Die Entscheidung fällt am 22. März

von Redaktion

Andreas März und Abuzar Erdogan gehen in die Stichwahl um das Rosenheimer Rathaus

Rosenheim – Viele haben es vermutet, um kurz vor 20 Uhr war es dann offiziell: Im Kampf um das Rosenheimer Oberbürgermeisteramt wird es zu einer Stichwahl zwischen Oberbürgermeister Andreas März (CSU) und seinem Herausforderer Abuzar Erdogan (SPD) kommen. Im ersten Wahlgang erhielt März nach dem vorläufigen Endergebnis 39,1 Prozent der Stimmen, auf Erdogan entfielen 26,6 Prozent. Für eine Entscheidung im ersten Wahlgang wäre eine absolute Mehrheit nötig gewesen.

„Die ganz große Überraschung gab es nicht. Bei sieben Kandidaten haben wir mit einer Stichwahl gerechnet“, sagte Oberbürgermeister Andreas März kurz nachdem das vorläufige Endergebnis vorlag. Er verfolgte die Wahl gemeinsam mit seiner Familie und Parteifreunden von seinem Büro aus. Erst kurz vor 20 Uhr machte er sich auf den Weg in den Sitzungssaal. Er begrüßte Freunde und Unterstützer, beantwortete Fragen und posierte für Fotos.

März sieht einen
„Vertrauensbeweis“

„Knapp 40 Prozent sind für mich trotz allem ein Vertrauensbeweis. Es zeigt, dass wir in den vergangenen sechs Jahren gute Arbeit geleistet haben“, sagte März. Zufrieden mit seinem vorläufigen Ergebnis ist auch Herausforderer Abuzar Erdogan (SPD). „Bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren haben wir gerade einmal elf Prozent der Stimmen geholt. Jetzt haben wir uns mehr als verdoppelt. Das war so für mich nicht erwartbar“, sagt er.

Erdogan hatte die Ergebnisse im SPD-Büro verfolgt, gemeinsam mit seinem Team, darunter auch Gabriele Leicht, Dritte Bürgermeisterin der Stadt. „Es ist etwas Historisches. Rosenheim hat erst zwei Stichwahlen hinter sich seit dem Zweiten Weltkrieg“, fügte der SPDler hinzu.

Die jüngste Stichwahl liegt gerade einmal sechs Jahre zurück. Damals kämpfte Andreas März gegen Franz Opperer (Grüne) um den Posten im Rathaus.

Grüne hätten sich mehr Stimmen gewünscht

Gestern landete die Grünen-Kandidatin für den Chefsessel im Rathaus auf Rang drei. Anna Rutz erreichte 14,4 Prozent der Stimmen. Im Vergleich zur Wahl vor sechs Jahren ein deutlich schwächeres Ergebnis. Damals kam der Grünen-Kandidat auf 22,5 Prozent. „Natürlich dachten wir, dass wir im Wahlkampf überzeugen konnten“, sagte Rutz. Ihre Fraktion habe sich immer wieder von den anderen abgesetzt, sei es mit Blick auf die Entwicklung am Happinger See oder die Bebauung im Norden. „Wir haben uns als die Stimme der Bürger gesehen und haben deren Interessen vertreten“, sagte sie. Auch deshalb habe sie sich mehr Stimmen erhofft.

Zufrieden mit dem Ergebnis ist Maximilian Leucht, Oberbürgermeisterkandidat der AfD. Seine Partei erreichte mit 10,8 Prozent der abgegebenen Stimmen Platz vier. Vor sechs Jahren waren es noch 4,9 Prozent.

„Unser Ergebnis entspricht dem des Bundestrends“, sagte Leucht am Telefon. Er kritisierte allerdings die Wahlbeteiligung von 53,3 Prozent. Die liegt zwar höher als vor sechs Jahren (47,5 Prozent), sei aber immer noch ausbaufähig. „Viele unzufriedene Wähler bleiben bei der Kommunalwahl zu Hause, weil das Ergebnis ihnen egal ist“, vermutet Leucht. Ein deutlich besseres Abschneiden hatte sich Christopher Ehrenböck, Oberbürgermeisterkandidat der Freien Wähler/UP, erhofft. Er kam auf 5 Prozent. Zum Vergleich: 2020 erreichten die Freien Wähler/UP 11,7 Prozent.

Freie Wähler/UP mit
deutlichen Verlusten

„Ich bin nicht zufrieden. Aber ich bin auch das erste Mal angetreten und war vorher nicht im Stadtrat“, sagte er. Trotzdem hätten die Ergebnisse besser ausfallen können. „In sechs Jahren schaut es vielleicht anders aus. Nach der Wahl ist vor der Wahl“, sagte er.

Besser hätte es auch für Marcus Moga laufen können. Der Oberbürgermeisterkandidat der FDP kam nur auf 0,8 Prozent. 2020 waren es 1,3 Prozent. „Die FDP befindet sich in einer schweren Zeit. Lokal sind wir nicht groß verankert. Hier müssen wir in den kommenden sechs Jahren unsere Hausaufgaben machen“, so Moga.

Linke könnten drei Plätze im Stadtrat bekommen

Froh darüber, dass die AfD nur viertstärkste Kraft in Rosenheim geworden ist, ist Hannah Rohs, Oberbürgermeisterkandidat der Linken. „Das ist ein Gewinn für die Stadt“, sagte sie. Sie selbst konnte bei der Wahl 3,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. „Mit dem Ergebnis sieht es danach aus, als ob wir drei Plätze im Stadtrat bekommen. Damit wären wir sehr zufrieden“, sagte sie.

Viele tippen auf März
in der Stichwahl

In zwei Wochen, am Sonntag, 22. März, entscheidet sich dann, wer der künftige Oberbürgermeister der Stadt Rosenheim wird. Schon jetzt gibt es erste Prognosen. „Ich gehe davon aus, dass Andreas März die Stichwahl gewinnen wird“, sagt beispielsweise Maximilian Leucht (AfD). Gleiches vermuten auch Christopher Ehrenböck von den Freien Wählern/UP und Anna Rutz von den Grünen. Dass Rosenheim eine Veränderung an der Spitze guttun würde, findet hingegen Marcus Moga von der FDP. Mit einer Prognose schwer tut sich Hannah Rohs von den Linken. Sie freue sich darüber, dass es eine Stichwahl gibt und Erdogan in seinem Wahlkampf auch auf das Thema Mieten gesetzt hat. „Sollte er gewinnen, werden wir ihm in den nächsten sechs Jahren auf die Finger schauen“, versprach sie.

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