Rosenheim – Alle Zeichen stehen für den Wahlabend in Rosenheim auf Hochspannung. Zumindest, wenn es nach den unter 18-Jährigen geht. Die durften bereits vor der offiziellen Wahl am kommenden Sonntag, 8. März, ihr Kreuz setzen – wenn auch ohne Folgen. Das auffälligste Ergebnis: Im Landkreis Rosenheim käme es bei der Landratswahl zu einer Stichwahl – zwischen Amtsinhaber Otto Lederer (CSU), der mit 36 Prozent die meisten Stimmen bei der U18-Wahl bekommen hat, und Andreas Winhart (AfD) mit 16 Prozent. Dahinter folgen die SPD-Kandidatin Alexandra Burgmaier (15 Prozent) und Martin Bauhof von Die Linke (14 Prozent).
In der Stadt Rosenheim
ist die SPD der Jäger
Ein anderes Bild zeigt sich in der Stadt Rosenheim: Zwar liegt auch hier die CSU mit Oberbürgermeister Andreas März (36 Prozent) klar vorn, doch die Rolle des Verfolgers übernimmt in der Stadt Abuzar Erdogan von der SPD mit 23 Prozent. Der AfD-Kandidat Maximilian Leucht landet mit 13 Prozent auf dem dritten Platz vor Anna Rutz (Grüne, 11,1 Prozent) und Hanna Rohs (Die Linke, 11,1 Prozent).
Im Rosenheimer Stadtrat würde nach dem Ergebnis der U18-Wahl die CSU mit 24 Prozent die meisten Sitze stellen, gefolgt von der SPD mit 19 Prozent. Auffällig ist hier, dass die OB-Kandidaten jeweils mehr Stimmen bekamen als ihre Partei. Am drittmeisten Sitze bekämen die Grünen mit 16 Prozent, gefolgt von AfD (15 Prozent) und der Linken (15 Prozent). Weniger Stimmen bekamen die Freien Wähler (4,8 Prozent), FDP (2,0 Prozent), ÖDP (1,4 Prozent) und die Republikaner (0,9 Prozent).
Experte: Keine Prognose
für Wahl am Sonntag
Für den Halfinger Politik-Experten Florian Wenzel sind die Ergebnisse keine Überraschung. Als Hauptgründe sieht er die „Personalisierung und Polarisierung“ für das Abschneiden einzelner Parteien. So würden viele, die früher die Grünen gewählt haben, heute zur Die Linke tendieren: „Seit Heidi Reicheneck ist die Linke wieder ‚in‘. Ich glaube, dass die Jugend sich da sehr schnell beeinflussen lässt von den Trends und der Emotionalisierung.“
Der SPD-Kandidat Abuzar Erdogan sei ein gutes Beispiel für die Personalisierung. Er sei sehr präsent „vor Ort und in den sozialen Medien, da gibt es dann immer Video-Statements. Er gibt sich als Kümmerer.“ Kinder und Jugendliche fühlten sich von der Präsenz in den sozialen Netzwerken stärker angesprochen als volljährige Wähler. Daher seien die Ergebnisse der U18-Wahl in Stadt und Landkreis auch keine treffende Vorhersage für die Kommunalwahl am 8. März, meint Wenzel.
Organisiert wurde die Wahl-Simulation vom Kreisjugendring (KJR) und Stadtjugendring (SJR). Zwischen dem 16. und 27. Februar verwandelten sich insgesamt 13 Standorte im Landkreis und mehrere Orte in der Stadt in jugendliche Übungsfelder für Demokratie. Einige Organisatoren wurden bei der Gestaltung besonders kreativ: So verzierte die Sektion Stützpunkt Inntal des DAV ihre Urne im DAV-Basislager in Bad Aibling beispielsweise mit bunten Klettergriffen.
Der lokale Trend deckt sich mit der bayernweiten Entwicklung. Laut Bayerischem Jugendring (BJR) verzeichnete die U18-Wahl eine Rekordbeteiligung. Über 30.000 Kinder und Jugendliche gaben ihre Stimme ab – das sind fast doppelt so viele wie bei der letzten U18-Kommunalwahl im Jahr 2020.
Rekordbeteiligung
bei Bayerns Jugend
Eine Rolle könnte die Zugänglichkeit von Wahllokalen gespielt haben, denn auch hier waren es mit 350 Wahllokalen fast doppelt so viele wie 2020.
BJR-Präsident Philipp Seitz sieht darin ein klares Signal an die Politik: „Beteiligung scheitert nicht am Interesse junger Menschen, sondern oft an den fehlenden Möglichkeiten. Wo wir Räume schaffen, werden sie genutzt.“
Interessanterweise unterscheiden sich die kommunalen Ergebnisse deutlich von der U18-Bundestagswahl vor einem Jahr: Während damals AfD und Linke bayernweit die Plätze zwei und drei belegten, konnten bei der jetzigen Simulation die Parteien der „demokratischen Mitte“ – insbesondere CSU (34 Prozent) und SPD (16 Prozent) – auf Landesebene wieder stärker punkten.