Rosenheim – In der OVB-Serie „Rosenheimer Zeitsprünge“ geht es diesmal um den Max-Josefs-Platz. Ein großer Brand im Jahr 1641 und die umstrittene Umwandlung in eine Fußgängerzone in den 1980er-Jahren haben das Aussehen von Rosenheims „Guter Stube“ bis heute stark beeinflusst und geprägt.
Der Max-Josefs-Platz ist der Mittelpunkt, sein Flair ist vor allem in den Sommermonaten zu spüren. Er entstand bereits im 13. und 14. Jahrhundert als langer Straßenmarkt im Zentrum Rosenheims, war der „Innere Markt“ der Stadt und diente jahrhundertelang als zentraler Handels- und Versammlungsort.
Bis zum Ersten Weltkrieg fand dort regelmäßig die Getreideschranne statt – ein bedeutender Handelsplatz für Getreide. Den Namen „Max-Josefs-Platz“ erhielt der Platz im 19. Jahrhundert zu Ehren von Max I. Joseph, dem ersten König von Bayern. Die Bezeichnung wurde offiziell 1882 fixiert.
Bis in die 1980er-Jahre war der Platz eine stark befahrene Verkehrsachse. 1984 wurde – nach kontroverser Debatte – die Fußgängerzone eröffnet, um die Innenstadt attraktiver zu machen. Schon Mitte der 1970 er-Jahre gab es erste Modellversuche mit autofreiem Verkehr. Die Umstellung vom stark befahrenen Platz zu einer Fußgängerzone war umstritten – manche befürchteten eine „Verödung“, doch langfristig hat sich der autofreie Platz als lebendiges Zentrum behauptet. Der Platz dient auch gelegentlich als Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen.
Der Max-Josefs-Platz ist von Bürgerhäusern im Inn-Salzach-Stil umgeben – charakteristisch sind: Laubengänge und Arkaden, Erker und Gewölbe. Die Häuser wurden nach dem großen Stadtbrand am 6. November 1641 neu aufgebaut, wobei teilweise ältere Bauteile aus dem 14./15. Jahrhundert weitergenutzt wurden.
Das Feuer brach in einem der dicht aneinander gebauten Häuser aus. Aufgrund der engen Bebauung und vieler Holzbauten breitete sich der Brand schnell aus. Ein großer Teil des damaligen Marktes wurde zerstört. Viele Gebäude wurden danach in massiverer Bauweise (mehr Stein, weniger Holz) errichtet, um zukünftige Brände einzudämmen.
Im historischen Ellmaier-Haus befindet sich das Holztechnische Museum. Das Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde in den 1980er-Jahren sorgsam restauriert. Das Museum zeigt die Geschichte der Holzverarbeitung, alte Techniken sowie moderne Anwendungen – ergänzt durch Ausstellungen und Videos. Das Fortner-Haus „Zum Santa“ ist ein herausragendes Patrizierhaus mit Rokoko-Stuck und gotischem Gewölbe, dessen Geschichte bis ins 17. Jahrhundert geht. Es gilt als eines der schönsten Beispiele barocker Bürgerhausarchitektur in Rosenheim. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren im Adlmaier-Haus die Postexpedition und ein Poststall untergebracht. Hier übernachteten auf Reiserouten auch König Ludwig I. und Kaiserin Charlotte von Österreich.
Heute gilt der Max-Josefs-Platz als „Gute Stube“ von Rosenheim und ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher und bildet die Kulisse für Veranstaltungen und Stadtführungen.
Und dann ist da noch das Mittertor. Es ist das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt und eines ihrer wichtigsten Wahrzeichen. Erbaut wurde es im 14. Jahrhundert (um 1350). Es war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Der Name „Mittertor“ bedeutet „mittleres Tor“, da es eines von mehreren Stadttoren war. Es diente als Durchgangstor, Wachturm und zeitweise auch als Gefängnis. Heute beherbergt das Mittertor ein städtisches Museum. Ausstellungen zeigen die Geschichte Rosenheims, Stadtentwicklung und regionale Themen. Der Turm liegt direkt am Max-Josefs-Platz und bildet einen markanten Blickfang der Innenstadt.