Ärger über Radl-Chaos am Bahnhofsvorplatz

von Redaktion

Die Situation am Bahnhofsvorplatz sorgt immer wieder für Ärger. Grund sind die zahlreichen Fahrräder, die kreuz und quer abgestellt werden, obwohl ein Fahrradparkhaus nur wenige Meter entfernt ist. Nun soll gegen die Wildparker vorgegangen werden.

Rosenheim – Rudolf Hötzel hat sich die Situation lange genug angeschaut. Jetzt reicht es dem Stadtrat der Republikaner. In einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) forderte er die Verwaltung auf, die Fahrräder zu entfernen, die kreuz und quer am Bahnhofsvorplatz abgestellt werden. „So kann es nicht weitergehen“, sagte der Politiker am Telefon.

„Müssen Langzeit-Parker
in den Griff bekommen“

Eine Lösung muss ihm zufolge her, zumal das Thema nicht neu ist. Bereits in der Vergangenheit wurden Forderungen laut, härter durchzugreifen und die Räder zu entfernen. „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alles blitzblank und sauber wäre, aber in der Realität ist es eben nicht so“, sagte März während der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses. Aber auch das machte er deutlich: Ziel sei es, zusätzliche Abstellmöglichkeiten zu schaffen.

Wie wichtig das ist, weiß auch Stadtrat Herbert Borrmann (CSU). „Wir müssen die Langzeit-Radlparker in den Griff bekommen“, sagte er. Viele Räder würden schon seit einiger Zeit im Fahrradparkhaus stehen. „Einige werden vielleicht gar nicht mehr benutzt“, sagte er. Gleichzeitig gebe es auch viele, die nach München pendeln würden und ihr Fahrrad am Bahnhof parken. Für diejenigen, die keinen freien Stellplatz im Fahrradparkhaus finden, brauche es zusätzliche Plätze. Untätig ist die Verwaltung jedoch nicht. So findet zweimal im Jahr eine große Aktion statt, bei der alle Schrotträder in der Stadt entfernt werden – unter anderem im Fahrradparkhaus, am Südtiroler Platz, in der Klepperstraße, in der Prinzregentenstraße und im Aicherpark. Offensichtlich kaputte oder länger nicht benutzte Fahrräder werden dafür mit einer Banderole markiert. Wenn die Fahrräder nach vier Wochen nicht entfernt werden, werden sie von städtischen Mitarbeitern entfernt.

„Diese Schrotträder sind ein Ärgernis. Sie nehmen aktiven Radfahrerinnen und Radfahrern dringend benötigte Stellplätze weg und verschandeln zusätzlich das Stadtbild“, sagte Oberbürgermeister März bereits in der Vergangenheit. Zusätzlich zu der Schrottrad-Aktion wird auch immer wieder das Fahrradparkhaus gereinigt – und zwar Stockwerk für Stockwerk. „Wir haben beim letzten Mal einen ganzen Container gefüllt“, erinnerte sich März.

Dass die Aktion wirkungsvoll ist, bestätigte Stadtrat Robert Lappy (Grüne). Allerdings wäre es in seinen Augen sinnvoll, die Aktion mehr als nur zweimal durchzuführen. Denn kaum seien die Schrotträder entfernt, würden die nächsten schon wieder dastehen.

Doch die Intervalle zu erhöhen, sei schon rein logistisch nicht möglich. „Wir haben nicht den Platz, die ganzen Fahrräder unterzubringen“, erklärte Pressesprecher Christian Baab auf OVB-Anfrage. Denn nachdem die Schrotträder entfernt werden, müssen sie vorerst aufbewahrt werden – und das für sechs Monate.

Bei der jüngsten Aktion sind Baab zufolge 300 Schrotträder zusammengekommen – nur am Bahnhof. Nur zwei davon wurden von ihrem Besitzer abgeholt, der Rest musste verschrottet werden. Aber eben erst nach sechs Monaten. „Der Aufwand ist sehr groß, sodass wir auch wegen der Aufbewahrungszeit, die Schrotträder nicht öfter als zweimal im Jahr entfernen können“, sagt Baab.

Peter Weigel (Grüne) nutzte die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, wie gut das Fahrradparkhaus angenommen wird. „Es ist eine absolute Erfolgsgeschichte und eine tolle Sache“, sagte er während der Sitzung. Er regte an, über ein Bikesharing-System nachzudenken. „Das würde einige Probleme lösen.“

Stadträtin Ricarda Krüger (SPD) schlug vor, ein Schild anzubringen, das darauf hinweist, dass Fahrräder maximal eine Woche lang im Fahrradparkhaus stehen dürfen. Ob das tatsächlich den erwünschten Effekt bringt, darüber gingen die Meinungen an diesem Nachmittag auseinander.

Einig waren sich die Stadträte darin, dass – anders als von Rudolf Hötzel befürchtet – durch die Wildparker keine Einsatzfahrzeuge behindert werden. Der Stadtrat der Republikaner hatte in seinem Antrag moniert, dass Sanitätsdienste und Bundespolizei teilweise nicht mehr bis zum Eingang des Bahnhofs fahren können. Dadurch könnte es bei brenzligen Situationen zu Problemen kommen.

„Die Zufahrt zum Bahnhof für Einsatzfahrzeuge ist jederzeit möglich. Eine Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit liegt nicht vor“, heißt es vonseiten der Verwaltung. Der Bahnhof sei sowohl über den öffentlichen Kurzzeitparkplatz als auch über den Omnibusbahnhof erreichbar. „Es ist auch nicht bekannt, dass die Sicherheit und Ordnung durch die Polizei am Bahnhof nicht durchgesetzt werden kann“, so die Verwaltung.

Mehr Abstellplätze
sollen Abhilfe schaffen

Ein dauerhaftes Aufstellen von Einsatzfahrzeugen des Rettungsdienstes am Bahnhof, wie im Antrag vorgeschlagen, sei weder vorgesehen noch notwendig. „Im Bedarfsfall wird über die Integrierte Leitstelle stets das nächstgelegene Rettungsmittel eingesetzt“, heißt es aus dem Rathaus. Im Rosenheimer Stadtgebiet stehen derzeit zwei Rettungswachen mit entsprechenden Fahrzeugen zur Verfügung.

Zwar wurde der Antrag der Republikaner einstimmig abgelehnt, dennoch sollen auch weiterhin die Schrotträder, die den Bahnhofsvorplatz verschandeln, entfernt werden. Zudem sollen zusätzliche Abstelloptionen geschaffen werden.

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