Die Loretowiese – viel mehr als ein großer Parkplatz

von Redaktion

Rosenheimer Zeitsprünge So hat sich der Bereich rund um Rosenheims Festwiese verändert

die heute Rosenheims größter Parkplatz ist. Fotos Archiv Borrmann/Ziegler

Rosenheim – Die Loretowiese, die Loreto-Kapelle, das Loreto-Krankenhaus – woher kommt eigentlich der Name Loreto? Der Name und der Bau der Loretokapelle gehen auf ein Dankgelübde des Rosenheimers Georg Schaur (1579–1652) zurück. Der junge Gastwirt und spätere Bürgermeister erkrankte auf einer Reise nach Italien in dem Wallfahrtsort an der Adria schwer, und bei seiner Genesung versprach er, eine Kapelle nach dem Vorbild der Casa Santa in Loreto zu errichten. 1636 weihte der Fürstbischof von Freising die Kapelle ein.

So kam auch die Loretowiese zu ihrem Namen. Die Loretowiese ist heute nicht nur ein großer Parkplatz mitten im Zentrum, sondern erreichte durch verschiedene Veranstaltungen, an der Spitze das Rosenheimer Herbstfest, einen großen Bekanntheitsgrad. Wer sich auf dem heutigen Platz befindet, kann sich kaum vorstellen, dass die Loretowiese einmal von einer großen Silberpappel-Allee ausgefüllt war.

Ein Blick auf
„Deutschlands
schönste Pappel-Allee“

Die Loreto-Allee war etwa 200 Meter lang und 4,5 Meter breit. Im Frühjahr 1825 gaben der damalige Bürgermeister Michael Ruedorffer und der Magistratsrat Georg Rieder die Pflanzung einer Pappel-Allee in Auftrag. Die neugepflanzte Allee sollte mit drei Teilstücken die etwa dreieckige Loretowiese umschließen. Der Rosenheimer Lehrer Franz Joseph Berthold rühmte in seinem Buch „Die Loreto- und Sebastiani-Allee“ die Loreto-Allee als „Deutschlands schönste Pappelallee“.

1937 wurden die Bäume durch Linden ersetzt, die heute noch am Fußweg entlang der Kaiserstraße erhalten sind. Bereits im Mittelalter war die Loretowiese Schauplatz von Jahrmärkten, seit 1861 findet hier das Herbstfest statt.

Mittelpunkt und ein zentraler Orientierungspunkt während des Herbstfestes auf der Loretowiese war und ist der Glückshafen. Das markante Bauwerk mit dem Dreiecksdach wurde 1973 gebaut und musste 1999/2000 abgerissen werden. Der Grund: Massiver Schneefall am Anfang des Winters, und unter der Schneelast brachen Teile des Dachs ein. Heute ist der Glückshafen eine traditionsreiche Mischung aus Losbude/Bäckerei, Treffpunkt und Geschäftsstelle des Wirtschaftlichen Verbands.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Rosenheim zwei Krankenhäuser: das städtische Krankenhaus in der Ellmaierstraße und das Loreto-Krankenhaus, das vorher das Mädchenlyzeum in Rosenheim war und ab 1925 als „Höhere Mädchenschule neuer Ordnung“ bezeichnet wurde. Das Mädchenlyzeum war eine sechsklassige höhere Bildungsanstalt, die unter Leitung der „Armen Schulschwestern“ stand. Mit zwei Pflichtfremdsprachen und schriftlicher Abschlussprüfung ab 1925 bildete es die akademische Basis für das heutige Karolinen-Gymnasium. Der Neubau an der Ebersberger Straße (1907/08) umfasste auch ein Internat. In den 1940er- Jahren wurde das Gebäude auch als Reservelazarett genutzt.

Die Loretokapelle ist eine kleine, aber bedeutende Kapelle, die 1635/36 erbaut wurde. Sie gehört zum Erzbistum München und Freising und steht unter Denkmalschutz. Über Jahrhunderte war sie ein beliebter Wallfahrtsort. Das ist auf zahlreichen Votivtafeln zu sehen. Teile der Innenausstattung, darunter eine alte Marienfigur, sind bis heute erhalten.

Die Kapelle wurde im Laufe der Zeit mehrfach restauriert, zuletzt 2013/14.

Artikel 1 von 11