Rosenheim – Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Während die einen im Minutentakt Videos in den sozialen Medien posten, machen sich andere in der Öffentlichkeit eher rar. Ziele, Pläne und Wünsche, wie sie die Stadt voranbringen wollen, haben sie alle. Ganz egal, ob es um die Belebung der Rosenheimer Innenstadt oder aber kostenlose Parkplätze geht.
Zwischennutzungen
wünschenswert
Anna Rutz, Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen, würde sich wünschen, dass die Stadt aktiv zwischen Eigentümern und Zwischennutzern vermittelt. So könnte ein leer stehender Laden beispielsweise für ein halbes Jahr als Atelier, Café oder Ausstellungsraum genutzt werden. „Es braucht einfache Genehmigungen, geringe Mieten und schnelle Entscheidungen durch den Stadtrat“, sagt sie. Menschen würden nur dann in die Innenstadt kommen, wenn es dort etwas zu erleben gibt. „Wir müssen die Innenstadt als Lebensraum denken, nicht nur als Einkaufsmeile.“ Hierfür brauche es Orte, die zum Verweilen einladen – ganz ohne Konsumzwang. Auch mehr Grünflächen, ansprechend gestaltete Plätze und frei zugängliche Begegnungsstätten würden das Stadtbild stärken und die Lebensqualität für Bürger fördern.
Leerstandsmanagement
bereits vorhanden
Der amtierende Oberbürgermeister Andreas März (CSU) erinnert an den Bebauungsplan „Innenstadt“, der kürzlich im Stadtrat beschlossen wurde. „Nun haben wir als Stadt in der Hand, wie und ob sich Vergnügungsstätten, Gastronomie oder auch Automatenläden in Rosenheim ansiedeln können“, sagt er. Er erinnert aber auch daran, dass die Nachfrage nach genau diesen Betrieben aufgrund des veränderten Konsumverhaltens der Menschen immer größer wird. „Nun haben wir ein Instrument, damit hier kein unverträglicher, stadtbildschädlicher Wildwuchs entsteht“, sagt er.
Die städtische Wirtschaftsförderung stehe zudem in engem Austausch mit Gewerbe und Immobilieneigentümern, um „geeignete und verträgliche Lösungen“ für die Innenstadt zu finden. Auch gibt es das Leerstandsmanagement des Citymanagements, das durch die Stadt kofinanziert wird.
Um für Frequenz in der Innenstadt zu sorgen, schlägt der SPD-Oberbürgermeisterkandidat Abuzar Erdogan vor, dass Gewerbeflächen in den Obergeschossen in Wohn- und Hotelräume umgenutzt werden können. Zudem brauche es Orte, an denen man gerne und lang verweilt. „Das wollen wir mit einer ansprechenden Fußgängerzone in der Münchener Straße, einem Stadtcafé und Flächen für Alt und Jung schaffen“, sagt Erdogan.
Kostengünstige
Parkmöglichkeiten
Marcus Moga, Oberbürgermeisterkandidat der FDP, will Leerstand aktiv verhindern und die Innenstadt wieder zu einem lebendigen Treffpunkt machen. Dazu braucht es ihm zufolge mehrere Bausteine, unter anderem ein aktives Leerstandsmanagement. „Die Stadt darf nicht nur zuschauen, sondern muss gemeinsam mit Eigentümern strategisch steuern, welche Nutzungen wir in zentralen Lagen wollen“, sagt er.
Auch müsse die Innenstadt besser erreichbar sein. Neben einer starken Anbindung an den ÖPNV brauche es kostengünstige und unkomplizierte Parkmöglichkeiten für Menschen aus dem Umland. „Wer am Samstag spontan in die Stadt fahren will, darf nicht zuerst über Parkplatzsuche oder hohe Gebühren nachdenken“, sagt er. Die Innenstadt muss laut Moga zu einer Art Erlebnisraum werden. Es brauche mehr Grün, saubere Plätze, Veranstaltungen, Wochenmärkte und kulturelle Angebote.
Sicherheitsgefühl
wieder herstellen
„Wenn wir Erreichbarkeit, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verbessern, wird unsere Innenstadt wieder das, was sie sein soll – das lebendige Herz von Rosenheim, in dem man sich gerne trifft und gerne einkauft“, fügt der Oberbürgermeisterkandidat hinzu.
Für ein aktives Leerstandsmanagement setzt sich auch Maximilian Leucht, Oberbürgermeisterkandidat der AfD, ein. „Dieses sollte gezielt inhabergeführten Einzelhandel und namhafte Filialisten ansprechen“, sagt er auf OVB-Anfrage. Ihm sei es zudem wichtig, dass das Sicherheitsgefühl in der Stadt wiederhergestellt wird.
„Probleme wie aggressives Betteln, Vermüllung und Drogenhandel müssen konsequent angegangen werden. Sie schaden dem Stadtbild“, sagt Leucht.
Hannah Rohs, Oberbürgermeisterkandidatin der Linken, wünscht sich eine lebendige Innenstadt. Zielführend wäre es deshalb, den „Autos weniger und den Menschen mehr Platz zu geben“. Parallel müsste ein gutes Bussystem aufgebaut werden. „Höhere Löhne und niedrigere Mieten können zusätzlich ermöglichen, dass die Menschen sich auch die Innenstadt wieder leisten könnten“, fügt sie hinzu. Aus diesem Grund will sie den Ausbau von kostenlosen und konsumfreien Angeboten, wie am Salzstadel, weiter unterstützen.
Stadt soll zum
Schlendern einladen
Christopher Ehrenböck, Oberbürgermeisterkandidat der Freien Wähler/UP, setzt als langjähriger Unternehmer auf eine „klare Kante gegen die Verödung der Innenstadt“. Er fordert, den Branchenmix durch gezielte Bebauungspläne rechtlich zu steuern und so Platz für moderne Marken und regionale Konzepte zu schaffen. Es brauche ein aktives Leerstandsmanagement, das Eigentümer in die Pflicht nehme und attraktive Nachfolger akquiriere. „Rosenheim muss wieder zum Schlendern einladen, nicht zum reinen Abwickeln von Besorgungen“, fügt Ehrenböck hinzu.
Auch im Hinblick auf die Verkehrssituation in der Stadt gehen die Meinungen der Rosenheimer Oberbürgermeisterkandidaten teilweise auseinander. „Wir benötigen wirklich attraktive Alternativen zum Auto – denn Mobilität in Rosenheim muss sicher, einfach und familienfreundlich sein“, sagt Grünen-Kandidatin Anna Rutz. Als Beispiel nennt sie sichere Rad- und Fußwege sowie einen Busverkehr, der „zuverlässig, günstig und attraktiv ist“. „Dann bleibt auch mehr Platz auf der Straße für die, die aufs Auto angewiesen sind“, fügt sie hinzu.
Gleichberechtigte
Verkehrsplanung
Für eine „gleichberechtigte Verkehrsplanung, in der alle Verkehrsmittel berücksichtigt werden“, setzt sich CSU-Oberbürgermeisterkandidat Andreas März ein. Fußgänger und Radfahrer müssen ihm zufolge sicher durch die Stadt kommen, gleichzeitig dürfen auch Autofahrer nicht ausgeschlossen werden. Zudem habe er sich den weiteren Ausbau des Stadtbusverkehrs auf die Agenda geschrieben. „Darum investieren wir in den kommenden Jahren 3,5 Millionen Euro in die Ausstattung unseres ÖPNVs“, sagt er. Um den Parkdruck in der Innenstadt weiter zu entlasten, sollen zudem die Kapazitäten deutlich ausgeweitet werden.
Einbahnstraßensystem
für die Innenstadt
Auf ein Einbahnstraßensystem für die Innenstadt will der SPDler Abuzar Erdogan setzen. „Das schafft Raum für sichere Radwege, beschleunigt den Autoverkehr und bietet Platz für Kurzzeitparkplätze“, sagt er. Zudem muss der Verkehr so geordnet werden, dass die Fahrzeuge unmittelbar zu den Parkhäusern geleitet werden. Am Bahngelände Süd könnte sich der Oberbürgermeisterkandidat auch ein neues Parkhaus vorstellen.
Dass alle Verkehrsteilnehmer gleichrangig sind, ist auch FDP-Oberbürgermeisterkandidat Marcus Moga wichtig. Er will auf eine moderne Verkehrssteuerung setzen. Heißt: digitale Leitsysteme mit Echtzeitdaten, optimierte Ampelschaltungen und intelligente Vernetzungen. Neben einer koordinierten Baustellenplanung braucht es auch ein durchgängiges, sicheres und beleuchtetes Radwegenetz. „Magische Radwege, welche auf einmal auftauchen und genauso schnell verschwinden, sind für alle Beteiligten nur gefährlich“, sagt er.
Kostengünstige
Pendlerparkplätze
Um die Verkehrsbelastung in der Innenstadt zu reduzieren, bietet sich in seinen Augen ein Park-and-Ride-System im Außenbereich mit kostengünstigen Pendlerparkplätzen und einem 30-Minuten-Takt zur Innenstadt an. „Zur Finanzierung sollen die Gebühren für Langzeitparker über drei Stunden im Innenstadtbereich moderat erhöht werden“, sagt Moga. Er plädiert zudem dafür, den ÖPNV auszubauen.
Parken auf Loretowiese
wieder kostenlos
Dass Verkehrspolitik nicht gegen das Auto geführt werden darf, unterstreicht Maximilian Leucht, Oberbürgermeisterkandidat der AfD. „Wir lehnen eine schrittweise Aussperrung von Pkw aus der Innenstadt entschieden ab“, sagt er. Der Ausbau von Fahrradwegen dürfe deshalb nicht zur Vernichtung von immer mehr Parkplätzen am Straßenrand führen. Ein weiteres Anliegen von Leucht: Das Parken auf der Loretowiese muss wieder kostenlos werden.
Eine ganz andere Ansicht vertritt Hannah Rohs, Oberbürgermeisterkandidatin der Linken. „Die Zeiten, in denen der Verbrenner das Fortbewegungsmittel der Zukunft ist, sind wohl endgültig vorbei“, sagt sie. Es brauche – auch mit Blick auf die Erderwärmung – soziale Alternativen. Zusätzliche Parkplätze braucht es nach Ansicht von Hannah Rohs nicht. „Wir haben mehr als genug Parkhäuser und Parkmöglichkeiten, die beinahe nie ausgelastet sind“, sagt sie.
Seilbahn vom Schloßberg
in die Innenstadt
Christopher Ehrenböck, Oberbürgermeisterkandidat der Freien Wähler/UP, lehnt eine einseitige Anti-Auto-Politik ab. Stattdessen setzt er auf innovative Vernetzung. Vorstellbar wäre eine Seilbahnanbindung vom Schloßberg direkt in die Innenstadt. „Ein Gondelsystem schwebt über den Stau hinweg, schont die Umwelt und ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal für unser Stadtbild“, sagt Ehrenböck.
Zudem plädiert auch er für ein „durchgängiges und sicheres Radwegenetz ohne gefährliche Lücken“. Große Auffangparkplätze an den Einfallstraßen sollen Pendler und Touristen abfangen, den Individualverkehr mindern und den Suchverkehr in der Stadt minimieren. In der Innenstadt will er sich für den Erhalt von Parkplätzen und den Ausbau von kostenlosem Kurzparken starkmachen, um den Einzelhandel zu stärken.
Ob Seilbahn, Parkhaus-Ausbau oder autofreie Zonen – die Rosenheimer haben am 8. März die Wahl, in welche Richtung sich ihre Stadt in den kommenden Jahren entwickeln soll.