Rosenheim – Das Video dauert zwei Minuten und sieben Sekunden. In langsamen Schritten bewegt sich die Person, die das Video aufgenommen hat, auf den Infostand der AfD in der Rosenheimer Innenstadt zu. Nur einen kurzen Moment später kommt es zu einem ersten Gerangel zwischen Mitgliedern des Offenen Antifaschisten Plenums (OAP) und AfD-Landtagsabgeordnetem Andreas Winhart. Winhart greift nach dem Banner, versucht es den Aktivisten augenscheinlich aus den Händen zu ziehen.
Ohne Fremdbeteiligung
zu Boden gegangen?
Das Ganze entwickelt sich zu einem Tauziehen. Die Mitglieder des OAP auf der einen Seite. Die AfD-Politiker auf der anderen Seite. Nachgeben will – danach sieht es zumindest im Video aus – niemand. 32 Sekunden vor Ende des Videos tritt der Rotter AfD-Bürgermeisterkandidat Michael Maurer (70) ins Bild. In der Aufnahme sieht es so aus, als ob er scheinbar ohne fremde Beteiligung zu Boden fällt. Maurer bleibt auf dem Kopfsteinpflaster liegen, hält sich das Knie. Stößt einen Schmerzensschrei aus.
Schubser, Tritte und
Schläge nicht zu sehen
Nur kurze Zeit danach endet die Aufnahme. Von Schubsern, Tritten oder Schlägen ist zumindest in diesem Video-Ausschnitt nichts zu erkennen. Genau davon berichtete aber Michael Maurer am Sonntag, 1. März, am Telefon. Er sei getreten worden, anschließend sei er gestürzt und auf die Pflastersteine gefallen. Die Folge: ein heftiger, stechender Schmerz im Knie. Als er am Boden lag, sollen zwei Jugendliche ihn getreten haben. Danach brachte laut Polizei ein Rettungswagen den AfD-Politiker ins Krankenhaus, das er nach einer ambulanten Behandlung wieder verlassen konnte. Die AfD sprach kurz nach dem Vorfall von einer „Gewaltspirale durch die Linksextremisten“. Zudem kritisierten sie die Aktivisten dafür, dass sie sich „Senioren als Opfer aussuchen“.
Die Mitglieder vom OAP hingegen weisen die Vorwürfe zurück. Vielmehr soll der AfD-Kandidat sich mit seinem Körper auf die Aktivisten gestürzt haben, um ihnen das Transparent zu entreißen. Welche Version der Wahrheit entspricht, ist derzeit Teil der polizeilichen Ermittlungen. „Der Vorgang wird jetzt vom Fachkommissariat für Staatsschutzdelikte behandelt“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Süd auf OVB-Anfrage.
Ermittelt werde wegen des Verdachts eines Körperverletzungsdelikts. Mehr Angaben könnte man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht machen. Während die Polizei ermittelt, wird in den sozialen Medien heftig über den Vorfall diskutiert. Die einen stellen sich hinter die AfD, andere kritisieren das Verhalten der Partei scharf. Darunter Khando Ronge, die Kandidatin der Linken für den Rosenheimer Kreistag. Sie sei selbst vor Ort gewesen und berichtet von einem „Tauziehen“ um ein Banner. Menschen vom AfD-Stand hätten versucht, den Demonstrierenden ein Plakat zu entreißen. Als sie eingreifen wollte, sei sie beschimpft und geschubst worden. Einen Grund dafür hat es ihr zufolge nicht gegeben.
Wurde das Video
nachträglich bearbeitet?
Was genau sich am Samstag, 28. Februar, in der Rosenheimer Innenstadt zugetragen hat, lässt sich derzeit nur schwer rekonstruieren. Auch, weil nicht abschließend geklärt ist, ob das Video, das das OAP unserer Zeitung zur Verfügung gestellt hat, nachträglich bearbeitet wurde oder den tatsächlichen Verlauf der Dinge darstellt.
Von der Echtheit des Videos überzeugt ist das „Bündnis gegen rechte Hetze“. „Der AfD-Bürgermeisterkandidat ging ohne Fremdeinwirkung im Zuge des Gerangels zu Boden“, heißt es in einer Stellungnahme. Auch habe es keine Tritte gegeben. „Von einem gezielten Angriff zu sprechen, ist eine dreiste Lüge.“
AfD hat eigene Aufnahmen
und bleibt bei Schilderung
Die AfD bleibt bei ihrer Schilderung der Ereignisse. Auch sie hätten Fotos und Filmaufnahmen von dem Vorfall gemacht. „Die Polizei hat uns explizit gebeten, diese nicht zu veröffentlichen“, sagt Landtagsabgeordneter Andreas Winhart. Er und seine Kollegen werden sich an diese Bitte halten und das Material erst dann veröffentlichen, wenn die Polizei dem zustimmt.