Prinzregentenstraße: Kinos und Bier für Drittklässler

von Redaktion

Die OVB-Serie „Rosenheimer Zeitsprünge“ lässt Jahre und Jahrzehnte mit historischen Bildern verschmelzen. In der aktuellen Folge geht es um die Prinzregentenstraße, die einst Promenadenstraße hieß und in der es früher zahlreiche Kinos gab. Anlässlich seines Geburtstags spendierte Prinzregent Luitpold hier sogar Bier für Schulkinder.

… ersetzt durch ein modernes Geschäftshaus.

…gibt es immer noch, alles andere nicht mehr. Fotos Archiv Borrmann/Ziegler

Rosenheim – „Rosenheimer Zeitsprünge“ heißt die einmal wöchentlich erscheinende Serie der OVB-Heimatzeitungen, von OVB online und der 24er-Portale. Was darf der Leser von der Serie erwarten? Auf alle Fälle tolle Bilder aus den letzten Jahrzehnten, die sich mit einem Vorher/Nachher-Schieberegler in die Gegenwart verwandeln und sich mit einem Klick auch vergrößern lassen.

Von Promenadenstraße
zur Prinzregentenstraße

Die heutige Prinzregentenstraße in Rosenheim hieß ursprünglich Promenadenstraße. Sie war um 1900 eine bedeutende, repräsentative Durchgangsstraße und Verbindungsachse vom Bahnhof ins Zentrum der Stadt. Um 1911, anlässlich des 90. Geburtstags von Prinzregent Luitpold von Bayern, erhielt die Straße zu seinen Ehren ihren heutigen Namen.

Erst im Alter von 65 Jahren trat Luitpold infolge des Todes seines Neffen Ludwig II. und der Geisteskrankheit seines Bruders Otto im Juni 1886 die Regentschaft des Königreiches in Bayern an.

Älteste Parkanlage
Rosenheims

Die älteste, durch die Stadtverwaltung angelegte Rosenheimer Parkanlage ist der Luitpoldpark an der Prinzregentenstraße. Der Park wurde 1890/91 auf einem Gelände angelegt, das der Stadtmagistrat 1878 zusammen mit weiteren Liegenschaften von der Bahn erworben hatte. Stadtbaumeister Georg Mackert entwarf den Park damals mit einem verschlungenen Wegenetz. Zunächst war für die Grünanlage die Bezeichnung „Stadtpark“ geplant. Aus Anlass des 70. Geburtstags von Prinzregent Luitpold am 12. März 1891 erhielt der Park aber den Namen „Luitpoldpark“. An diesem Tag spendierte er den Kindern nicht nur einen schulfreien Tag, sondern auch eine Semmel mit Wurst und allen Kindern ab dem dritten Schuljahr einen Schoppen Bier.

Der wohl bekannteste Komplex an der Prinzregentenstraße war und ist der Gillitzerblock – ein geschlossener Häuserblock aus Wohn- und Geschäftshäusern inklusive Hotel „Deutscher Kaiser“ und Bismarckbad, errichtet zwischen 1894 und 1897 durch den Münchener Unternehmer Thomas Gillitzer. Mehrere stattliche Villen und Bürgerhäuser entlang der Prinzregentenstraße stammen aus der Zeit um 1898 bis 1902.

Die beiden Bauten des Königlichen Gymnasiums, heute das Ignaz-Günther-Gymnasium, entstanden 1895/96 und 1898/1900. Die Stadt baute um 1910 außerdem eine Präparandenschule (später Holztechnikum/ Berufsfachschule und heute Prinzregentenschule) in prominenter Lage an der Straße – ein wichtiges Beispiel für den Schulbau in dieser Zeit.

Felsenbrunnen
und Kinos

Der Steinbrunnen an der Prinzregentenstraße ist ein öffentlicher Trinkwasserbrunnen, der wegen seiner Gestaltung aus Naturstein und dem Wasser Felsenbrunnen genannt wird. Er wurde 1893 von Karl Stange errichtet. Die Gestaltung mit dem Felsen-Arrangement soll an die Nähe der Alpen und die Gebirgslandschaft rund um Rosenheim erinnern.

Von neun Kinos, die es in den 1950er-Jahren in Rosenheim gab, standen alleine drei an der Prinzregentenstraße: Die Kaiserlichtspiele im Gillitzerblock, das Capitol (heute teilweise das asiatische Lokal Bama) in der Prinzregentenstraße 15 und das „Helios“ beziehungsweise die späteren Kaiser-Lichtspiele an der Ecke Küpferlingstraße/ Prinzregentenstraße. 1951 galt Rosenheim als „kinofreudigste Stadt Westdeutschlands“ – mit vielen Kinobesuchern und hoher Sitzplatzdichte pro Einwohner.

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