Rosenheim – Der Akku des Mikrofons fängt fast an zu brennen. Deshalb kommt es zu technischen Schwierigkeiten und Mayas Mikrofon funktioniert nicht mehr. Sie steht auf einer Bühne in der Aula des Ignaz-Günther-Gymnasiums und spricht souverän weiter. Das ganze Publikum ist leise und lauscht den vier Jugendlichen, die vor allen debattieren. Schüler aus ganz Oberbayern haben sich versammelt, um ihre jeweiligen Schulsieger anzufeuern. Der beinahe Mikrobrand überrascht bei der hitzigen Diskussion nicht.
24 Minuten Zeit
für ein Streitgespräch
Das Ignaz-Günther-Gymnasium trug dieses Jahr den Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ aus und öffnete Teilnehmern und Zuschauern aus elf oberbayerischen Schulen seine Türen. Insgesamt acht Schüler setzten sich durch und traten in Finalrunden gegeneinander an.
Die erste Altersgruppe mit Neunt- und Zehntklässlern diskutierte die Frage, ob auf allen öffentlichen Plätzen in und um Rosenheim kostenloses WLAN angeboten werden sollte. Die Schüler hatten Pro- und Kontra-Positionen vorbereitet. Welche Meinung sie schließlich vertreten sollten, erfuhren sie erst kurz vor Beginn.
Von der Jurybank erklang ein Glöckchen, das Streitgespräch begann. Auf die vier Eröffnungsreden folgte die sogenannte freie Aussprache. Die Teilnehmer machten fleißig Notizen, analysierten die Argumentation der Gegenseite und reagierten darauf. Dafür hatten sie genau 24 Minuten Zeit. „Es geht nicht darum, wer welche Meinung vertritt, sondern wie er sie vertritt“, erläutert Konrad Thees. Der Jurastudent saß in der Jury des Wettbewerbs und debattierte selbst vor drei Jahren bis zum Bundessieg. Hinter seiner Aussage steht auch der gesellschaftspolitische Anspruch von „Jugend debattiert“. Der Schülerwettbewerb steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Junge Menschen zu befähigen, „klar zu denken und fair zu streiten“, ist laut Thees ein Ziel.
Von dem demokratischen Hintergrundgedanken des Wettbewerbs ist auch Susanne Heunisch überzeugt. Die Lehrerin vom Ignaz-Günther-Gymnasium kümmerte sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Sabine Simmendinger um die Organisation des Wettbewerbs in Rosenheim. Tatkräftige Unterstützung erhielten beide von Schülern der zehnten Klasse.
Wasserburger Schülerin
unter Bestplatzierten
Nach der ersten Runde beriet sich die Jury und gab den Debattanten Feedback. Zwei Lehrkräfte, eine Schülerin und zwei ehemalige Alumni-Debattanten entschieden über die Reihenfolge auf dem Siegertreppchen.
Zunächst trat aber die zweite Altersgruppe an. Den Elft- bis 13.-Klässlern wurde eine aktuelle Frage gestellt: Soll die Veröffentlichung von Wahlumfragen im Vorfeld von Wahlen verboten werden?
Von der Kontra-Seite wurde die Debatte mit einem Bild eröffnet. Wahlumfragen seien wie eine Speisekarte im Restaurant, die kurz vor dem Bestellen wieder weggenommen wird. Die Pro-Seite argumentierte dagegen mit Hintergrundinformationen. Sie sah den „Horse-Race-Effekt“ als problematisch an. Dabei wird über Wahlkampf wie über ein Pferderennen berichtet. Beide Positionen fanden abschließend den Konsens, dass Demokratie schützenswert ist.
Am meisten überzeugte der Elftklässler Zhuang Liu vom Humboldt-Gymnasium Vaterstetten die Jury. Er erhielt den ersten Preis. Zusammen mit Amelie Gaißinger vom Luitpold-Gymnasium Wasserburg, die den zweiten Platz belegte, rückt er ins Landesfinale vor.
In der jüngeren Altersgruppe sicherten sich Maya Mittnacht vom Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben sowie Paul Dahmen vom Gymnasium Unterföhring das Ticket für den nächsten Wettbewerb in München. Die 15-Jährige zeigte sich überrascht von ihrem ersten Platz. Auf Empfehlung eines Lehrers hatte sie sich mit einem KI-Tool auf die Debatte vorbereitet. Nun freut sie sich auf das Seminar für Regionalsieger, bei dem die Finalisten gemeinsam trainieren.