Rosenheim – Obwohl junge Menschen unter 18 Jahren bei Kommunalwahlen in Bayern bisher keine Stimme haben, dürfen sie in den kommenden zwei Wochen ihr Kreuz machen. Stadt- und Kreisjugendring organisieren wieder eine U18-Wahl, bei der Kinder und Jugendliche für ihren Wunschkandidaten für den Landrats- und Oberbürgermeisterposten votieren können. Für Jörg Giesler, Geschäftsführer des Kreisjugendrings im Landkreis Rosenheim, eine wichtige Sache. „Wir bekommen ein Stimmungsbild der jungen Menschen und können zeigen, dass sie nicht politikverdrossen sind, sondern ganz im Gegenteil Interesse daran haben.“
So entscheidend wie Themen rund um Umwelt und Nachhaltigkeit vor einigen Jahren noch waren, sind sie für junge Menschen momentan nicht mehr, schätzt Jörg Giesler. Stattdessen zählen Fragen rund um die Verteuerung der Mieten, das Näherrücken von Kriegen, aber auch, „ob sie überhaupt noch Kinder in die Welt setzen wollen”, meint Giesler. Zwar sei auch alles rund um Nachhaltigkeit bei der Jugend immer noch präsent, aber „das, was jetzt gerade brennt, muss halt gelöscht werden”, erklärt er.
Wählen können alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in elf Wahllokalen im gesamten Landkreis sowie in mehreren Wahllokalen im Stadtgebiet Rosenheim zwischen dem 16. und 27. Februar. Die genauen Wahllokale und deren Öffnungszeiten sind auf den Webseiten des Stadtjugendrings und Kreisjugendrings einzusehen. Vor Ort fragen Kommunen und Verbände dann häufig auch noch nach, was Jugendliche bewegt und welche Wünsche und Vorstellungen sie für ihre Gemeinde hätten. „Aber das ist ganz individuell”, sagt Giesler.
Für das Stadtgebiet Rosenheim hat sich der Stadtjugendring heuer etwas Besonderes einfallen lassen. Zum ersten Mal gibt es den Vot-o-mat, eine Art Wahl-o-mat mit 21 Fragen rund um Themen in der Rosenheimer Lokalpolitik – von Fahrradwegen bis zum Schulumbau. Damit können sich die Schüler in der politischen Parteienlandschaft orientieren. Das Interesse der Jugendlichen an Politik schätzt Markus Bundil, Fachreferent für Grundsatzfragen und politische Bildung beim Stadtjugendring, ähnlich ein wie bei Erwachsenen – die einen sind mehr, die anderen weniger interessiert. Zwar hätten Parteien seiner Erfahrung nach einen schweren Stand, aber „Jugendliche haben einen großen Sinn für soziale Ungerechtigkeit und machen sich viele Gedanken über Inklusion und Obdachlosigkeit.“
Unterschied zwischen Stadt und Land als Verknüpfung: Einen großen Unterschied im Wahlergebnis zwischen Stadt und Landkreis erwartet Markus Bundil… Ob er damit richtig liegt, zeigen die Ergebnisse der U18-Wahl nach der Auszählung.
Die bayernweiten Ergebnisse werden am 1. März veröffentlicht, die lokalen Zahlen gibt Jörg Giesler dann am 2. März bekannt. Eine Prognose sei schwierig, so Giesler, „aber Jugendliche sind mobiler und flexibler im Denken”, und in den sozialen Medien sind „Parteien an den Rändern – egal ob links oder rechts – aktiver.“ Genau dort informieren sich Jugendliche häufig. „Da sind manche Parteien einfach besser vertreten und positionieren sich dort, um Jugendliche zu erreichen.” Während die Jungwähler früher häufig die Parteien wählten, für die auch ihre Eltern stimmten, wollen die Jugendlichen heute auffallen. „Und das kann man nur, wenn sich die Ergebnisse von denen der Erwachsenen unterscheiden.”
Jasmin Eiglmeier