Rosenheim – Haben Sie schon mal von Erinnophilie gehört? Wenn nicht, wäre das kaum verwunderlich: Der nicht gerade alltägliche Begriff verweist auf das Sammeln historischer Marken ohne postalische Funktion.
Besonders beliebt sind farbig gestaltete Reklamemarken in Briefmarkengröße, die früher als verkleinerte Fassungen größerer Werbeplakate gestaltet wurden. Um 1900 erfreuten sie sich großer Beliebtheit und wurden rasch zu begehrten Sammelobjekten. Im Stadtarchiv Rosenheim wird unter der Signatur SLG 13 ein entsprechendes Sammelalbum verwahrt.
Ehemalige Geschäfte und
Betriebe in der Innenstadt
Im Folgenden werden exemplarisch vier Reklamemarken näher vorgestellt: Da wäre zunächst die Marke des „Kaufhauses Wilhelm“, das ein Vorläufer des heutigen Galeria-Kaufhauses an der Ecke Münchener- und Gillitzerstraße war. Das Gebäude entstand als Eckbau im historischen Gillitzerblock und wurde nach mehreren Umbauten Ende der 1960er-Jahre vollständig abgerissen.
Eine weitere Marke zeigt das Gebäude der ehemaligen „Papierwarenfabrik Niedermayr“ in der Brückenstraße, das 1911/12 errichtet wurde und heute unter Denkmalschutz steht.
Von einer Einrichtung, die die Rosenheimer Innenstadt über mehr als ein Jahrhundert prägte, zeugt die Marke der Konditorei Weth: 1878 gegründet, über Generationen geführt und zentral am Max-Josefs-Platz verankert, existierte der Betrieb zuletzt als „Café Weth“ bis Ende 2020.
Marken spiegeln auch
gestalterische Trends wider
Schließlich gibt die Marke des Textilfachgeschäfts „Karl Stemplinger“ Einblick in die Werbepraxis eines traditionellen Rosenheimer Einzelhändlers, der ebenfalls am Max-Josefs-Platz beheimatet war.
Die Aufmachung und Inhalte der historischen Reklamemarken spiegeln neben den jeweiligen Werbebotschaften auch die gestalterischen Trends ihrer Entstehungszeit wider. Die im Stadtarchiv verwahrten Reklamemarken ermöglichen Besuchern spannende Einblicke in die Rosenheimer Wirtschafts- und Konsumlandschaft im Wandel der Zeit.