Rosenheim – Er ist schnell, er ist laut und er ist vor allem eines: verdammt nah dran an seinem Publikum. Während andere Comedians sich oft streng an ihr Programm halten, beginnt bei Ralf Schmitz die Show oft schon vor dem ersten richtigen Witz. So auch bei seiner ausverkauften Show im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum (Kuko), wo er gar nicht erst versuchte, die Distanz der Bühnenkante zu wahren. Kaum war das Licht an, saß Schmitz auch schon im Publikum – und kurz darauf einer verdutzten Dame direkt auf dem Schoß. Sein Ziel: Die „Schmitzfindigkeiten“ – oder besser gesagt die Spitzfindigkeiten – des Alltags aus den Rosenheimern herauszukitzeln.
Von Bruckmühler Socken
und dem „Basar“ der Liebe
Die ersten „Opfer“ des Abends waren schnell gefunden: Ein Paar aus Bruckmühl musste Rede und Antwort stehen. Das Thema? Die Kleinigkeiten, die einen am Partner in den Wahnsinn treiben. Die Antwort ließ etwas auf sich warten, aber schließlich folgte ein Klassiker: Socken, die auf links gedreht in der Wäsche landen. Ein Raunen ging durch den Saal, das kollektive Kopfnicken verriet: Das ist kein Einzelfall.
Doch Schmitz wäre nicht Schmitz, wenn er es beim bloßen Plausch belassen würde. Spontan wurde das Kuko zur Partnerbörse. Als der junge Mann namens Leon zugab, eine Frau mit blonden Locken zu suchen, schaltete sich prompt die Sitznachbarin ein: „Ich hab eine Tochter mit blonden Locken – Jasmin!“ Schmitz, sichtlich amüsiert über die bayerische Direktheit, kommentierte trocken: „Sind wir hier auf dem Basar oder was?“ Kurzerhand wurde Jasmin per FaceTime dazugeschaltet. Ob es für Jasmin und Leon eine gemeinsame Zukunft – oder zumindest ein erstes Date – geben wird, bleibt wohl ein Geheimnis zwischen den beiden.
Der rote Faden des Abends waren die Absurditäten des Alltags. Ob die ewige Debatte, ob unter Nutella nun Butter gehört oder wie verwerflich es sei, mit dem Reißverschluss der Bettdecke oben zu schlafen. Und bei dem ein oder anderen improvisierten Witz hatte Schmitz sogar selbst vor Lachen Tränen in den Augen. Auch, wenn das dem ein oder anderen unterhaltsamen Lach-Geräusch aus dem Publikum zu verdanken war. „Es hilft nichts, wenn da hinten ein Fasan abhebt“, kommentierte er die ungewöhnlichen Töne. Oder: „Bringt doch bitte jemand die Möwe raus, die sich hier reinverirrt hat.“
Der emotionale Höhepunkt der Show gehörte Sigi und Ute vom Irschenberg. Seit stolzen 44 Jahren sind die beiden ein Herz und eine Seele. Auf der Bühne plauderten sie aus dem Nähkästchen: Sie nervt seine Jacke auf ihrem Stuhl, ihn nerven eingetrocknete Essensreste in der Spüle.
Zum großen Finale wurde die 44-jährige Ehe von Sigi und Ute in ein improvisiertes Musical verwandelt, inklusive der zuvor rekrutierten Mitspieler aus dem Publikum. Es war ein würdiger Abschluss für einen Abend, der bewies: Die besten Geschichten schreibt nicht der Autor, sondern das Leben – man muss nur jemanden wie Ralf Schmitz haben, der sie mit der nötigen Portion Witz erzählt.