jetzt eine Identifikationsfigur für die Menschen in der Ukraine“, meint Werner. Auf ihn könne man Hoffnung projizieren. Das habe er dann auch erlebt, als er mit Heraskevych in München unterwegs war. Immer wieder wurde er von Ukrainern aufgehalten und um Fotos gebeten.
„Etliche sind zu ihm gegangen, haben ihm die Hand geschüttelt, sich verbeugt und bei ihm bedankt“, erzählt Werner. Mit der Verteidigung seiner Werte wurde Vladyslav Heraskevych zum Helden – und zum Sinnbild für ein ganzes Land, welches sich selbst, seine Werte und seine Menschen seit vier Jahren verteidigt, macht der Rosenheimer deutlich.