Sie leiteten durch die Projekte und das Jahr 2035: Isabella und Nina aus dem Moderations-Team. Foto privat
Rosenheim – Die Mensa ist voll: Auf den Stühlen sitzen Schüler und Lehrkräfte der Johann-Rieder-Realschule Rosenheim, Eltern und auch Oberbürgermeister Andreas März. Alle schauen gespannt auf die Bühne. Sie ist geschmückt mit großen, bunten Puzzleteilen aus Pappe und Schachfiguren sowie einem Baum. Anstelle von Blättern besteht seine Krone aus Zahnrädern – was sehr futuristisch wirkt. Und das soll es auch, denn die neunten Klassen präsentieren ihre Ergebnisse aus dem „Futurelab“. So heißt ihre Projektwoche, die sich mit dem Thema „2035: Zukunft jetzt gestalten“ befasst.
Zukunft ist mehr als
Fortschritt und Technik
„Wenn man an die Zukunft denkt, denkt man an Fortschritt und automatisch an Technik“, erklären die Mitglieder vom Team der Bühnentechnik. Das sei die Idee hinter dem Baum aus Zahnrädern gewesen – denn die Natur dürfe trotz Technik und Fortschritt nicht vergessen werden. „Wir versuchen mit den Projekten, das Interesse an Politik bei den Schülern zu wecken. Es ist ein wichtiges Thema“, erklärt Markus Hittinger. Er ist Deutsch- und Geschichtslehrer und unterrichtet auch Informationstechnologie. Gleichzeitig koordiniert er das Projekt. Seit Anfang Januar würden die Schüler konkret an ihren Projekten rund um das Thema Zukunft und Demokratie arbeiten, sechs Schulstunden die Woche.
Die Aufgabe war für jedes Team, ein Spiel zu ihrem Fachgebiet aus dem Hauptthema „Demokratie“ zu entwickeln – so auch für Team 29. Patrick, Hannes und Ben befassten sich mit dem Thema Ressourcen. „Das ist eine wichtige Grundlage für unser Leben“, sagt Patrick. Die drei haben das Spiel „Until 2035“ entwickelt. Darin müssen Ressourcen wie Nahrung, Munition und Heilung verwaltet und gut eingesetzt werden. Man kann seinen linken Nachbarn angreifen und sich selbst verteidigen. „Der Kampf um Europas Ressourcen hat begonnen!“, schließen sie ihre Präsentation.
Doch hinter diesem Spiel steckt eine umfangreiche Recherche. So befasste sich Patrick mit Europas Energiepolitik. „Europa ist abhängig von Energieimporten“, erklärt er. Um zukunftsfähiger zu sein und sich auf Krisen vorzubereiten, müsse Europa unabhängiger werden. Das gilt auch für Rohstoff-Ressourcen, sagt Hannes. Europa solle unabhängiger in Bezug auf Kupfer und auch seltene Erze werden. Ben konzentrierte sich auf Punkte rund um das Klima: Europa müsse sich an Dürre und Überschwemmungen anpassen. Diese Fakten und möglichen Entwicklungen, für die bereits jetzt Entscheidungen getroffen werden müssen, bilden die Basis für ihr Spiel „Until 2035“.
Nach diesem Prinzip gingen die Gruppen vor – auch die von Emilia. Die 14-Jährige befasste sich mit der „Künstlichen Intelligenz in der Zukunft“. „Das Thema wird uns am meisten betreffen“, sagt sie. Ob bei Online-Nachhilfe oder der Stimmenauszählung bei einer Wahl: Emilia und ihre Gruppe haben sich damit beschäftigt, welchen Einfluss die KI unter anderem in Bereichen wie Alltag, Arbeitswelt und Bildung haben kann, und daraus ein Tabu-ähnliches Spiel entwickelt.
„Vielen Dank, dass ihr euch Gedanken macht, wie Rosenheim in der Zukunft aussehen kann“, sagt Oberbürgermeister Andreas März. Er appelliere daran, dass man schneller aus dem Denken kommen müsse und rein in das Tun. „Entscheidungen müssen heute schon getroffen werden. Das ist wichtig“, sagt er. So hielte er es für gut, dass sich die Schüler bei dem Projekt mit dem Thema Zukunft und vor allem mit der Demokratie befassen. „Die Demokratie ist richtig anstrengend und mühsam. Aber Demokratie ist auch sehr gut, und es gilt, daran festzuhalten“, sagt er. Auch Daniela Ludwig, Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern, stattete der Projekt-woche einen kurzfristigen Besuch ab.
Den Worten von Oberbürgermeister Andreas März stimmt auch die 14-jährige Emilia zu: „Ohne Demokratie läuft nichts.“ Sie findet das System sehr wichtig, aber ein Punkt stört sie: „Wenn bei einer Wahl jemand mit 50 Prozent der Stimmen gewinnt, 40 Prozent aber eine andere Person gewählt haben, wollten diese 40 Prozent den Gewinner nicht“, sagt sie. Trotzdem sei ihr die Demokratie wichtig und, dass die Leute sich mit den Kandidaten vor einer Wahl auseinandersetzen. So auch vor der anstehenden Kommunalwahl 2026. In Rosenheim wünsche sie sich keine direkte Veränderung, da eine für sie wichtige Sache bereits umgesetzt wird: Beim Projekt „Bridge 15“ entsteht ein neuer Basketballplatz im Aicherpark.
Wunsch nach mehr
Fairness in der Stadt
Die 16-jährige Maja beschäftigte sich nicht so viel mit Politik und musste das auch beim Projekt nicht direkt. Sie war Teil des Organisationsteams und plante so unter professionellen Bedingungen mit den anderen Mitgliedern und Markus Hittinger die Präsentation. Trotzdem hat sie einen klaren Wunsch für die Zukunft in der Rosenheimer Politik: „Ich wünsche mir eine fairere Verteilung der Schulgelder. Aktuell fühlt es sich an, als würden nur die zwei größeren Schulen in Rosenheim das Geld bekommen“, sagt sie. So könne die Johann-Rieder-Realschule mit mehr Fördermitteln neue Ausrüstung für genau solche Projektwochen anschaffen. Denn so etwas wie das „Futurlab“ sei wichtig. „Die Projektwoche fördert die Selbstständigkeit und man lernt, vor mehr Menschen als nur der Klasse zu präsentieren“, sagt sie.