Flugchaos durch den Krieg im Nahen Osten

von Redaktion

Die Eskalation im Nahen Osten führt zu gesperrten Lufträumen und trifft auch Reisende aus Rosenheim. Wegen des Flugchaos harren sie auf unbestimmte Zeit im Krisengebiet aus. Zwei Betroffene berichten von der chaotischen Situation und ihrer schwierigen Suche nach einem Rückflug.

Rosenheim – Zehntausende Deutsche sind nach den US-amerikanischen Angriffen im Iran im Nahen Osten gestrandet. Von einer verspäteten Heimreise sind auch Urlauber aus Rosenheim betroffen: Markus Strassmaier und Sophie Mischner. Die beiden haben uns erzählt, wie sie die Situation wahrnehmen und wie es ihnen geht.

Markus Strassmaier, 32 Jahre und Medienberater beim OVB, war mit drei Freunden für zwei Wochen in Thailand. Er wollte am Samstagabend, 28. Februar, wieder entspannt in München landen. Doch daraus wurde nichts, denn kurz vor der geplanten Zwischenlandung in Dubai hieß es per Durchsage, „dass wir im Oman, in Maskat, wegen sicherheitstechnischer Probleme notlanden müssen“, erinnert sich der 32-Jährige. Niemand wusste Bescheid, bis irgendwann die Durchsage kam, dass es zu einem militärischen Konflikt gekommen und der Luftraum über Dubai geschlossen sei. Sieben Stunden harrten die vier zusammen mit den anderen Passagieren im Flugzeug aus, bevor sie offiziell in den Oman einreisen durften.

Nach der Einreise samt Visum und Passstempel brachte die Airline Markus Strassmaier und seine Freunde in ein Hotel. „Das war auch eine komische Situation“, erklärt der 32-Jährige. „Nachts um 1, 2 Uhr in einem fremden Land und wir wussten nicht, wie die Lage hier im Oman wirklich ist.“ Ähnlich erging es auch OVB-Volontärin Sophie Mischner, die eigentlich acht entspannte Tage auf Bali verbringen wollte. An ihrem letzten Tag auf der indonesischen Insel bekam sie plötzlich eine Mail von ihrer Airline Qatar Airways, dass der Luftraum über Katar auf unbestimmte Zeit geschlossen sei. Sofort suchte sie nach Ersatzflügen nach Deutschland. Für weitere Informationen kontaktiert Mischner eine Nummer, die sie am indonesischen Flughafen bekommen hat. Doch es antwortet nur ein Chatbot, der sie mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbinden will – „seit 48 Stunden“, schreibt die Volontärin genervt. Auch per Mail oder Hotline erreicht sie niemanden.

So schildert es auch Markus Strassmaier. Er wohnt seit Sonntagmorgen in einem Hotel in Maskat, der omanischen Hauptstadt. Zuerst hieß es, die Zimmer seien für drei Nächte gebucht. Weitere Informationen flossen spärlich: „Wir wussten bis zuletzt nicht, ob wir danach aus dem Hotel geschmissen werden.“ Jetzt werden ihre Zimmer Nacht für Nacht verlängert.

Ein weiteres Problem für den Rosenheimer und seine Freunde: „Unser Gepäck ist immer noch am Flughafen.“ Immerhin liegt neben ihrem Hotel ein Einkaufszentrum, in dem sie nicht nur ihre Zeit verbringen, sondern sich auch mit dem Wichtigsten wie T-Shirts, Unterwäsche und Socken eindecken konnten. Wann und wie es für die Gruppe nach Hause geht, ist bis Stand Dienstagabend, 3. März, nicht klar.

Anders bei Sophie Mischner. Die 23-Jährige suchte sich eigenständig einen Rückflug, was wegen der überlasteten Internetseiten von Booking und Co. nicht einfach gewesen sei. „Aus einem bezahlbaren Flug nach Deutschland wurde ein bezahlbarer Flug nach Europa“, erzählt sie. Neben dem Stress mit der Flugbuchung habe sie auch Angst gehabt und sich überfordert gefühlt. „Ich will nur sicher nach Hause kommen“. Am Dienstag verbrachte sie fast einen ganzen Tag im chinesischen Nanjing am Flughafen, bevor es nach Paris ging. „Ich bin zwar 36 Stunden unterwegs, aber dafür hat der Flug weniger als 2.000 Euro gekostet“, beschreibt die 23-Jährige ihre Situation. Es seien „utopische Preise, die aus Verzweiflung bezahlt werden“.

Auch die vier im Oman gestrandeten Rosenheimer haben nach Rückflügen geschaut. „Das Problem ist, dass die meisten Flüge über die Drehkreuze in Dubai und Abu Dhabi gehen und die sind ja auch gesperrt.“ Einige andere Europäer, Griechen und Italiener beispielsweise, die sie im Hotel kennengelernt haben, seien bereits ausgeflogen worden. Eine junge Österreicherin macht sich nach einer privaten Buchung über Indien auf den Heimweg.

Da es den vier Freunden aber „den Umständen entsprechend gut geht“ und sie einander ablenken, warten sie auf eine Antwort von ihrer Airline oder dem Auswärtigen Amt. Von der deutschen Behörde haben sie immerhin eine Mail bekommen, „aber nichts, was uns konkret weiterhilft“, meint der 32-Jährige. Die aktuelle Lage verfolgen sie zwar, „aber wir lesen auch nicht zu viel, denn da bekommt man bloß ein schlechtes Gefühl“. Sie selbst bekommen von den Angriffen – einer davon im Oman – nichts mit: „Der Drohnenangriff war 200 Kilometer entfernt. Am Dienstagfrüh haben wir einen Düsenjet über uns fliegen hören, da schreckt man kurz auf, aber das hört man ja auch in Deutschland immer mal wieder“, erklärt Strassmaier.

Völkerverständigung mit
Bier und Galgenhumor

Und weil gerade Ramadan ist, stellte sich selbst die Suche nach einem Ablenkungsbierchen für die vier gestrandeten Rosenheimer im Oman als kleine Herausforderung heraus. „Am Montagabend haben wir dann eine Bar gefunden, die uns – ein bisschen illegal – ein Bier ausgeschenkt hat“, erzählt er. Damit haben die vier mit einem Österreicher angestoßen. Viel mehr bleibt ihnen im Moment ohnehin nicht: warten, hoffen – und versuchen, der Ausnahmesituation mit etwas Galgenhumor zu begegnen.

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